Review

Es reizt die Fans der legendären „Star Trek“-Serie natürlich immer wieder, mal zu erkunden, was Schöpfer Gene Roddenberry noch so alles Wunderbares geschafft hat, abseits von Kirk, Spock und Pille.
Das Dumme ist nur – allzu viel ist es nicht und es war auch nicht zwingend immer erfolgreich.
Roddenberry hatte eine Karriere vor „Star Trek“, in Polizei- und Westerserien, aber nach seinem SF-Epos fiel ihm nicht mehr wirklich viel Kreatives ein, außer diesen speziellen Kosmos zu erweitern.
Ausnahmen sind ein paar SF-Pilotfilme in den frühen 70ern – speziell sei da „The Questor Tapes“ genannt, der es auch in deutsche Breiten schaffte, allerdings als mäßig abgeschlossener TV-Film – und eine Sonderbarkeit namens „Spectre“, an die sich heute niemand mehr so richtig erinnert.

„Spectre“ entstammt einem kleinen Subgenre, an dem sich Hollywood praktisch die ganzen 70er lang versuchte, ohne jemals wirklich einen Hit damit zu landen, dem des „occult detective“. Während das Omen des Exorzisten auf Rosemary’s Baby um den Erdball rollte, waren die TV-Leute damit beschäftigt, das Übernatürliche in eine nachvollziehbare Form einer wöchentlichen Serie zu zwingen und was wäre da sinnvoller gewesen, als den Grusel mit einer Krimiserie zu paaren. Ein halbes Dutzend dieser Filme entstand – darunter auch einer mit Leonard Nimoy – doch das einzige Konzept, dass wenigstens auf zwei Filme und eine Jahresstaffel kam, war „Kolchak: The Night Stalker“, in dem Darren McGavin einen Reporter gab, der immer wieder über Unerklärliches stolperte.

„Spectre“ war Roddenberrys Ausflug in dieses Genre und wie sollte es anders sein, das Projekt gelangte nicht zur Serienreife.
Das scheint auf dem Papier verwunderlich, denn mit einer ganzen Reihe namhafter Darsteller schien man ziemlich überzeugt davon zu sein, dass es sich um einen Gewinner handeln könnte. Neben dem Protagonisten William Sebastian, der von Robert Culp gespielt wurde, agierten immerhin noch Oscargewinner Gig Young (in seiner vorletzten Rolle, da er knapp ein Jahr später seine fünfte Frau ermordete und dann Suizid beging), ein junger John Hurt und als Polizist Gordon Jackson, der kurz darauf seine ikonische Hauptrolle in „The Professionals“ übernahm.

Aber wer den Film sieht, weiß, dass es selten so sicher war, dass ein Konzept in diesem Fall nicht funktionierte
Culp und Young bilden hier so eine Art „Holmes und Watson“-Pärchen, wobei Culp unter dem Fluch des Dämons Asmodeus leidet und Young den realistischen Zweifler gibt, der dann später durch Gilian Anderson in „Akte X“ aufblühte. Wie üblich bei Roddenberry, rauscht auch noch seine Ehefrau Majel Barrett durch die Kulissen, hier als Haushälterin-cum-Hexe Lilith, die aber nicht wirklich etwas zu tun hat.

Wer die ersten Minuten sieht, in denen Culp Young in einer ziemlich ausgeflippten Esoterik-Mystik-Hauskulisse zu überzeugen versucht, ihn zu einem unheimlichen Fall nach London zu begleiten, ahnt schon, dass wir uns in der Folge mit sehr vielen Studioaufnahmen begnügen werden müssen und so geschieht es auch.
Nicht allein das, es müffelt wirklich bei den Gesprächen nach „Columbo“ und bei der Höhlen- und Kulissenwanderei nach den klassischen Pappmaché-Felsen der Star Trek-Ära, die hier praktisch überall sind.

In der Folge verstreut das Skript immer wieder reichlich Versatzstücke des Okkulten („Spectre“ hat eine inhaltliche Nähe etwa zu Wheatleys „The Devil Rides Out“, 1968 mit Christopher Lee verfilmt): ein Sukkubus schaut vorbei und wird per magischem Buch zerschmolzen (wobei man eine Menge Dampf einsetzt); ein Historiker wird in seinem Haus zerfleischt und in einem Pentagramm gefunden, während irgendwo am Rande Klauen geschüttelt werden; Hunde greifen John Hurt an (im Off!!!) und landen dann tot im Baum (???) im Garten steht ein akkurates Mini-Stonehenge samt – natürlich noch zu entdeckenden, darunter liegenden Dämonentempels.

Leider wirkt das alles nicht sonderlich überzeugend, denn irgendwo weht und zischt und flammt es ständig, doch die dämonischen Kreaturen sind dann doch wieder Auswüchse des Make-Up und zeitweise der Mottenkiste.
Per uralter Überblendungstricks werden aus Schauspielern semigehörnte Mini-Monstren (natürlich nur im Gesicht), die hier und da etwas nach Klingonen schnuppern; dann stolpert einmal ein Neandertaler mit Klauenmaul durch die Kulisse und zum Showdown hat man sich doch tatsächlich den lächerlichsten und unbeweglichsten Saurier geschnappt, den die Requisitenkammer noch hatte, weil er für „Caprona“ zu unecht aussah.

Das alles ist aber noch gar nichts gegen das gestelzte Skript im besten Erklärbärmodus, bei dem Culp ständig für die Zuschauer nachfassen muss, was offenbar gerade passiert und Young dann ein zweifelndes Bonmot drauf setzt. Hätte der Film einen Hauch Humor gehabt oder statt Young einen Darsteller, der nicht bemüht ausgenüchtert durch den Film stakst, hätte das vielleicht sogar funktioniert.
Hüftsteif und mit mahlendem Kiefer müht sich Culp funktionsarm durch die Ermittlungsarbeit und ist doch am Ende immer nur dazu da, irgendeinen Fluch zu brechen oder ein Siegel zu kitten.

Der Plot beschränkt sich auf das Mini-Rätsel, wer von der dreiköpfigen Cyon-Familie denn nu vom Teufel besessen und führt die Darsteller immer schön im Kreis, bis man sich am Ende (zumindest für die internationale Fassung) auf einen Hexensabbat mit ein paar nackten Möpsen einigen kann.

Die besten 30 Sekunden sind dann auch jene, als Young in dem „sinnenfreudigen“ Haus in einem Wasserbett in einem Zimmer erwacht, für das die meisten Bordelle töten würden, eine zu allem bereite Blondine neben sich findet und noch bevor er die Sprache wieder erlangt, auch noch als Ergänzung die Variante „Versautes Schulmädchen“ und „Lackdomina“ ins Zimmer stiefeln. Fehlte nur noch Stroh, das irgendwo rumlag.

Natürlich kann man sich dennoch wohlfühlen zwischen all den Kulissen, Opferaltären und irre kichernden Mägdelein, die kopfüber an der Wand hängen, aber wenn sich ein Geschehen irgendwo zwischen steif und lächerlich pendelt, ist das noch lange kein Erfolgskonzept, noch dazu wenn die Tricks eher mäßig sind und das schleichende Grauen immer dröhnend angekündigt wird.

Nach „Spectre“ war Schluss mit Lustig und Roddenberry kümmerte sich künftig nur noch um die nahenden Star-Trek-Kinofilme, um auch dort mit den Verantwortlichen jede Menge Streit vom Zaun zu brechen.
Wer mag, kann sich diese Kuriosität im Netz anschauen, ein Verlust für die TV-Geschichte ist die fehlende Serienreife aber sicher nicht. (4/10)

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