ACHTUNG ! SPOILER !
Die junge Greta von Holstein (Ewa Aulin) verliert bei einem Unfall mit einer Kutsche ihr Gedächtnis. Sie wird auf das nahegelegene Schloss des Grafen von Ravensburg (Sergio Doria) gebracht. Dort wird sie gesund gepflegt, doch ihre Erinnerung kehrt nicht wieder. Sie bleibt aber auf Wunsch des Grafen, der sich in sie verliebt hat, weiterhin auf dem Schloss. Doch auch Eva von Ravensburg (Angela Bo), die Frau des Grafen, hat sich in die anmutige Greta verliebt. Greta geht mit beiden ein intimes Verhältnis ein. Als Eva eines Tages durch Zufall beobachtet, wie Greta mit dem Grafen schläft, kennt der Zorn der doppelt hintergangenen Frau keine Grenzen. Sie lockt Greta in den Keller des Anwesens und mauert sie dort bei lebendigem Leibe ein. Als das Verschwinden von Greta bemerkt wird, wird eine Suchaktion in die Wege geleitet, die aber erfolglos bleibt.
Nach ein paar Wochen taucht Greta während eines Maskenballs plötzlich, mit halb verwestem Gesicht, wieder auf. Sie verfolgt Eva durch die Gänge des Schlosses, taucht unvermittelt wie eine Spukgestalt vor ihr auf, bis Eva an ihrem Verstand zu zweifeln beginnt und schließlich vor Schreck aus einem Fenster in den Tod stürzt. Auch der Graf und dessen Vater Herbert von Ravensburg (Giacomo Rossi-Stuart) fallen der lebenden Toten zum Opfer. Am Ende steht der ermittelnde Kommissar Dannick (Attilio Dottesio) vor zahlreichen Leichen und einem für ihn unlösbarem Rätsel...
Aristide Massaccesi hatte bereits seit den frühen 60er Jahren als Kameramann gearbeitet, als er 1972 mit LA MORTE HA SORRISO ALL'ASSASSINO einen seiner ersten Filme als Regisseur vorlegte. Für diesen Film hat der Regisseur Massaccesi dem Kameramann Massaccesi wohl so etwas wie eine „carte blanche“, also absolut freie Hand, bewilligt. Eine solche Fülle von Kameraspielereien und extremen Einstellungen in einem narrativen Film ist recht ungewöhnlich, bestenfalls unkonventionell. Der Einsatz dieser regelrecht entfesselten Kamera ist für einen Spielfilm jedoch nur bedingt tauglich. Massaccesi irritiert den Zuschauer damit mehr als nötig und gibt ihm keine rechte Gelegenheit, emotional am Geschehen teilzuhaben. Immer wieder wird dem Betrachter vor Augen geführt, dass es sich hier nur um einen Film handelt.
Diesem visuellen Chaos passt sich allerdings das dramaturgische Chaos perfekt an. Die Geschichte, die Massaccesi erzählt, ist dermaßen zerfahren und gleichzeitig in sich verschachtelt, dass man im Prinzip nur eine grobe Idee von dem bekommt, wer was warum in den gerade miterlebten 88 Minuten getan hat. Zahlreiche Ungereimtheiten, logische Fehler und falsche Spuren tragen auch nicht gerade zu einem besseren Verständnis bei.
Voyeurismus, Sex und Gewalt spielen in diesem frühen Massaccesi-Film zwar schon eine bedeutende Rolle, bleiben aber, abgesehen von ein paar saftigen Splatter-Effekten, noch weitgehend dezent. Zu den eher unangenehmen Szenen zählt die Sequenz, in der eine Stecknadel in Großaufnahme in einen Augapfel gestochen wird, sowie die, in der eine Katze einem Mann die Augen auskratzt.
Zwischendurch stellt sich aber viel Leerlauf ein, zumeist überbrückt mit weichgezeichneten Zeitlupenaufnahmen der blonde Ewa Aulin, untermalt von der immer gleichen, nervig-süsslichen Musik. Da ist der Kitsch nicht weit.
Klaus Kinski hat als dubioser Arzt Dr. Sturges mal wieder, im wahrsten Sinne des Wortes, jede Menge Leichen im Keller. Er muss aber sinnigerweise bereits nach 40 Minuten selbst den Löffel abgeben, obwohl er doch gerade das Geheimnis des Lebens entdeckt hat! Die weiteren Darsteller, darunter einige bekannte Namen wie Giacomo Rossi-Stuart, Luciano Rossi, Angela Bo und Attilio Dottesio, sehen dank einer wenig gelungenen Synchronisation schlechter aus als sie eigentlich sind.
LA MORTE HA SORRISO ALL'ASSASSINO ist in vielerlei Hinsicht ein durchaus bemerkenswertes, dichotomes Frühwerk von Massaccesi, doch als stringenter Horrorfilm taugt der Film nur bedingt.
An der Wiedergabe der Handlung des Films haben sich auch schon andere Autoren verzweifelt versucht, wie die folgenden Beispiele belegen:
„Der irre Wissenschaftler Dr. Sturges sucht eine Formel, die das ewige Leben ermöglichen soll. Parallel dazu weckt ein in inzestuöser Liebe zu seiner Schwester entbrannter junger Mann selbige von den Toten auf und kommt während einer Autofahrt ums Leben. Die Schwester landet bei Dr. Sturges, der entdeckt, dass sie eine Untote ist, verführt eine junge Frau und hetzt sie gegen deren Liebhaber auf. Sie wird erneut ins Jenseits verschlagen, wo sie aber nicht lange bleibt.“ (Hahn / Giesen: Seite 434)
Auf dem Cover der gekürzten DVD-Fassung von „Best Entertainment“ ist zu lesen:
„Es ist die Geschichte eines Mannes, der eine alte Inka-Formel findet. Schnell merkt er, dass man mit dieser Formel Tote auferstehen lassen kann. Der Mann beschließt sie für seine eigene Reihe von Rachemorden zu verwenden.“
Peter Osteried schreibt:
„Ein Arzt experimentiert mit Alchemie, um Tote zum Leben zu erwecken. Es gelingt ihm, eine verstorbene Frau wiederzubeleben. Doch sie ist nicht mehr der Mensch, der sie einst war. In ihrem Körper leben die Seelen der Verdammten, die mit ihr ins Leben zurückgekehrt sind und nur das Töten im Sinn haben.“ (Osteried / Libbitz: Seite 76)
Aus der Werbung:
„Mörderbestien“ ist ein ausgezeichneter Horrorfilm mit absolut hypnotisierenden Szenen (DVD)
Literatur:
Ronald M. Hahn / Rolf Giesen: Das neue Lexikon des Horrorfilms, Berlin 2002
Peter Osteried / Daniel Libbitz: Splatter - Die Meister des Blutes, Band 2, Hille 2007