Review

Meine Kritik beruht auf Sichtung der X-Sess-DVD mit der Hardcore-Version dieses Films!

Zunächst einmal sollte bemerkt werden, dass "In der Gewalt der Zombies" in keinster Weise an "Woodoo - Schreckensinsel der Zombies" erinnert, wie es vielfach vorgeworfen wird. Zumindest nicht von der Handlung her.

 Joe d´Amato war, wie viele andere Regisseure auch, ein kostensparender Filmemacher, der versuchte, das Maximum aus einem Minimum an Budget heauszuholen. Dabei erledigte er meistens mehrere Jobs auf einmal: er inszenierte, schnitt die Filme und war auch für die Kamera zuständig - und das immer unter einem anderen Pseudonym. Da verwundert es nicht, dass d´Amato aus seinen eigenen Werken nicht nur den Soundtrack mehrfach verwendet ("Insel der Zombies" aka "Porno Holocaust" wurde mit demselben Team auf der gleichen Insel mit gleichem Soundtrack gedreht!), sondern auch aus Filmen von Lucio Fulci sich  bedient. So kann man diesen Ideenklau als Hommage ansehen oder d´Amato als Regisseur ohne eigene Ideen. Zumindest ist sein kleines Machwerk "In der Gewalt der Zombies" ein Eintopf mit den verschiedensten Zutaten:

Ideen aus anderen Filmen werden übernommen oder variiert.

Beispiel: die Autopsie eines Zombies stammt genauso aus "Woodoo" wie die Unterwasser-Zombies, wobei diese Idee hier weitergesponnen wurde und die Zombies bei "In der Gewalt..." atmosphärisch aus den Fluten steigen. Während Kollegen wie Lucio Fulci ihre Zombie-Epen Dank derbster Special Effects und Tötungsszenen den Stempel eines Gewaltpornos aufdrücken, spezialisiert sich d´Amato aus Kosten und Kassenträchtigen Gründen vielmehr auf Porno. Somit besteht seine Mischung aus Sex und Horror zu 3/4 aus Sex und der Rest aus Zombies.
 Mit Mark Shannon holte sich d´Amato auch einen versierten Hengst ans Set, der hier einen omnipotenten, skrupellosen Architekten spielt. Shannon wirkt von Natur aus mit seinem buschigen Schnurbart und dem Goldkettchen wie ein schmieriger Zuhälter und ist daher bestens für die Rolle geeignet. Er ist auch der einzige männliche Akteur, der ohne Scheu von Erotik zu Hardcore übergeht und es in verschiedenen Stellungen mit mehr oder weniger hübschen Darstellerinnen vor der Kamera in Nahaufnahme treibt. Dabei ist es weniger sein ebenfalls kaum vorhandenes Minen-, als vielmehr sein abartiges Zungenspiel, das auf die Dauer beim Anblick dieser Szenen mehr für Ekel als für Sinnlichkeit sorgt. Die Pornoszenen werden sinn- und belanglos in die Handlung eingebaut (vor allem die billige Lesebnnummer mit Laura Gemser) und langweilen nur noch auf Dauer. Zwei, drei deftige Hardcore-Szenen hätten durchaus gereicht und ihren Zweck erfüllt.
George Eastman dagegen setzt in seinen Erotikszenen überwiegend auf unbeholfene Lederhosen-Erotik. Ob aus Schamgefühl oder Mangel an Standhaftigkeit wurde nie geklärt. Im Gegensatz zu Shannon behält Eastman seine Jeans stets an und deutet jegliche Sexakrobatik stümperhaft an. Lediglich sein erotisches Wasserspiel in der Abendämmerung mit Laura Gemser versprüht so etwas wie Erotik.
 Provokant, aber damit auch das beste was der Film an Hardcore zu bieten hat, ist der Tanz einer Eingeborenen, die mit einer Sektflasche masturbiert und diese auf diese Art köpft. Eine anstössige, aber gut umgesetzte Idee, die sich vom bisher gezeigtem Hardcore deutlich absetzt und etwas "anderes" bietet.

