Review

Die hübscheste Hölle


Nach dem Meilenstein „Suspiria“ legte Dario Argento mit „Inferno“ in seiner thematisch zusammenhängenden „Mutter“-Trilogie schnell nach. Dieses Mal befinden wir uns in einem riesigen Gebäudekomplex in New York, unter dem scheinbar das zweite Tor zur Hölle von einer weiteren der teuflischen drei Hexen liegt. Nun folgen wir lose und fast collageartig mehreren neugierigen Bewohnern und Verwandten verschwundener Personen, immer weiter in die feurigen (und auch mal nassen!) Eingeweide dieses teuflischen Settings…

Die Lichter leuchten, das Feuer brennt,
niemand sonst, solche Ekstase kann oder kennt.

Ein (un)gutes Gefühl, eine Schönheit, ein Unwohlsein im Magen,
wer will hier wegen „zu wenig Handlung“ schon echte Kritik wagen.

„Inferno“ ist ein Twister aus den Elementen und Tod,
gefühlt ist man hier nicht nur im mondlosen Central Park in Not.

Beile und Rätsel, überschwemmte Räume und plötzliche Skelette,
nichtmal Argento selbst wusste wohl wirklich genau, was hier abgeht, jede Wette!

Kein Märchen mehr, eher ein ausgewachsener Alptraum,
ganz ohne Fallnetz oder Feder, aber mit seidenem Saum. 

Verlieren kann und möchte man sich in diesem Grusel der Sinne,
seltenst dachte ich trotz inhaltlicher Leere „Mach mal hinne!“.

„Inferno“ ist instinktiv, intuitiv und ein vulkanischer Tanz,
ja, selbst in schwächeren Momenten merkt man eben, der Dario kann's.

Hier war sein Niedergang noch in weiter Ferne, 
selbst wenn immer eher Einzelmomente hängen bleiben, futter' ich diesen Mutterkuchen immer wieder gerne.

Katzen machen mich zwar nicht bange,
dennoch hält mir hier noch genug Anderes die Faszination und Gänsehaut bei der Stange.

Elliptisch und vage, konfus und bizarr,
selten ich derart hypnotisiert auf die Leinwand starr'. 

Manchen mag das nur ein ausgedehnter Bildschirmschoner für Horrornerds sein,
dennoch verliere ich mich selten dermaßen allein im Sein und leuchtenden Schein,
nicht nur mit einem Bein und genug Wein,
sondern ganz kindlich, mit unschuldigen Augen, ganz klein und rein. 

Fazit: Farben, Folter, Frauen, Formen, Formeln und Fantastisches - „Inferno“ ist ein diabolischer Tanz zwischen Kunst, Chaos und Argento pur. Kaum mehr Story oder Figuren, nur mehr Stil, Schauer und Schönheit. In der Tat ein infernalisches Gemälde, auf das selbst Dante neidisch wäre. Klassischen Inhalt sollte man aber nicht wirklich erwarten. Dafür kommt’s für die Augen, Ohren und das Herz jedes Horrorfans dicke! 

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