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Weichzeichner & Wifezeichner

Bei einigen seiner Thriller und Hommagen konnte man Hitchcocks Meisterwerk "Vertigo" durchschimmern sehen, aber in "Obsession" aka "Schwarzer Engel" geht Brian DePalma in diese Nische nahezu all-in - auf seine ganz spezielle, stylische und schleimige Art und Weise. Erzählt wird von einem reichen, erfolgreichen und zu Beginn glücklichen Geschäftsmann, dessen Frau und Tochter u.a. durch dilettantisches polizeiliches Eingreifen bei einem hinterhältigen Kidnapping getötet werden. Jahre später lernt er eine schöne Studentin in Italien kennen, die seiner Frau verblüffend bis gefährlich ähnlich sieht - und Geschichte wiederholt sich bekanntlich oft...

Schleimige Typen und trügerische Traumata

Fiese reiche alte weiße Männer, kolossal-kaputte Familien, geschundene Männerseelen und fulminantes, augenzwinkerndes "Overdirecting". "Obsession" zieht einen fast hypnotisch mit seinem samtigen Antlitz und seinen saftigen Perversitäten in seinen Bann. John Lithgow hat spürbar fun. Es gibt gotische Bauten und mysteriöse Finten, doppelte Böden, schmerzhafte Verwechslungen. Klar hat das nicht so viel Fingerspitzengefühl wie bei Hitchcock, aber das macht gerade den Reiz aus. Es ist alles krankhaft gekippt und comichaft überzeichnet. Ein Fiebertraum für Erwachsene. Ein Leben aus den Fugen. Leichen in Kellern aus Gold. Sex auf Bergen von Dollarscheinen. Eine opake Oper der Schatten und Sünden. Die ewige Stadt sah selten schöner aus. Ein prachtvoller und dennoch abgründiger Film. Nackter Tanz auf der Rasierklinge. Interne Klaustrophobie. Und ganz klar Warmup DePalmas für noch größere und ganzheitlichere Taten.

Fazit: Inzestuöse Soap, Hitchcockhommage und Bella Italia-Krimi... Nur DePalma, nur DePalma... Nicht sein Bester, trotzdem köstlich weird, edel und bitter. Fein fein. Pervers pervers. Tip top.

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