Final Fantasy ist ein Name, der Videospielern auf der ganzen Welt ein Begriff sein sollte. In der Filmwelt hingegen scheint just ein riesiger Sprung gemacht worden zu sein, denn zwischen dem letzten Erguss im Filmformat ("Final Fantasy - Die Mächte in Dir") und "Final Fantasy VII: Advent Children" fehlen ja irgendwie fünf Teile.
Doch zuerst sollte man die Geschichte der Reihe etwas nachvollziehen: Der angeschlagene Konzern Square setzte am 18. Dezember 1987 alles auf eine Karte, indem er das gewagte Experiment "Final Fantasy" auf das japanische Famicom brachte: So ziemlich die Mutter der Japano-RPGs. Es sollte eine Art Schlussstrich für Square darstellen, denn mit einem Erfolg rechnete man eigentlich nicht. Aber dann kam alles anders und "Final Fantasy" wurde zum Megaseller und "Mega-" muss man hier wörtlich nehmen! Somit endete eine Dürreperiode für Square und frei nach den Gesetzen des Kapitalismus setzte man den Erfolg fort. Und da in der Videospielwelt Fortsetzungen durchaus das Original in Qualität übersteigen, war die Welt im Reinen. Drei Episoden für das Famicom, drei für das Super Famicom, und dann? Die Partnerschafft mit Nintendo verlief blendend, doch der nächste Generationswechsel stand vor der Tür und Hiroshi Yamauchi, berüchtigter Sturkopf und damaliger Präsident Nintendos, wollte für die nächste Konsolengeneration weiterhin auf Modultechnologie bauen. Vorteil der traditionellen Technik: Schnelle Zugriffs- und Ladezeiten; Nachteil jedoch die im Vergleich zum optischen Medium hohen Produktionskosten und geringen Speicherkapazitäten. Square werkelte nun schon fleißig am siebten Teil und hatte auch schon eine nette Demofassung fürs Nintendo 64 fertiggestellt (die man auch tatsächlich mit ganz viel Eifer irgendwo erstehen kann!), stolperte aber praktisch über die Konkurrenzkonsole Playstation. Ein Ereignis, welches die Welt der Videospiele ähnlich beeinflusste, wie der zweite Weltkrieg die Geschichte der Menschheit.
Denn während auf dem Nintendo 64 Echtzeit-3D-Kulissen das Bild bestimmt hätten, gab es auf der Playstation lediglich vorgerenderte, aber dafür extrem ansehnliche Bildchen. Und schaut man sich an, wie sich die Konsolenwelt danach so entwickelte, wird die Bedeutung dieser Entscheidung einsehbar: Bis zur nächsten Generation bestimmen vorgerenderte Kulissen die Welt; ob nun "Resident Evil", "Oddworld" oder zig andere Japano-RPGs bzw. Spiele überhaupt, überall sind die Hintergründe zwar recht statisch, aber auch hübsch. Hiroshi Yamauchi kriegte sich nicht mehr ein vor Wut (denn das Nintendo 64 hätte "Final Fantasy" gut gebrauchen können) und verweigerte die Zusammenarbeit mit Square daraufhin solange er konnte, also bis zu seiner Amtsübergabe an Satoru Iwata.
"Final Fantasy VII" war überdies auch der erste Teil der Reihe, der es auf den deutschen Markt schaffte. Selbst in die Staaten kamen nur wenige Episoden vorher. Diesem siebten Teil also wurde die Ehre zuteil, das Japano-RPG auch im Westen massentauglich zu machen. Heute ist die "Final Fantasy"-Serie die international erfolgreichste Rollenspielreihe überhaupt. Was seit der Playstationära aber auch Merkmal ist: Ausufernde Videosequenzen aus dem Computer, so genannte FMVs (Full Motion Videos). Hier werden einfach gerenderte Einzelbilder zu kleinen Filmchen zusammengebastelt und Square verstand es wie kein zweiter, dies in Perfektion zu betreiben. Und hier lässt sich auch gut die Brücke zum Filmsektor bauen: Serienerfinder und -produzent Hironobu Sakaguchi kam die tolle Idee, einen vollständigen Film als FMV-Sequenz zu machen. Pixar gelang das ja schließlich auch, lediglich etwas abstrakt. Dies war also die Geburtsstunde von "Final Fantasy - Die Mächte in Dir". Mit den Augen eines Videospielers betrachtet in beeindruckender Grafik. Die Geschichte jedoch war wohl für viele zu stark mit Metaphysik angereichert. Vielleicht war es auch die ungewöhnliche Optik. Jedenfalls ließ der Film das breite Publikum kalt und auch zahlreiche Serienfans hätten sich lieber etwas gewünscht, was sich konkreter auf einen Videospielteil der Serie bezog. Der Flopp, ohne jetzt über die tatsächlichen Qualitäten des Films zu urteilen, war jedoch ein harter Schlag für Square. Ein zweiter Treffer würde den Konzern an den Rand der Existenz treiben. Und tatsächlich kam es noch schlimmer: Teil elf der Reihe wurde als Online-Rollenspiel konzipiert. Bisher gab es im Konsolenbereich aber nur wenige Vertreter dieser bis dahin exotischen Spezies. Einzig "Phantasy Star Online" für Segas Dreamcast ließ Optimismus aufkeimen, war es doch ausreichend erfolgreich. Im Gegensatz zu Segas Action-RPG kam "Final Fantasy XI" aber zu allem Überfluss als MMORPG (Massively-Multiplayer-Online-Role-Playing-Game) heraus, was die Produktionskosten in die Höhe trieb und in keiner Relation zum mühsamen Erfolg des Spiels stand. Square stand knapp vor dem Aus, aber im Land der aufgehenden Sonne standen Fusionen gerade hoch im Kurs. Enix, die die national erfolgreichste RPG-Serie "Dragon Quest" herausbringen, verbündete sich also mit Square; heraus kam Squareenix.
