Kann sich noch jemand an Dirk Bachs ersten Auftritt in Bioleks Kochsendung "Alfredissimo!" erinnern? Wenn nicht: unser einstiger Vorzeigeentertainer Bach - möge er in Frieden ruhen - bereitete dem Moderator ein Chili zu, dass neben einer absurden Menge Käse und Ananas drei verschiedene Fix-Gewürzmischungen enthielt und uns Normalsterbliche nicht gerade zur Nachahmung einlud.
Warum ich das hier erwähne? Nun, "Die Morderbestien" von Aristide Massacessis, dem späteren Joe D'amato, weißt inhaltlich ähnliche Qualitäten auf, die ein Durchschnittsverstand, wenn überhaupt, eher als Best fo- Sammlung europäischer Hortitliteratur versteht. Was erstmal schlimmer klingt als es ist: "Die Mörderbestien" ist eine audiovisuelle Orgie aus Eindrücken und fast schon Kunst zu nennen, wenn D'amato das Etikett nicht schon zu Lebzeiten abgelehnt hätte. Wahrscheinlich wurde er auch jetzt noch zu gerne dem Grabe entsteinen und mich mit seiner Knochenhand Ohrfeigen, weswegen ich das K-Wort hier besser nicht mehr erwähne.
Nachdem Klaus Kinski in einer stimkungsvoll melancholischen Ruckblende den Tod seiner Schwester betrauert kommt es einige Szenen später zu einem folgenschweren Unfall, der das adelige Pärchen Von Ravensburg (uns alle dieser Tage durch ihre Brettspiele bekannt) um einen mysteriösen Hausgast bereichert: einer schwarzen Kutsche gehen die farblich passenden Pferde durch. Acker-Adolf und Striegel-Stalin rennen gen Freiheit und lassen dabei den Kutscher als Lebendschaschlik an der Wagenachse und Insassen Greta in der Obhut der Von Ravensburgs und des Arztes Dr. Sturges (Kinski) zurück, der feststellt, dass mit der jungen Dame auch abseits der Amnesie etwas nicht ganz koscher ist.
Einige Zeit vergeht und die Von Ravensburg nehmen die umgängliche Greta als Adoptivtocher mit gewissen Vorzügen auf, von der vor allem Hausherrin Eva geradezu romantisch besessen ist. Dr. Sturges wiederrum kommt Evas Halsschmuck sei Dank einer Formel für ein Wiederbelebungselixier auf die Spur, beißt aber ebenso schnell ins Gras wie die Ravensburg Suche Haushälterin Gertrud, scheinbar ebenso wie Greta eine Wiedergängerin.
Als ich den Trailer zum Film vor gut 20 Jahren erstmals sah mutmaßte ich, es handle sich um die Kinskivariante des Frankensteinstoffes. Weit gefehlt! Ja, Mary Shelley hat auch hier ihre Spuren hinterlassen, aber das haben Edgar Allen Poe, die Hammerstudios und gar die Blutgräfing Erszebeth Bathory ebenso und es ist nicht immer klar, welche von besagten Spuren im Film weiterführt und wo es einfach nur köstlich nach rotem Hering duftet. Ganz spät im Film erfährt man auch häppchenweise etwas von Gretas Herkunft und ihrem Schicksal, aber um das Wollknäuel auseinander zu klamüsern musste ich den Film ehrlicherweise nochmals sehen.
Was ich definitiv vorhabe, denn optisch und musikalisch ist der einzige unter Klar Namen veröffentliche Aristude Massacessi-Film ein Fest! Kostümpomp, Wiedergängerhorror und europäische Achauerromantik treffen hier durchaus beeindruckend, aber nicht überfordernd aufeinander. Gerade die Kamerafuhrung packt und einige der Effekte sorgen immer noch für massive innere Unruhe. An der Stelle sei die Nadelszene genannt, bei der es mich schauderte. Komponist Berto Pisano war mir bis dato ein unbeschriebenes Notenblatt, aber sein Score macht mich neugierig: wie kann man bitte gleichzeitig so viel Leichtigkeit und so massive Schwermut in ein und dem selben Titelthema transportieren? Ich bin überzeugt, dass der Herr seinen eigenen Platz im Filmmusikolymp hat.
Das ist einer der Filme, für den ich meinen Stammhändler dankbar bin, der so lange und enthusiastisch verbal auf mich einwirkte, dass ich fast schon glaubte, daß Label wurde ihm eine Provision für seinen Einsatz zahlen. Tut das Label übrigens nicht, der Mann ist wie ich einfach nur absoluter Überzeugungstater in Sachen Kino. Dass dem Film hierzulande der Platz in einem solchen verwehrt blieb ist und bleibt mal wieder eine Schande, aber das kenne ich ja bereits von einem Gros anderer Filme.
Wer D'amato der üblichen Filme abwatscht, dem bieten "Die Mörderbestien" einen technisch anspruchsvollen Grund zur Versöhnung. Das hier ist ein schönes Beispiel für jene Art von Filmen aus Umbruchszeiten des Horrorgenres, wo auf leisester Sohle der berüchtigte Gorebauer aus dem Nebelschleier hervorschlich, umseinen randvollen Eimer gen Linse zu schütten. Noch immerhin ohne die böse Absicht, die alte Gruseltradition nun vollendst rot zu überpinseln.