Inhalt:
China, nach der bürgerlichen Revolution von 1911. Liao Fei Lung (Lo Lieh) und Ma Tien Piao (Ku Feng) agieren als hochkriminelle und steckbrieflich gesuchte Verbrecher, sie rauben vornehmlich Banken aus.
Als einer ihrer Überfälle aus dem Ruder läuft, und die Polizei, zahlenmäßig hoch überlegen, sie nach einem Feuergefecht so gut wie gestellt hat, kann Ma Tien Piao -als Liao Fei Lung ihm Deckung verschafft- flüchten. Indes gerät Liao in die Hände der Polizei, und wird -um das Versteck des Geldes und den Aufenthalt Ma Tien Piaos zu verraten- brutal gefoltert.
Monate vergehen. Und Ma Tien Piao, der versprochen hatte, für Liao einzustehen, lässt sich nicht blicken und ist scheinbar mit der Beute eiskalt untergetaucht.
Doch mit Hilfe seiner Freundin Siu Sik Chi (Ting Chien), die dabei zu Tode kommt, gelingt es Liao Fei Lung zu entweichen. Er will sich an Ma Tien Piao für dessen schändlichen Verrat rächen. Dabei rettet er zunächst die so schöne wie ängstlich-scheue Ming Ming (Li Ching), an deren Seite ihr Gefährte Siu Ba ("Dean" Shek Tien) ist, vor dem Zugriff von Banditen (u.a. Sammo Hung). Durch Ming Ming, die wie sich herausstellt das Protégé von Ma Tien Piao ist, verschafft sich Liao Zugang zu Ma.
Ma Tien Piao, der sich eine neue Identität zulegte und sich nun Chen Yu Hing nennt, führt mittlerweile in einem Ort ein scheinbar bürgerliches Leben, und ist dort administrativ tätig. Liao Fei Lung erreicht den Ort, und die beiden Männer begegnen sich. Ma gibt sich arglos, und Liao hält sich mit Rachegelüsten taktierend zurück. Doch Ma weiß um die Gefahr für ihn, und stellt Liao eine Falle. Seine Schergen überwältigen Liao, diesem wird die rechte Hand zerschlagen, damit er nie mehr kämpfen bzw. eine Waffe halten kann, und die Verbrecher überlassen ihn nunmehr sich selbst.
Als die falsche Identität Ma Tien Piaos aufzufliegen droht, werden erst Siu Ba, dann später auch Ming Ming brutal getötet. Liao Fei Lung indes findet Anschluss an eine andere Gang, die unter der Führung von Master Xi (Sek Kien) und Lau Lo Sham (Chan Shen) steht. Liao lernt, seine rechte Hand wieder zu gebrauchen, und will nur noch eines: Blutige Rache an Ma Tien Piao nehmen.
Im Ort kommt es schließlich zum Show-Down gegen alle Schergen Ma Tien Piaos, und zwischen Liao und Ma zum äußerst brutal geführten Duell auf Leben oder Tod...!
Kritik:
Wow, nicht schlecht, ein wirklich süperber, stringent und intensiv inszenierter, knallharter, rund-routinierter und actiongeladener Eastern, den Regisseur Chang Tseng-Chai im Jahre 1972 für die Studios der Shaw Brothers drehte.
Einfach in seiner Story, die sich aber intensivierend mit der Zeit immer mehr verdichtet, mit viel knallharter und rasant-dynamischer Shootout- und KungFu-Action, ist "The Fugitive" ein spannender und unterhaltender Eastern, der die Fans des Genres exzellent bedient.
Für einen Eastern der Shaw Brothers mit ungewöhnlich vielen Außenaufnahmen gestaltet, ist dieser Film wie ein Italowestern wirkend. Regisseur Chang Tseng-Chai orientierte sich sehr offensichtlich an den italienischen Western, staubig-erodierte und hellgelbliche Felslandschaften, viel Shootout-Action, die Musik aus dem Streifen "Spiel mir das Lied vom Tod" dreist entnommen, die Kamera-Einstellungen ala Leone, und der Antiheld ist unrasiert, lumpig und eigennützig als einsamer, harter Kämpfer gezeichnet.
So ist denn "The Fugitive" eher ein Eastern im Italowestern-Gewand, was aber visuell denn auch ansprechend ist, eine gelungene Mixtur bietend. Und obwohl vieles an einen Italowestern erinnert, ist dieser somit spezielle Eastern in seiner Story das chinesische Remake eines U.S.-Western, eines der besten U.S.-Western die ich kenne und je sah: "Der Besessene", 1961 entstanden und mit Marlon Brando in der Titel-Rolle. Italowestern-Style, Eastern-Action ala Shaw Brothers, und die interessante Storyline aus "Der Besessene" mit Marlon Brando, da konnte schon nichts mehr schiefgehen, wenn die Inszenierung hinhaut, und das tut sie ja!
