Santa Claus, der in seiner heutigen Gestalt eigentlich nicht mehr als eine Werbe-Erfindung von Coka Cola ist, gehört zu Weihnachten wie Christstollen, Christkind und Glühwein. Viele Märchen und Mythen wurden um den alten Mann mit rotem Mantel und weißen Bart gesponnen, doch behandeln ihn viele Filme meist nur rein oberflächlich. Anders kommt da "Santa Claus" daher, der sich in der ersten Hälfte als wunderbares Märchen entpuppt, um danach in satirische, aber auch kitschige Gefilde zu fallen!
"Santa Claus" behandeltet in den ersten gut 50 Minuten eigentlich die märchenhafte Erklärung, wie Santa Claus und all das bekannte Drumherum, was die Figur heutzutage ausmacht, wohl entstanden sein mag. Denn eigentlich ist Santa Claus ein einfacher Mann, der eines Tages, zusammen mit seiner Frau, mit seinem Rentierschlitten, am Nordpol stecken bleibt. Dort wird er von Kobolden in eine märchenhaft anmutende Stadt gebracht, die sich voll und ganz auf das Herstellen von Spielzeug konzentriert. Nun suchen die Kobolde allerdings jemanden, der diese Spielzeuge zu Weihnachten auf der ganzen Welt verteilt und haben diesen jenigen wohl nun entgültig gefunden. Und auch der, eigentlich vollkommen unbekannte, Mann hat nichts dagegen und macht sich fortan daran, diese Aufgabe zu erfüllen.
Mit einer schier unglaublichen Fülle an liebenswerten Details, versucht Drehbuchschreiber David Newman die Welt und die Entstehung des Weihnachtsmannes zu erklären. So ist z. Bsp. die Artig-Unartig-Liste durch einen verzweifelten Brief eines Mädchens entstanden, die Santa bittet, ihren bösen Bruder kein Geschenk zu bringen. Dann wird die Sache mit dem "Millionen Geschenke in einer Nacht" ganz passabel erklärt und auch sonst findet so ziemlich alles Platz, was den Star aller Kinder nun so ausmacht. Märchenhaft, dabei immer mit viel Liebe zur kindlichen Fantasie umgesetzt, macht diese erste Hälfte unglaublichen Spaß, vor allem wenn man sich seine kindliche Naivität zumindest ein bisschen bewahrt hat.
Mit dem Fortgehen des Koboldes Patch in die Millionenmetropole New York, schwappt das Ganze danach aber plötzlich zu einer geballten Satire auf die Verkonsumierung des Festes um, was dann eigentlich gar nicht so recht passen möchte. Zwar könnte die Satire als einzelner Teil gesehen ebenfalls überzeugen und die Ideen, wie z. Bsp. einem "Weihnachten II im März" oder fliegenden Kindern durch magische Zuckerstangen, machen auch durchaus Spaß, doch zum hochfantasiereichen Beginn passt das Treiben dann nur noch bedingt. Zumal auch einige unpassende Grobheiten nicht ausbleiben. Gott sei Dank wird aber auch dieser Part noch oft genug von märchenhaften Zügen unterbrochen, womit man sich dann im Endeffekt, trotz der unpassenden Zusammenstellung, doch nicht allzu stark ärgern muss.
Dem einen Freud, dem anderen Leid dürfte allerdings die zuckersüße, megakitschige, Inszenierung sein, vor allem im Märchenteil. Während sich Freunde gängiger Weihnachtsfilme nur so in die detailverliebte, quietschbunte und wirklich herrlich weihnachtlich ausgefallene Umsetzung verlieben dürften, dürften die Kritiker solcher Filme wohl schon nach den ersten 5 Minuten Zahnschmerzen bekommen. Vor allem wenn der dicke Kerl ein ums andere Mal mit seinem Rentierschlitten übers Bild fliegt und dabei glitzert, funkelt und Sternenstaub versprüht, dürfte es so manchem Cineasten, mit Abneigung zum weihnachtlichen Kitsch, schnell vergehen. Aber das dürfte in diesem Fall wohl wirklich 100% Geschmacksache sein!
Was die Darsteller angeht, so ist vor allem Hauptdarsteller David Huddleston eine absolute Wucht. Neben Richard Attenborough in "Das Wunder von Manhattan", dürfte es in der Filmwelt wohl kaum einen besseren und glaubwürdigeren Santa Claus gegeben haben als ihn. Mit unglaublicher Spiellust und viel Liebe zur Figur, stellt er den altbekannten Charaktere wirklich 100% so da, wie man ihn von überall her kennt. Selbst als Erwachsener könnte man fast wieder anfangen an den Santa Claus zu glauben, mit solch einer Bravour spielt Huddleston hier. Aber auch John Lithgow als geldgieriger B.Z. macht seine Sache mehr als gut, genauso wie Dudley Moore als Kobold Patch. Kurzum, die Darsteller sind allesamt Spitze!
Fazit: Märchenhafter, unglaublich detailverliebter, Santa Claus-Film, der die Figur des Weihnachtsmannes dieses mal nicht nur oberflächlich betrachtet, sondern auf wirklich liebenswerte Art und Weise versucht, die Entstehung der Figur und all der bekannten Klischees zu erklären und dies auch locker schafft, im Sinne eines Märchens. Auch wenn die später aufkommende Satire, auf die Verkonsumierung des Weihnachtsfestes, nicht wirklich passt, so macht auch dieser Part Spaß. Umgesetzt durch eine unglaublich weihnachtlich anmutende Inszenierung, die für manchen Zuschauer aber sicher etwas zu viel weihnachtlichen Kitsch beinhaltet, sowie genialen Darstellern, kann man sich dieses X-Mas-Märchen, trotz einiger Abstriche, eigentlich jedes Jahr von Neuem anschauen! Für Weihnachtsfreaks sicher unentbehrlich!
Wertung: 7/10 Punkte