Der Horror kommt bei d´Amato wortwörtlich auf leisen Sohlen daher.

Zwei kurze Zombie-Auftritte während des Hardcore-Abschnitts wirken deplaziert und die Effekte sind billig. Allerdings steigern sie das Spannungspotenzial, denn ab der 70. Minute wechselt d´Amato dann überwiegend in den Horror-Abschnitt seines Epos.
 
Von nun an dominieren die im Titel erwähnten Zombies und auch die Masken und Splattereffekte nehmen an Qualität zu. Durch den Einsatz eines sehr guten Soundtracks gelingt es dem Regisseur nun auch, eine spannende Atmosphäre zu schaffen und auch die Bedrohung durch die Zombies wirkt beängstigend. Hier und da wird (wortwörtlich) nicht lange gefackelt und auch ein paar Köpfe werden abgeschlagen und ein splattriger Kopfschuss ist ebenfalls vorhanden. Mark Shannon verliert durch Laura Gemser nicht seine Unschuld, dafür seine Männlichkeit, was widerum unspektakulär umgesetzt wurde.
Die verschiedenen Arten, auf die die Zombies zu bekämpfen und zu vernichten sind, sind so vielfältig, wie die Versatzstücke anderer Genres, denen sich hier d´Amato für seinen Grusel-Eintopf bedient. Nicht nur Feuer und gezielte Kopfschüsse töten die Zombies, sie lassen sich auch wie Vampire pfälen und mit einem Fetish (bei Vampiren dem Kruzifix) aufhalten. Laura Gemsers Abbild wird durch die Spiegelung einer Kamera auf den Fotos nicht festgehalten - auch dies ist ein bekanntes Element aus dem Vampirfilm. Die Zombies sind kostengünstig in Laken gehüllt, verbreiten aber als Gruppe, wenn sie in Zeitlupe mit wehenden Gewändern den Strand entlang laufen eine ungeheure Bedrohung und erinnern aus Szenen der "Nacht der reitenden Leichen". Ein weiteres Stilelement aus dem Vampirfilm ist, dass die lebenden Toten hier lediglich nachts ihr Unwesen treiben.

Da der Film nun aufgrund seiner nicht enden wollenden Hardcore-Elemente auf eine Laufzeit von 111 Minuten gestreckt wurde, ist angesichts der langen Laufzeit zu bemängeln, dass manche Fragen offen gelassen werden. Beispielsweise, warum Laura Gemser auf den Fotos nicht abgebildet ist, der alte Weise aber doch. Nun gut, Schwamm drüber.

Nervtötend ist auf Dauer die schlecht synchronisierte schwarze Katze, die ihren Cast lediglich der Tatsache zu verdanken hat, dass die Insel die Katzeninsel genannt wird. Weniger theatralisches Geknurre und drei, vier Fellknäuel mehr, hätten diesen Szenen allerdings mehr Atmosphäre verliehen.

Die Dialoge sind teilweise dümmlich, die Synchronisation noch erträglich und die schauspielerischen Leistungen bewegen sich auf einem Niveau jenseits von Gut und Böse.

Pluto Kennedy (verwandt oder verschwägert mit den Kennedys?) komponierte drei verschiedene Musikthemen, die den Film jeweils in den entsprechenden Szenen tragen und zur Atmosphäre beitragen.

Insgesamt gesehen ist die Mischung aus Sex und Horror zur damaligen Zeit sicherlich neu gewesen, das Verhältnis der Mischung und die Umsetzung ist allerdings enttäuschend. Wer sich mit der Zeit damit angefreundet hat wird dennoch gut unterhalten. Was bleibt ist ein billiger, schmuddeliger Trashfilm mit Zombie-Horror in kleinen Dosen, der jedoch erst im letzten Drittel an Fahrt gewinnt. Stilelemente aus Filmen wie "Woodoo", "Reitende Leichen", "Zombie Holocaust" und dem Vampirfilm wurden zitiert und einfallsreich variiert, was das Machwerk daher über den Durchschnitt ansiedeln lässt. Daher 6 von 10 Zombies.

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