Zweiter Teil der bis dato noch immer unvollständigen "Drei-Mütter-Triologie" von Horrormeister Dario Argento. Doch es kommt Bewegung in die Sache: Immerhin 30 Jahre nach dem Erstling soll nun alsbald doch der von Fans lang ersehnte Abschluss der Reihe erfolgen.
Doch nun erstmal zurück zum bisher letzten, hier zu besprechenden "Mutter-Teil": Gegenüber dem ersten, vier Jahre zuvor entstandenen "Suspriria" muss Nachfolger "Inferno" überraschenderweise leider recht deutlich zurückstecken. Hauptproblem des atmosphärischen Schlitzens ist die arg dünne Story, die sich über gut 100 Minuten praktisch nicht einen Deut weiterentwickelt. Die knappen, rahmenbildenden Fakten zur Legende der "Drei Mütter", die im Prolog dargelegt werden, bleiben bis zum Ende quasi unverändert! Und das ist für einen waschechten Argento unterm Strich einfach viel zu wenig! Ebenso oberflächlich bleiben die Charaktere, unter denen absolut kein Sympathieträger auszumachen ist. Im Grunde treten 9 von 10 Figuren gar lediglich auf, um kurze Zeit später nach zumeist weitesgehend uninteressantem Subplot auf mehr oder minder blutige Weise ins Gras zu beissen. Erst in der Schlussphase findet sich endlich so etwas wie eine inhatliche Linie mitsamt Identifikationsfigur. Das Herumreißen des Ruders im zerfahrenen Storybrei gelingt jedoch kaum mehr...
Anscheinend hat der gute Dario sich einfach zu sehr von seiner liebevollen, technischen Inszenierungsweise ablenken lassen und auf diese Weise das Drehbuch schlicht vergessen. Wenig überrascht es da, dass es letztlich primär die Technik ist, die "Inferno" trotz inhaltlichem Kahlschlag halbwegs sehenswert macht! Charakteristisch aufwendige Set-Ausstattungen, intensive Klänge und bunt ausgeleuchtete Örtlichkeiten prägen wie schon in "Suspiria" das äußere Erscheinungsbild. Rot-Blau-Kontraste domineren hierbei sehr stark, ebenso wie abwechselnd treibende und ruhige Musikpassagen.
Man kann durchaus erneut von einem Leckerbissen für die Sinne sprechen - allerdings gibt es auch hier kleine Einschränkungen:
Zum einen verliert die Inszenierugsweise durch das fade Drehbuch an Intensität, zum anderen stellt sich gerade zum Ende hin auch eine Art Übersättigungseffekt ein. Irgendwann hat man sich schlicht an blauen und roten Wänden sattgesehen, gerade weil auch die wenigen, recht blutigen Mordszenen stets nach ähnlichem Strickmuster ablaufen. Dunkles Zimmer, ein wenig Rumtapsen und zack ist auch beim entsprechenden Opfer - meist mittels Messer - das Licht aus....
"Suspiria" hat das Gleichgewicht zwischen äußeren und inneren Werten da deutlich besser getroffen. Der erdrückenden Technik steht dort eine echte Identifikationsfigur gegenüber und zusätzlich erscheint die Geschichte weitaus kompakter und geradliniger.
Zwar machen abschliessend die Darsteller ihren flachen Charakteren zum Trotze ihre Sache ganz solide aber es bleibt dennoch kein durchgehend positives Fazit zu ziehen. "Inferno" muss stets hart kämpfen, um mit hübscher Optik und treibender Akustik die im Ansatz spannende aber leider völlig verschenkte Story halbwegs vergessen zu machen. Eigentlich ist es zum Heulen, wenn man bedenkt, dass man hier mit ein klein wenig Aufwand ein auch inhatlich packendes Horrorjuwel hätte erschaffen können. Ein alter Mythos, drei geheimnisvolle Mütter, das hätte man mit Leichtigkeit wunderbar ausfüllen und im Gegenzug Katzen und Ratten verschwinden lassen können...