Was hat das alles nun mit "Final Fantasy VII: Advent Children" zu tun? Naja, ein bisschen Geschichte tut immer gut, viel wichtiger ist jedoch, dass ohne jene Fusion dieser Film niemals zustande gekommen wäre. Enix hat in dieser Ehe nämlich die Hosen an und gibt seit geraumer Zeit einen arg progressiven Ton vor. Denn eigentlich wird zu keiner einzelnen Episode der FF-Reihe eine Fortsetzung produziert. Enix sieht aber nicht ein, die Reihe nicht weiter auszuschlachten und bringt mit "Final Fantasy X-2" ein Sequel zum zehnten Teil. Die Stategie ist von Erfolg gekrönt, also sprintet man weiter in dieselbe Richtung. Seit "Final Fantasy VII" dem einstigen Fanfavoriten "Final Fantasy VI" dank kultiger Story und tollem Magiesystem den Rang abgelaufen hat, sehnen sich die Anhänger nach Spin-Offs, Remakes und sonstigem Zeugs. Squareenix macht daraufhin Nägel mit Köpfen und bringt gleich eine ganze Compilation auf den Markt: Neben Handyspielen, einer Episode für Sonys schwächelndes Handheld PSP und dem durchwachsenen "Dirge of Cerberus" für PS2 zählt sich auch "Final Fantasy VII: Advent Children" zum Mammutprojekt.
Dieser Film ist dann auch tatsächlich ein richtiges Sequel, weswegen ich kurz die Story des berüchtigten Videospiels umreiße: Cloud Strife stößt als Söldner auf die Widerstandsgruppe Avalanche. Hier trifft er nicht nur auf den grimmigen Barret, sondern auch auf seine putative Jugendliebe Tifa. Jedenfalls operiert Avalanche gegen die übermächtige, menschenverachtende Shinra-Gesellschafft. Diese Geselschafft saugt dem Planeten nicht nur Energie ab, um daraus zauberfähige Substanzen zu formen (darauf fußt das geniale Magiesystem des Spiels) sondern werkelt auch an Superkriegern. Aus den Experimenten resultiert dann auch Sephiroth, eine der berühmtesten Antagonisten der gesamten Videospielhistorie. Im weiteren Verlauf des Spiels ist man als Cloud und seinem illustren Gefolge damit beschäftigt, die Vernichtung der Welt durch Sephiroth zu verhindern. Die Geschichte ist dabei nicht nur reich an Storytwists, sondern auch hochemotional mit einer steten, superben Melancholie versetzt und irgenwie zeitlos.
Der Film spielt zwei Jahre später; Sephiroth gehört der Geschichte an. Cloud und seine Truppe sind zur Ruhe gekommen, doch das Böse blubbert erneut. Nicht nur, dass die zahlreichen Kinder unter einer seltsamen Krankheit namens Geostigma leiden, nein: Auch Anhänger Sephiroths basteln an einer "Reunion" und machen mächtig Ärger. Allen voran versucht der feminin wirkende Kadaj, Sephiroth wieder zum Leben zu erwecken.
Um es gleich mal klar zu stellen: Wer das Spiel nicht kennt, muss schon extremer Animefreak sein oder sich vielleicht auch etwas mit avantgardistischer Kost frei nach Gaspar Noé oder so anfreunden können, um trotz der uneigenständigen Geschichte, die total auf Vorwissen aufbaut, nicht die Flinte ins Korn zu schmeißen. Natürlich hat "Advent Chldren" nichts mit Avantdardismus zu tun; ich wollte bloß dieses Gefühl umschreiben, das man beim Sehen des Films unter Umständen bekommen könnte. Jedenfalls ist die Geschichte keineswegs kompliziert, jedoch wird sie dezent umständlich verpackt. Vor allem die Tatsache, dass man einige Geschehnisse nicht chronologisch abspult, erscheint wie ein verzweifelter Versuch, die Verworrenheit des Spiels in die Filmwelt hinüberzuretten. So werden des Öfteren Zeitebenen munter alterniert und der Zuschauer somit strapaziert. Als Final Fantasy-Unkundiger versteht man bei den unzähligen verschiedenen Figuren selbst nach der alibihaften Einführung nur noch Bahnhof. Serienveteranen hingegen dürften sich an der platten Geschichte, so sie denn durchschaut ist, auch etwas wund stoßen. Die Tiefsinnigkeit des Originals wird zumindest nicht erreicht. Ansonsten freut man sich aber über das Wiedersehen mit liebgewonnen Figuren: Von Cloud und der gesamten Truppe über Rufus und die Turks bis hin zur Kultfigur Sephiroth wird der Fan durchaus zufrieden gestellt. Sogar Aerith tritt ab und an auf den Plan. Des Weiteren gibt es noch unzählige, weiter Hommagen wie bekannte Orte, Spezialattacken (heißen ja eigentlich Limit Breaks) und alles weitere, was man sich von einem Sequel wünschen könnte. Der Anhänger an Clouds Brust jedoch spielt wohl eher auf Teil 8 an...
