Review

Gruseliger Zuckerbäckerkitsch aus den schlimmsten Untiefen der 80er.

Klar, diese Dekade wird ja immer gern mythisch verklärt, wegen Star Wars, Star Trek, Indiana Jones, Lethal Weapon, Terminator und Ghostbusters – aber genausogut haben diese 10 Jahre eine ganze Reihe enorm furchtbarer Filme in die Kinos gespült. Die haben seltsamerweise auch ihre Fans – meist aufgrund kindlicher Prägung und dem Konsum zur Zeit der größten Konsumunruhe, aber aus meiner Sicht muss man schon enorm geschmacksicher gepolt sein, um „Santa Claus – The Movie“ wirklich für einen guten Film zu halten.

Kurz zusammengefasst: irgendwann, vor langer Zeit, waren Mr und Mrs Claus mit der Renntierkutsche unterwegs und auf dem besten Weg, im Schneesturm tiefzukühlen, als sich ein Licht vom Himmel herab auf den Weg ergießt und eine Horde Kobolde – bizarrerweise ist Dudley Moore unter ihnen – zur Rettung kommt. Sie bringen den bärtigen Onkel in die Geschenkestadt, wo ihm ein sehr alter Elf (gespielt von einem noch viel älteren Burgess Meredith) eröffnet, dass er den Mörderjob des bekannten Universums abgefegt hat – er wird niemals sterben und darf bis zum St. Nimmerleinstag den Kindern mit seinem fliegenden Animatronikschlitten Geschenke bringen. Was er dann auch fröhlich so um die 1000 Jahre macht. In den Mitt-80ern leidet er dann etwas unter Burn-Out, weswegen Moores „Patch“ auf die Idee kommt, die Geschenkeproduktion zu automatisieren. Das geht natürlich – ähnlich wie bei dem ganzen Kram aus China – nicht lange gut, denn die Spielzeuge fallen bald auseinander.
Für so etwas wird man auch am Nordpol gefeuert und Patch heuert in der Menschenwelt bei einem rücksichtslosen Großindustriellen an, den John Lithgow mit dem Flair einen drogenberauschten Kasperpuppe spielt. Dann gibt es noch eine klebrige Nebenhandlung mit einem reichen Kind und einem armen Kind und als Höhepunkt die tödliche Gefahr durch explodierende Zuckerstangen.

Für dieses saccharinsüße Stück Idiotie durfte Jeannot Szwarc – der auch schon gekonnt den zweiten Weißen Hai und ein Verbrechen namens „Supergirl“verrissen hatte – 50 Millionen verpulvern.
Von dem Budget wurde irre viel in die liebevolle, aber wohl von den Spielzeugen eher ins 19.Jahrhundert gehörende Spielzeugfabrik gesteckt, während dann für die äußerst mäßig animierten Flugszenen vor Blue Screens keine Kohle mehr übrig war. Altbackene Rückprojektionen mischen sich mit disneyesken Sternenhimmeln, die sich über deutlich künstlichen Studiosets wölben. Ultimate Selling Point schienen die knuffigen Rentiere gewesen zu sein, die deutliche öfter im Bild sind, als die meisten menschlichen Darsteller.

Was die erzählte Geschichte angeht, so wurde die nicht nur stiefmütterlich erzählt, sie scheint sowieso nicht von besonderem Interesse gewesen zu sein, denn sie entwickelt sich vage im Hintergrund. Ein Drittel geht für die Basisgeschichte des Weihnachtsmannes drauf, dann schmeißt man ein paar Kinder für suppige Gefühlsinteraktionen in den Mix und der Film hat seine Halbzeitmarke schon überschritten, als der angebliche Schurke des Spiels überhaupt mal ins Bild kommt. Der ist dann auch noch so deppert, dass nie auch nur der Funken eines Interesses für den Plot aufkommt. Huddlestons Santa und Lithgows Wirrkopf begegnen sich im Film leider nie und sogar Moore hat so gut wie gar nichts zu tun, außer über seine eigenen kreativen Ambitionen zu jammern.

Hinzu kommt noch, das der Film MEHR ALS DEUTLICH von Coca-Cola und speziell McDonalds gesponsert wurde, so wie die Markenlogos in den Film gepflastert wurden, was um so mehr auffällt, wenn das Drumrum eigentlich uninteressant ist.
Also gar nicht mal so unlogisch, dass dieser flache Quark anno 1985 zwar nicht gerade total bombte, aber nicht mal sein eigenes Budget wieder einspielte, während er von „Rocky 4“, „Spione wie wir“ und „Juwel vom Nil“ begraben wurde.

Heute taucht der Film in der Vorweihnachtszeit leider immer wieder auf, obwohl man ihn bequem einfach vergessen könnte, er ist zwar nicht ausnehmend peinlich, aber flach, künstlich, uneben und verkitscht – und das haben andere Filmemacher mit ihren Beiträgen besser hinbekommen. (3/10)

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