19.tes Jahrhundert:
Eine junge Frau namens Greta kann sich nach einem Kutschenunfall nicht mehr an ihre Vergangenheit (und somit auch nicht ihre Herkunft) erinnern. Eine schnöslige, zufällig am Unfallort zugegen gewesene Blaublüter-Familie gewährt ihr bis zur Überwindung des Schocks Gastfreundschaft. Das bringt Leben in die Bude, denn die Dame verführt alsbald so ziemlich jeden am Hofe (auch die gnädige Frau!). Hausarzt Dr.Sturges vermutet aufgrund Gretas Amulett einen Zusammenhang zwischen Ihr und einer im Dorf vor Jahren vestorbenen Frau, kann diesen Verdacht allerdings nicht publik macht, da er einer mysteriösen Mordserie zum Opfer fällt...
Man glaubt es zunächst kaum, einen Film von Aristide Massachesi (später Joe d´Amato) zu schauen. Noch stärker als "Sado" hält sich der Trash-Gehalt arg in Grenzen und mehr noch; man kann hier im direkten Vergleich zu seinen folgenden Horrorfilmen eigentlich schon von Kunst sprechen.
Das ganze erinnert deutlich an den klassischen Gothic Horror, wie er ein par Jährchen zuvor von Landsleuten wie Riccardo Freda und eben Mario Bava gepflegt wurde. Wie Bava erzählt d´Amato hier eine quasi "hässliche" Geschichte in schönen Bildern, wobei natürlich nie die Klasse des wahren King of G.H. erreicht wird. Dies liegt vor allem auch daran, dass sich in Bava-Werken die erwünschte Grusel-Atmossphäre durch den gesamten Film zieht, während sich bei "Die Mörderbestien" zumindest in den eher unspektakulären Szenen eine gewissen Trägheit bemerkbar macht. Zumal der Film eh recht wortkarg daher kommt und eher Bilder sprechen lässt.
Ist man jedoch aus dem Stadium des Gorehounds herausgewachsen und gewillt, sich auf diese einzulassen, so muss man ihnen freilich ihre melancholische Schönheit zugestehen. "Die Mörderbestien" strahlt in etwa jene Ästhetik aus, die später d´Amatos geniale (yep: genial!) Erotik-Filme ausmachen sollte. Man rechnet denn auch damit, dass sich früher oder später jemand auszieht (wobei besonder Ewa Aulin als Greta auf letzteres Lust macht) und wird überraschenderweise noch nicht mal enttäuscht. Dann und Wann überschreitet d´Amato nämlich die Grenzen des konventionellen Grusels und drückt in gewohnter Manier auf die Sleaze-Tube. Die Erotik-Einlagen fallen noch recht zahm aus; der Splatter hingegen für das Enstehungsjahr schon ziemlich deftig, u.a. wird einem Kerl wie bei "Demonia" die Visage von´ner Katze zerfetzt und ein derber Kopfschuss ist auch enthalten. Nur wirkt das Gesamtwerk eben um ein vielfacher seriöser als folgende Granaten a la "Nackt unter Kannibalen", da d´Amato noch Wert auf Story und saubere Inszenierung Wert legt und der der Erzählstil sowie das 19.tes jahrhundert-Ambiente gediegener sind.
Wir haben es hier also mit einer Melange aus dem anfangs erwähnten Gothic Horror und dem später perfektionierten d´Amato-Stil zu tun, die auf den 01/85-Teenie-Slasher-Konsumenten mal wieder nur seltsam, schwerfällig und scheiße wirken dürfte. Für mich als Italo-Fan hingegen ist "Die Mörderbestien" eine interessante Perle, die unterhaltsam den Übergang vom frühen, Hammer-inspiriererten klassischen Horror zu den Gore/Sleaze-Knallern der ´80er dokumentiert.
Schade ist eigentlich nur, dass der gute alte Kinski (wenn ich es recht überschaue) nur 5,6 Sätze spricht und frühzeitig ermordet ist, obwohl doch auf allen mir bekannten Covern mit ihm als Hauptdarsteller geworben wird:-(