Wie schon bei "Die Mächte in Dir" stammt "Advent Children" komplett aus dem Rechner (bis auf die Synchronisation, versteht sich). Und auch objektiv gesehen ist der Film visuell einfach nur beeindruckend. Charakterdesign und einige Animation sind zwar typisch Anime-mäßig, trotzdem gibt es keinen richtigen Kritkpunkt an der Optik. Was mich in dieser Hinsicht lediglich etwas gestört hat, ist diese gewisse Sterilität, die andauernd vorhanden zu sein scheint. Zwar ist die Metropole Midgar stark bevölkert und überall ist es dreckig, doch ganz stimmig war es dann trotzdem irgendwie nicht. Doch daran trägt wohl vor allem die Soundkulisse die Schuld: Ich will gar nicht am Score meckern, denn dieser könnte gar nicht besser sein. Nobuo Uematsu hat aus seinen Originalstücken des Spiels nochmal einiges gemacht. Die Melodien waren schon damals einfach traumhaft; diesmal wurde noch eine Priese Metal dazugegeben, was sich durchaus begrüßen lässt. Ich habe mich schon lange vor dem Genuss des Films mit dem Soundtrack zugedröhnt, was die Wartezeit auf die visuelle Ergänzung unerträglich werden ließ. Und tatsächlich, auch im Film geht nichts vom Glanz der exquisiten Musik verloren. Ein Highlight ist dann auch der kultige Auftritt Bahamuts (hier lässt sich auch am Design streiten; ich bin ja der Meinung, dass es sich um eine Mischung des Bahamuts aus "Final Fantasy X" und Neo Bahamuts aus "Final Fantasy VII" handelt), denn hier stimmt die Symbiose von Film und Musik. Am Ende trällert dann auch ein selten-geniales "One-winged Angel" aus den Boxen. Doch häufig bleibt eine musikalische Untermalung einfach aus. Gerade bei den trockenen Konversationen hätte man um Einiges mit Musik nachwürzen müssen. Auch wenn man als Rollenspieler das Geklicke durch Textboxen gewöhnt ist, fehlt den Dialogen im Film einfach der Pepp. Andere Szenen hingegen werden auch eher unpassend begleitet: Die Keilerei in der Kirche, in der Tifa Marlene beschützt, wird von einem total unpassend-ruhigen Thema untermalt. Des Weiteren muss ich auch die deutsche Synchro kritisieren, die häufig die Dramatik einer Szene ignoriert. Die Motorradausseinandersetzung am Anfang stellt hier ein gutes Beispiel, weil Cloud mit seinen Widersachern redet, als spielten sie gemütlich Schach gegeneinander, obwohl sie sich doch gerade Saures geben, als würde der dritte Weltkrieg ausbrechen.
Was den Storyunkundigen durchaus als Wehrmutstropfen dienen dürfte, ist die halsbrecherische Action. Denn so over-the-top wie hier geht es wirklich in keinem anderen Film zur Sache. Selbst der umstrittene dritte "Matrix" erscheint mit seinem Finalkampf noch harmlos gegen das hier Gezeigte. Denn wenn man beim Motorradfahren mit einem 30-kilo-Zweihänder einhändig Projektile abwehrt, beim Kampf gegen einen metallenen Hyperdrachen durch die Luft hüpft, als hätte man die Schwerkraft vergessen und Zeitlupen den eigentlichen Hauptdarsteller liefern, weiß man, dass Computeranimierte Filmchen ihre Berechtigung haben.
Also will ich jetzt mal ein Fazit bringen: "Final Fantasy VII: Advent Children" ist wirklich ein toller Film. Zweifelhaft ist jedoch, dass Optik und Action das Highlight sind; hier werden sich die Fans zu Recht aufregen. Diejenigen, die den Film ohne Vorkenntnisse sehen, werden sich hingegen an der Erzählweise, die teils trocken ist und Platz für Längen lässt, wund stoßen; die Essenz des Films bleibt ihnen ohnehin verwährt. Trotzdem würde ich ganz objektiv noch 7 Punkte geben. Dazu gibt es für Tifas Oberweite noch einen Bonuspunkt und hey: Es ist FINAL FANTASY!!!