Review

Final Fantasy VII – Advent Children…

... ist ein visuelles Meisterwerk. Auch wenn es vielleicht die ein oder andere kleine Situation gibt, in der sich die Figuren nicht hundertprozentig natürlich bewegt haben, so können sich alle bisherigen Animationsfilme ein Beispiel an der dargebotenen Natürlichkeit dieser lebendig gewordenen Pixel nehmen. Insbesondere in den Kampfszenen sind die Bewegungsabläufe so geschmeidig, dass sie von denen eines Menschen, zumindest beim erstmaligen sehen , nicht zu unterscheiden waren.
Ebenso beeindruckend war die Darstellung eines Wolfspelzes der sich im Wind wiegt oder auch die Wassereffekte. Ganz zu schwiegen von der aufblitzenden Sonne auf einem in die Tiefe fallenden Schwert oder dem Zertreten einer Sonnenbrille. Und sogar die Hintergründe strotzen nur so vor Detailverliebtheit. Ob zersprungene Fensterscheiben oder Blütenblätter, die auf dem Wasser dahintreiben. Hier wird geklotzt und nicht gekleckert. Dass sich die Figuren und deren Kämpfe jenseits der physikalischen Grenzen bewegen, ist nach dem Spiel so selbstverständlich, dass es eigentlich keiner Erwähnung bedürfte, wäre da nicht die Tatsache, dass genau dieser Umstand den optisch hervorragenden Gesamteindruck noch weiter puscht. Ausgefallene Perspektiven, außergewöhnliche Einstellungen sowie geschickte Zeitlupen- und Zeitraffereffekte unterstreichen elegant choreographierte Szenen und machen diesen Film auch diesbezüglich zu einem Meilenstein seines Genres.

Leider gelingt es dem Film aber nicht die Emotionen zu wecken, die das Spiel so außergewöhnlich gemacht haben. Fraglich ist natürlich, ob man von einem Film mit ca. hundert Minuten Laufzeit die gleiche Intensität erwarten darf, was einem ein Spiel von ca. genauso vielen Stunden beschert hat. Die Antwort darauf muss selbstverständlich „nein“ lauten. Jedoch gibt es genug Filme, die in hundert oder gar weniger Minuten weitaus mehr Gefühl und Verbundenheit mit seinen Figuren und seinen Geschehnissen schaffen, so dass sich Final Fantasy VII – Advent Children zurecht den Vorwurf gefallen lassen muss, aus handlungstechnischer Sicht eher flach und uninspiriert zu sein. Die Beweggründe der Antagonisten wirken ein wenig willkürlich, vor allem wohl auch deshalb, weil einer entsprechenden Erklärung einfach nicht genug Zeit gewidmet wurde.
Als Fan des Spiels kommt man durch die entsprechenden Vorkenntnisse noch etwas leichter darüber hinweg, als jemand, der nicht stundenlang damit verbracht hat, Cloud und die anderen Mitglieder der Truppe kennen zu lernen. Aber auch dieser wird teilweise enttäuscht sein, unter anderem deshalb, weil die meisten der liebgewonnen Charaktere neben Cloud und Tifa in völliger Nebensächlichkeit verharren und über ein paar unnötige Füllsätze nicht hinaus kommen. Besonders traurig finde ich dies bei Barret, einer Figur der ersten Stunde, die für das Spiel und dessen Geschehen von essentieller Bedeutung ist. Eine kleine Ausnahme ist hingegen Vincent, der vor allem ein optisches Highlight darstellt, aber leider ausgerechnet eine Figur ist, die im Spiel relativ spät ins Geschehen eingreift und deshalb zumindest bei mir auch recht selten eingesetzt wurde.
Darüber hinaus ist Cloud depressiv und ohne jegliches Selbstvertrauen, was deshalb komisch ist, weil man ihn im Spiel doch sozusagen als Retter der Welt verlässt und man genau den Punkt, an dem Selbstzweifel bestanden und ihn Schuldgefühle gequält haben, im Spiel längst überwunden hatte. Die dünnen Erklärungsversuche, die dann dafür gegeben werden, sind entsprechend auch wenig überzeugend, werden darüber hinaus leider auf die typisch asiatische Art durch pseudotheatralische Gespräche anstatt durch die bloße Geschichte dargestellt und zerstören somit mehr Emotionalität als sie schaffen.
Ein weiterer Minuspunkt ist der viel zu kurzgeratenen Auftritt von Sephirot. Warum dieser so lieblos und zackig abgespeist wurde, obwohl sich Cloud vorher Ewigkeiten mit Kadaj und seinen Schergen rumschlagen musste, ist mir persönlich ein Rätsel. Während die einen eher wie eine etwas bessere Straßengang wirken, ist Sephirot einer, für mich sogar der charakterlich interessanteste, bestdesignteste und beeindruckendste Gegner der ganzen Computer- und Konsolenspielgeschichte.
Positiv hingegen ist mir Tifa aufgefallen, bei der der Wiedererkennungswert sowohl optisch, sowie ihrem Verhalten nach sehr hoch ist. Leider bleibt aber die genaue Beziehung zwischen ihr und Cloud ungeklärt. Und auch wenn ich kein Fan des zwanghaften Happy Ends bin, so hätte ich mir bei diesen beiden doch gewünscht, dass sie zusammenfinden., was auch daran liegen könnte, dass ich Tifa im Spiel schon besser leiden konnte als Aerith.
Diese hat im Film jedoch eine gute Rolle gefunden. So wurde sie nicht völlig vergessen, hat die im Spiel angedeutete Bedeutung nun endlich erlangt und wurde dabei auch nicht mit übermäßig oder unnötig viel Screentime versehen.
Ähnliches gilt auch für die Turks oder zumindest Rude und Reno, die ähnlich wie im Spiel immer mal wieder auftauchen aber keine echte Herausforderung sind. Im Zusammenspiel sorgen die beiden aber mit teilweise slapstickartigen Einlagen für die witzigen Momente des Films.
Und auch sonst ist für den geneigten Fan dann doch so ziemlich alles dabei. Von den Substanzen als solche, über diverse Zauber, wie Beben oder die Beschwörung eines Bahamuts bis hin zu den Limit-Moves. Sogar eine Gunblade, wie man sie eigentlich erst aus Teil 8 der Spieleserie kennt, ist mit von der Partie. Wer jetzt kein Wort verstanden hat, sollte sich keine Sorgen machen, da das ganze auch ohne Kenntnisse toll anzusehen ist.
Die diverse Örtlichkeiten, wie der Cosmo Canyon, Midgar und die verlorene Stadt sind einwandfrei wiederzuerkennen und man spürt sofort eine gewisse Vertrautheit, die von den aus dem Spiel bereits bekannten Melodien unterstützt wird.
Und genau aus dieser Verbundenheit heraus musste ich trotz der vielen genannten Defizite 9/10 Punkten verleihen. Wer eine solche nicht hat, aber auf schön anzuschauende Kampfsequenzen steht oder sich einfach von einer digitalen Realität verzaubern lassen möchte, wird auch noch Spaß an dem guten Stück haben. Allen anderen würde ich eher davon abraten.


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- Final Fantasy VII (das PS- bzw. PC- Spiel)
- Last Order: Final Fantasy VII
- Final Fantasy – Die Mächte in Dir

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