Schnell, nur 76 Minuten Laufzeit, und doch gelingt es Chang Tseng-Chai trotz viel Baller- und KungFu-Action gar, melodramatische Akzente und sogar etwas Charakter-Zeichnung in seinem Eastern zu platzieren. Denn ala "Der Besessene" geht es auch um das psychische Ringen zweier Männer, der eine verraten und der andere der Verräter, das Schicksal einer sensiblen Frau die zwischen dem nur scheinbaren Schutz des einen und den ehrlicheren Gefühlen des anderen steht und wie alles in den unausweichlichen Show-Down, in physische Gewalt münden muss.
Das ist inszenatorisch von der Regie für einen ja kostengünstig und nicht so episch angelegten Eastern aus der Massen-Produktion der Shaw-Studios schon süberb und akzentuiert gemacht. Also nur auf den ersten Blick und Anschein ein lediglich reiner, harter Actioner.
Zudem stimmt die Atmosphäre, im Italowestern-Look zumeist outdoor, doch auch die authentisch-altchinesische Örtlichkeit, die Movie-Town der Shaw Brothers, die eben alles ins alte China versetzt, rundet das Atmosphärische ab. So kann denn "The Fugitive" visuell-ansprechend überzeugen, so wie die Darstellungen und natürlich die knackig-kernige Action.
Lo Lieh ist hier der Anti-Held ala Brando im Original-Streifen. Dreckig-lumpig und unrasiert, ist er der betrogen-verarschte Fighter, ein Verbrecher zudem, der seine Rache an dem der ihn eiskalt versetzte, auch durch das von jenem protégierte Mädchen fast schon subtil realisiert. Lo Lieh spielt das überzeugend gut, er, der in zahllosen KungFu-Schlachten auf der Leinwand routiniert-gestählt war. Saubere Performance von Lo Lieh, der Rache-Engel ala Brando, große Fußstapfen, aber Lo meistert das.
Ku Feng, das Gegenstück ala Karl Malden im originären U.S.-Western. Und Vielfilmer Ku Feng kann erst Recht seine ganze Routine aus zahllosen Eastern in die Waagschale werfen. Wie Malden im Original einst ebenso wie Lo Lieh einen Verbrecher verkörpernd, wird Ku Feng zum fast schmierig-scheinheiligen bürgerlichen Typus. Als alles auffliegt zeigt auch er sein wahres, brutales Gesicht, das protégierte Mädchen muss genauso dran glauben wie deren harmlos-argloser Gefährte. Ku Feng, zwar der Villain, aber hier darstellerisch fast der eigentliche Star dieses Actioners.
Ala Pina Pellicer, die in "Der Besessene" die Adoptiv-Tochter "Louisa" der Figur Karl Maldens verkörperte, ist hier Shaw-Actrice Li Ching die scheue, ängstliche, fast verstört wirkende junge Dame. Protégiert vom Villain, diesen als "God-Father" gar bezeichnend, doch ist dies nur Fassade, dafür ehrlich gemocht vom Rache-Engel. Dieses Dreieck bietet somit die melodramatischen Akzente in Chang Tseng-Chais entsprechend akzentuiertem Werk. Und Li Ching, die Niedliche, ist für so eine Rolle natürlich Shaws ´erste Wahl´. Sie meistert das mit weinerlicher Mimik und verängstigter Aura.
Der übrige Cast agiert solide und ist überraschend prominent: "Dean" Shek Tien als argloser Gefährte Li Chings, in selten gesehen ernstzunehmender Rolle. Die hübsche Ting Chien als Freundin Lo Liehs macht sie das tapfer. Chan Shen als bärbeißiger Gangster, Genre-Ikone Sek Kien -in "Enter the Dragon" unvergessener Teil der Legende Bruce Lees- ist hier mit kurzem aber cool-charismatischem Auftritt Gaststar in dieser Produktion, zu entdecken sind noch Sammo Hung und Bolo Yeung im Gefolge Sek Kiens, sowie Nick Cheung-Lik als Bandit.
Das Wichtigste ist natürlich die Fight-Action, diesmal viel Baller-Action mit Pistolen, und die ist sehr gefällig, richtig rasant und mit Drive in Szene gesetzt. Der Kill-Count ist in diesem Eastern extrem hoch, es wird aus allen Pistolenläufen geballert, lange Takes, Shootout-Action dass es kracht und qualmt, klasse! Dazu noch einiges an KungFu-Action, eher im rustikalen Streetfight-Stil was erwartbar war und passte. Aber die Technik ist erkennbar, einmal mehr eisenharte Action ala Shaw Brothers. Höhepunkt ist neben der ersten halben Stunde in der schon kernig geballert wird, natürlich das tempogeladene Finale, in dem sich Lo Lieh durch die Linien zahlloser Feinde ballert, inklusive starker Kamera-Einstellungen die das Geschehen gelungen einfangen. Da wird von Dächern und hölzernem Turm gestürzt, und das Blut aus Schusswunden läuft nur so, ala Shaw Brothers halt. Baller-Fightaction-Total!
"The Fugitive" ist ein fast puristischer Actioner, ein Eastern im visuell starken Italowestern-Look aber mit der Story aus dem Top-U.S.-Western "Der Besessene", überaus soliden Darstellungen mit melodramatischen Akzentuierungen, und die satte Fightaction rockt. Stark, gefiel mir.
8/10.