Review

Okay, es ist schon ziemlich ungerecht, einen Film abzuwatschen, den man lediglich im Schnelldurchlauf gesehen hat und dessen letzte Sichtung 15 Jahre zurück liegt. Aber wozu Fairness walten lassen, wenn der betreffende Film selbst dem Zuschauer ziemlich dreißt falsche versprechungen als Köder vor die Nase wirf?

Das falsche Versprechen hier ist ein Klassiker: Die Verschmelzung von Horror und Erotik. Seit Bram Stokers Dracula ein geliebtes Stilmittel der Schauerliteratur, mit den lüsternen Vampiren der Herren Franco und Rollin ins moderne Kino transportiert und dank Paolo Serpieris Morbus gravis - Reihe auch im Comic angekommen hat die Verquickung von Sex und Grauen viele mehr oder minder anspruchsvolle Formen gefunden, die Kritiker verschreckt und/oder in ihren Bann gezogen haben. Wo ein Leben ausgelöscht wird entsteht ein anderes und mancherorts wird dieser Prozess nunmal gerne in einem Abwasch erledigt. Folgerichtig wäre die Mischung aus Splatter und Hardcore als Genreextreme ein möglicher Höhepunkt (höhö) beider Genre mit unglaublichem finanziellem Potential. Heraus kam Murks, der noch nicht mal als Trash genießbar ist, farbarm und unscharf wie das Bild der von mir gesehenen Fassung.

Die Handlung im Schnelldurchlauf: ein schmieriger Geschäftsmann und dessen Geliebte (Mark "Die Sackwarze" Shannon und Dirce Funari) kundschaften mit dem Seemann Larry ("Man Eater" George Eastman)  eine scheinbar verlassene Insel aus, auf der ein Luxushotel entstehen soll. Die mysteriöse Fremde Luna (gespielt von Laura Gemser), die mit ihrem Großvater auf der Insel lebt (und des Nachts gerne mal als Katze umher wandert) warnt die Drei vor den wandelnden Toten, die diese Insel vor Eindringlingen beschützen, ändert aber an dem Raubbaubestreben der Reisegesellschaft nichts. So bleibt ihr nichts anderes übrig, als die untote Sippschaft mit dem Versprechen von feistem weißen Kapitalistenfleisch aus dem Grab zu locken und das Buffet zu eröffnen.

Hachja, Herr D'amato und seine Inseldramen: den hier zusammengefassten Plot sollte er binnen zwei Jahren gleich dreimal in mehr oder minder gleicher Fassung verfilmen. 1978 war es die Liebesgöttin Papaya im gleichnamigen Softsexer, die ein Unternehmerpaar mit Klauen und Zähnen davon abhalten sollte, ihr EIland zu entweihen, im selben Jahr, in dem sich Eastman, Shannon und co. in die Gewalt der Zombies begaben sollte in fast gleicher Besetzung ohne Laura Gemser zum selten dumm betitelten "Porno Holocaust" geblasen werden (Jepp, der war Absicht). Hier war es dann nur EIN "Zombie" (eher ein radioaktiv verstrahlter Mutant), der seine Opfer vorwiegend über Oralverkehr töten, noch mieseren Gore und ähnlich langweiligen Sex, wenn auch mehr davon, bieten sollte. Im Gegensatz zu seiner 79er Menschenfressereskapade hat dieser Film keine nennenserte Atmosphäre, nicht einmal unfreiwillige Komik zu bieten, sieht man mal von George Eastman ab, der zu Filmbeginn in der Psychiatrie einkaserniert geistig umnachteten (und bekleideten!) Klapsensex mit Dirce Funari haben darf. 

Der Rest besteht aus schlecht gefilmten Scharmützeln, für einen Sexfilm recht biederes Gefriemel an Körpern beiderlei Geschlechts sowie dem Öffnen einer Champagnerflasche mit einem weiblichen Intimbereich (!) als Korkenzieher. Ob der Zombie sein Opfer oder ein Herr seine Dame, wenn hier irgendwer vernascht wird, dann ist es langweilig oder dank der genitalen Eigenschaften von Herrn Shannon, der unter der Gürtellinie eine frappierende Ähnlichkeit zu Motörheadsänger Lemmy Kilmister aufweist ein eher zweifelhaftes Vergnügen, bei  dem man hofft, dass die weiblichen Beteiligten mit ihrer Gesundheit davon gekommen sind. 

So gesehen ist das hier nur ein Prototyp des zumindest marginal erotischerem Porno Holocaust, der dem Zuschauer lüstern-sadistisch zuflüstert: "Na, du traust dich nicht ins Pornokino? Na gut, ich zeig dir mal ETWAS, von dem, was dich da erwarten könnte." nur, um einem im nächsten Moment lüstern ins Ohr zu hauchen: "Du willst also die wirklich geile Nummer sehen? Komm ins Pornokino und schau dir den richtigen Film an." D'amato, die alte Regiehure, hats wieder mal geschafft, uns auf dem Zelluloidstrich die Kohle aus der Tasche zu ziehen. Nur hat's diesmal nicht mal irgendwie fetischartigen Spaß gemacht.

Heute mittlerweile zu einem lauen Furz verklungen mag der Film 1980 durchaus noch etwas WInd gemacht und einige Zuschauer zum amüsierten Wichsgruseln animiert haben, vor allem jene, die sich nie in einen richtigen Pornofilm trauten. Aber das dürften auch die Freunde des absoluten Mittelmaßes sein, eben jene leicht zu beglückenden Menschen, die anno 2024 noch zu ihren nostalgischen Horroreskapaden stets die liebste deutsche Nachkriegsentschuldigung schlechthin auf den Lippen haben, die auch schon beim damaligen verfügbaren D'amato - Oevre NICHT stimmte: "Wir hatten ja sonst nichts!"

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