Review

Gruselkabinichtnett


Mit „Texas Chainsaw Massacre“ hat er sich unsterblich gemacht, bei „Poltergeist“ wird er eher belächelt und beiseite geschoben, „Eaten Alive“ kennt kaum einer, „Lifeforce“ ist zumindest Kult und seine späteren Werke haben alles andere als einen guten Ruf, zum Großteil auch zurecht. Tobe Hooper kennt fast alle Seiten des Horrorgenres, des Ruhms und Hollywoods. Für mich hat er aber definitiv noch einige eher unter dem Radar laufende Asse in seiner Filmografie - „The Funhouse“ ist eines davon. Hier kombiniert er gekonnt Klassik mit (damaliger) Moderne, beispielsweise „Psycho“ mit „Halloween“, „Freaks“ mit seinem eigenen Terroransatz - und herauskommt ein faszinierender Jahrmarktschocker, der nicht nur Vorbild neuer Ableger dieser Richtung ist, wie etwa „Hell Fest“ oder „Haunt“, der zudem auch jede Wiederentdeckung und jeden Einzug in die Sammlung lohnt und es dreifach zurückzahlt. Ein schööönes Ding! 

Wir folgen zwei (anfangs eher mäßig sympathischen) Pärchen auf die Kirmes. Und nach ein paar üblichen Spielchen und Spässchen und Fummeleien, kommen die vier auf die unkluge Idee, die Nacht im dortigen Horrorhaus zu verbringen. Horrorfans sind sie also schonmal nicht. Doch als sie dort einem Mord beiwohnen, haben sie ganz schnell den missgebildeten Killer an der Backe, der diese Nacht für Überlebende wie Zuschauer zu einem echten Trauma werden lässt... Wenn ein Horrorfilm erst ziemlich weit in der zweiten Hälfte seiner Laufzeit zur Sache kommt und mit dem Morden beginnt, könnte man ihm Versagen vorwerfen und sich fragen, was er denn die 45 vorangegangen Minuten gemacht hat. Doch „The Funhouse“ beantwortet das mit Taten, mit Feeling und zudem sehr kompetent. Die Figuren werden zwar eher spärlich und auch nicht sehr liebenswert gezeichnet, doch dafür wird die Schausteller-Atmosphäre derart perfide herausgearbeitet und ins Unheimliche gesteigert, dass man das Gemetzel lange Zeit gar nicht vermisst. Etliche Chapeaus vor Klassikern wie „Frankenstein“ und eine zeigefreudige Elisabeth Berridge steuern ebenfalls ihre Teile dazu bei. Es ist eine richtig wohlige Verbeugung vor der angestaubten Geisterbahn und der aussterbenden Welt der Schausteller. Und wenn es dann im letzten Drittel richtig zur Sache geht, spielt Hooper seine ganze Stärke aus und entlässt einen wahrhaft verstört und gezeichnet. Aber auch super unterhalten und fröhlich. Auf unsere ganz eigene Horrorfan-Art. 

Fazit: sicher nicht Hoopers größte Stunde, aber eine schöne Reminiszenz an die Geisterbahn, an klassische Universal-Grusler und den ganz altmodischen Ur-Schrecken. „The Funhouse“ hat seinen Namen, zumindest für jeden Fan des Genres, mehr als verdient. Ein gutes Stück unterschätzt. Inklusive einer echt starken Maske bzw. einem wirklich viel zu unbekannten „Monster“. Kleiner, krasser Kirmeskalauer. 

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