Review

Entgegen aller positiven Erwartungen entpuppt sich Argentos zweiter Teil seiner bislang noch nicht beendeten „Drei Mütter –Trilogie“ als einzige Enttäuschung.
Mag erzkonservativ klingen, doch was nützt mir eine audiovisuell ausgetüftelte Inszenierung, wenn die Story lediglich episodenhaft erzählte, alptraumhaft surreale Erlebnisse kaum charakterisierter Figuren bietet.

Dünne und lückenhafte Drehbücher liegen Argentos Werken zwar häufiger zugrunde, doch hier steht nichts außer: Ein neogotisches Apartmenthaus von einem Alchemisten erbaut, merkwürdige bis skurrile Bewohner und ein Musikstudent, der dem Geheimnis des Hauses und dem Verschwinden seiner Schwester auf die Schliche kommen will.

Kontinuität ist hier nicht gerade die Stärke des Scripts und so bekommt man weder einen roten Faden, noch einen Helden zum Mitfiebern geliefert.
Den Figuren erschließen sich durchweg Traumwelten, etwa, wenn eine Frau dem Hinweis eines Buches nachgeht, einen fremden Raum betritt, darin ein Wasserloch entdeckt, mutig hineintaucht, um sich alsbald in einem vollkommen unter Wasser gelegenem Zimmer zu befinden.
Dem Szenario wurde zwar eine treffend unwirkliche Stimmung verpasst, doch anschließend ergibt diese Sequenz überhaupt keinen Sinn, weil sie weder hinterfragt, noch erklärt wird.

So springt man von einer Merkwürdigkeit zur nächsten und baut überdies diverse Längen ein, weil eben fernab vom Hauptgeschehen (sofern man das für sich ausmachen kann) ein Antiquitätenhändler ihn störende Katzen entsorgt, ein Butler irgendwelchen Schmuck stielt und im Konservatorium eine Schönheit mit Katze auftaucht, um unseren Helden anzuschmachten, - im Verlauf wird ihr aber weder eine gewichtige Rolle zuteil, noch ihre Person irgendwie erklärt.

Und so zieht sich die Aneinanderreihung irreal anmutender Begebenheiten, ohne dass auch nur irgendetwas zum Mitfiebern auszumachen wäre.
Zwar kann die Hauptfigur während der letzten Minuten dem Geheimnis näher kommen und innerhalb brennender Räumlichkeiten ein wenig Tempo aufkommen lassen, doch ob der Typ da nun heil heraus kommt, oder ob er während der Konfrontation mit einem dämonischen Wesen den Kürzeren zieht, - der dramaturgische Aufbau hat im Vorfeld versagt und der Kerl ist mir egal.

Zudem finden sich nicht allzu viele Gewalteffekte, einige fallen zwar recht blutig aus, wieder andere werden jedoch nur als Ergebnis präsentiert, wie ein Messer im Hals oder Rücken.
Zudem gibt es zwei Angriffe durch mehrere Tiere. Während die Attacke durch Kanalratten als durchaus kribbelig empfunden wird, erweist sich ein Angriff durch anspringende Katzen eher als lächerlich.

Gut, Argento zeichnet sich im Allgemeinen durch seine ausgefuchste und sehr durchdachte Visualisierung aus, doch auch hier vermag man kaum inszenatorische Höhepunkte entdecken.
Die Kulissen sind ordentlich ausgeleuchtet und es herrschen Bildkompositionen aus blauen Requisiten und rot angestrahlten, bedeutenden Symbolmerkmalen wie Türknauf, Feuerzeug oder Messer vor. Doch auf Dauer ermüdet auch dieser Effekt, da er im Verlauf überstrapaziert wird und nur selten wegweisende Hinweise parat hält.

Darüber hinaus fällt der Score, der bei inhaltsdünnem Treiben stärker ins Ohr geht, recht durchwachsen aus.
Gelungen ist die Einbindung populärer klassischer Stücke wie Verdis „Nabucco“, auch orchestrale Stücke mit einem Piano als Leadsound fallen positiv auf.
Demgegenüber schmerzen auf Dauer jedoch die psychedelisch angehauchten Tracks, während Parts mit Chorgesang beinahe wie Teile eines Satansmusicals anmuten, dramaturgisch aber völlig deplatziert sind.

So quält man sich dann am Ende über 100 Minuten durch ein fahrig erzähltes Werk des italienischen Giallo-Meisters.
Dabei kommt selten Spannung auf, temporeiche Szenen finden sich kaum. Atmosphärische Sequenzen sind eher Mangelware, auch wenn die Grundstimmung eine durchweg surreale Welt erzeugt, - mich persönlich hat sie eben so gut wie gar nicht angesprochen.
3,5 von 10

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