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  FOOTLOOSE – ein heißer „Tanzfilm“ aus der 80ern mit den heißen Lori Singer und Kevin Bacon


Interessant: Das Thema ist definitiv nicht das Tanzen (dazu wird einfach zu wenig gehopst), sondern die Milieuschilderung einer heißen staubigen „Bauern“-Kleinstadt in tiefster Provinz und, noch wichtiger, der fast schon „philosophische“ Disput zwischen Loris Vater (schön ehrlich und ernsthaft gespielt von John Lithgow), dem „alten“ Prediger, und Kevin Bacon, dem „neuen“ Prediger, der auch ergreifend die Bibel zitieren kann, doch andere Schlüsse daraus zieht – das Tanzen ist dabei nur Anlaß der Diskussionen und Ausdrucksvehikel der gelangweilten Jugend.


Um dieses „tiefschürfende“, obwohl altbekannte Thema „Generationenkonflikt“ garniert sind viele bizarre Dialoge (der deutsch synchronisierte „Jugendsprech“-Jargon aus den 80ern: „Boah, ey!“) und vor allem bizarre Szenen, die den Film zum verrückten Vergnügen machen.


Z.B. das Schisshasespiel mit staubenden Traktoren; Kevins extrem aufgeputschter Solotanz in bizarren Kulissen, inkl. einem Sprung in das Licht zwischen/hinter Stallwänden; der Tanzunterricht für Kevins einfältigen Sidekick, wo z.B. zwei Burschen zusammen tanzen und kleine Kinder als Lehrer fungieren; dann Lori Singer in einem verrückten Indiana-Jones-artigen Stunt: Kaum daß der Film begonnen hat, kraxelt sie zwischen rasenden Autos rum; und noch einmal die taffe Lori Singer im harten Macho-Fight mit ihrem eifersüchtigen Ex-Macker – sie schenkt ihm ordentlich ein, demoliert auch seinen Pickup, muß dann aber doch auch selbst einstecken. Aber sie hat als erste zugeschlagen, und das ganz beträchtlich. Allerhand Kraft dahinter, angesichts ihrer fast schon magersüchtigen Bohnenstangenfigur – für die 80er ungewöhnlich. Lara Croft hätte sich warm anziehen müssen, war damals aber noch eine kleine Grundschulgöre.


Besonders auffallend seltsam ist dann die Höhepunkt-Tanzparty, die zuerst in totaler Langeweile versinkt (warum eigentlich?!? Vielleicht weil sich alle total spießig kleideten?) (Einer der vielen seltsamen, irritierenden Sprünge des Films, die sich logischen Erklärungen entzogen - „Nanu, fehlte da eine Spule?!“ dachte ich mir mehrmals). Die Party wird erst dann zum totalen Triumph/Erfolg, nachdem Kevin und Sidekick zu zweit und in Smokings ca. fünf ungehobelte Angreifer brutal verprügelten – da gelang die Party auf einmal. (Eine seltsame Erklärung.)


Die Party, die irgendwie auch ein Rückschritt für die Jugendlichen zu sein scheint, da sie sich im Moment des Triumphs in lauter kleine, ordentliche, geschniegelte und wohlondulierte Möchtegern-Erwachsene in Anzügen und Abendkleidern verwandelt hatten.


Das passiert zwar auch ein Jahr später in „Breakfast Club“, bleibt aber dennoch ein weiteres der vielen Rätsel des Films, wo die Figuren und ihre Motive mir manchmal etwas zu unmotiviert rumzappten – am Ende also wieder ein totaler Sprung. Aber in einem Tanzfilm sollte ja auch gesprungen werden!


Danke, Kevin, daß Du damit die Jugend für die Zivilisation gerettet hast, trotz Deiner Rebellen-Attitüde, und danke, Lori, für mein neues Frauenideal („Und Jungfrau bin ich auch nicht mehr!“).


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