Ein Musikstudent aus Italien kommt auf schriftliche Bitte seiner Schwester nach New York, da sie über ein Buch von den Häusern der Drei Mütter erfuhr, die gar Böses im Schilde führen und das Mädel den Verdacht hegt, dass sie sich in einem dieser Bauwerke befinde. Der Student erkundet das Ganze und wird mit dem Grauen konfrontiert.
"Inferno" bildet nach "Suspiria" den zweiten Teil von Dario Argentos zur Zeit noch unvollendeten Drei Mütter Trilogie und spielt wie der Vorgänger seine Stärken in Form von Optik, Sound und phantastischen Elementen aus. Zugegeben, die Story ist nicht gerade ergiebig und "Suspiria" wird außer einigen Hintergrundinformationen über die Geschichte der Häuser, deren Erbauer und den Müttern wenig Neues hinzugefügt, aber wenn man sich von den aussagekräftigen Bildern gefangen nehmen lässt, wird einem dies während des Filmes nicht negativ aufstoßen. Vielmehr hat man den Eindruck, sich in einem langen, auf Zelluloid gebannten Albtraum zu befinden, aus dem man am Ende benommen erwacht.
Es geschehen viele übernatürliche Dinge, die nicht näher erklärt werden und vom Zuschauer einfach so hingenommen werden müssen. Das Böse ist im Film ständig gegenwärtig, wird aber in persona nur äußerst selten gezeigt. Statt dessen werden einem lediglich schattenhafte Figuren, schwarzbehandschuhte Krallenhände oder durch die Finsternis aufblitzende Augenpaare gezeigt. Wenn das Böse dann zuschlägt, geschieht dies in für Argento eher untypischer Art recht gesittet, denn auschweifende Bluttaten werden einem diesmal nicht gezeigt. Dafür gibt es auf Mordebene reichlich Abwechslung, denn neben Messerstichen und zweckentfremdeten Fenstern muss die Tierwelt als Lebensauslöscher (wie der Schäferhund in "na ihr wisst schon") herhalten, was sich in einer Katzeninvasion und der grandiosen Rattenattackensequenz zeigt.
Wie schon in "Suspiria" arbeitete Dario Argento hier mit einer sehenswerten Farbgebung. In den meisten Bildern herrschen die Farben Blau und Rot vor und lassen die an sich schon sehr schönen Sets wie das gothische Haus mit seinen verschiedenen Räumen in einem einzigartigen und unvergesslichen Licht erscheinen. Dazu kommt die phantastische Kameraführung, die mit vielen gelungenen Einstellungen und Gleitereien durch die Szenen aufwartet. Die herausragendste Szene unter vielen Höhepunkten ist zweifelsohne die Stelle, in der eine junge Frau in den unter Wasser stehenden Keller des Hexenhauses hinabtaucht. Diese Bilder kann man nie wieder vergessen.
Hinzu kommt der wunderbare Soundtrack von Keith Emerson, der den phantastischen Bildern zusätzlich großartiges Ohrenfutter hinzufügt und dem Ganzen eine athmosphärische und spannungsfördernde Stimmung verpasst. Darios sonstige Stammmusiker von Goblin hätten dies nicht besser machen können.
Insgesamt steht "Inferno" seinem Vorgänger "Suspiria" in nichts nach und verzaubert durch seine perfekte Umsetzung. Ein mehrmaliges Anschauen ist von Nöten, um den Spuk einigermaßen zu durchschauen, aber das sollte allein der schönen Bilder wegen kein Problem darstellen.