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„Stummer Schrei“ ist ein ganz netter, aber stellenweise zu langatmiger Mix aus Drama und Thriller.
Der Psychologe Jake Rainer (Richard Dreyfuss) will sich an sich gerade einen ruhigen Tag mit seiner Frau Karen (Linda Hamilton) machen, als ihn sein Kumpel, der Sheriff Mitch Rivers (J.T. Walsh) anruft: Er soll zum Tatort eines Mordes kommen und dem autistischen Jungen Tim Warden (Ben Faulkner) ein Messer wegnehmen. Um dem Neunjährigen ein gewalttätiges Überwältigen zu ersparen, lässt Jake sein Können spielen. Damit etabliert der Film nicht nur seine Hauptfigur als Meister seines Faches, sondern gibt auch den Startschuss für die Haupthandlung.
Die Opfer des Mordes sind Tims Eltern, seine ältere Schwester Sylvie (Liv Tyler) wurde überwältigt und nur Tom hat den Mörder gesehen. Die Polizei sieht den Jungen als einzige Spur an, doch Jake will das Geheimnis nicht aus ihm herauskitzeln, da einmal ein autistischer Junge in seiner Obhut ertrank. Darauf will man den Psychologen Rene Harlinger (John Lithgow), der allerdings bei der Behandlung auf Medikamente vertraut. John Lithgow ist mal wieder eine Randfigur, wie üblich aber keine sympathische.

Sylvie will nicht, dass ihrem Bruder diese Behandlungsmethode angetan wird und wendet sich eingängig an Jake. Dieser lässt sich weich klopfen und übernimmt den Fall schließlich. Bei der Arbeit mit dem Jungen kommt er den Geschehnissen der verhängnisvollen Nacht auf die Spur, aber es ist nicht einfach…
Die Psychologisierung der Figuren in „Stummer Schrei“ ist einigermaßen stimmig und stellenweise ist der Film sogar wirklich dramatisch. Vor allem die Szenen zwischen Jake und Tim sind stellenweise sehr intensiv, aber auch Randfiguren wie Mitch werden überraschend eingängig behandelt.
Leider wird der Hauptplot nicht ganz so konsequent behandelt: Oft lenken die Nebenhandlungen etwas zu sehr ab, so dass der Film in der Mitte einen ziemlichen Hänger hat, auch wenn er hier halbwegs geschickt falsche Fährten legt. Zum Ende hin gewinnt der Film dann an Tempo, aber leider gibt der Film zu offensichtliche Hinweise auf des Rätsels Lösung, so dass diese nicht mehr überrascht. Das Finale bildet eine ordentliche Klimax, aber endet doch etwas zu simpel. Doch trotz der Kritikpunkte bietet die Handlung ein halbwegs solides Maß an Spannung und hat kaum Längen.

Einige der Subplots sind zudem etwas zu schwach gemacht, was den Film einigen Stellen etwas ausbremst. Vor allem die Rolle der Karen hat hierunter sehr zu leiden, denn die mit diesem Charakter verlinkten Subplots um Jakes Vergangenheit sind leider ziemlich formelhaft und uninteressant, weshalb sie auch wenig zur Handlung beitragen.
An den schauspielerischen Leistungen gibt es aber nichts zu meckern. Richard Dreyfuss, Linda Hamilton, Liv Tyler, J.T. Walsh und John Lithgow spielen alle top ohne einander die Show zu stehlen. Großes Lob auch an Ben Faulkner, der den Autisten sehr überzeugend verkörpert.

So bleibt ein gut geschauspielertes und nicht unspannendes Psychodrama, das seinen Krimiplot aber leider mit zuviel Nebenhandlungen, die oft etwas uninteressant sind, zerfasert.

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