"Eiskalte Leidenschaft" ist ein Nachzieher zu der Anfang der 90er wieder sehr populären der Murder-Mystery-Reihe, die bisweilen ein erstaunlich hohes Niveau hatte und mit Titeln wie "Knight Moves", "Tod im Spiegel", "Schatten der Vergangenheit" und "Aus Mangel an Beweisen" beeindruckte. Dabei waren nicht selten starke Anleihen an den Film noir zu bemerken und die werden auch hier wieder stark ausgespielt.
Es wird hier zwar nichts wirklich Neues präsentiert, aber trotz der relativen Vorhersehbarkeit des doppelten Boden des Geschehens, bleibt der Film trotzdem überraschend unterhaltsam, was wohl an den durchgängig guten schauspielerischen Leistungen liegt.
Sogar Gere, an dem oft Kritik geübt wird, überzeugt als selbstbewußter Psychiater, dessen Fähigkeiten, vor Gericht zum Mißfallen der Polizei angewandt, so groß sind, daß sein übersteigertes Ego zu Fall gebracht werden muß während des Films, eine Rolle, die er in "Zwielicht" später noch einmal spielte. Basinger ist totale Femme Fatale und kann hier eine beachtliche Bandbreite ausspielen, während die damals noch relativ unbekannte Uma Thurman als rätselhafte Schwester am unberechenbarsten blieb, was dem Film gut tut.
Keith David als Polizist chargiert etwas viel und Paul Guilfoyle ist als Anwalt nicht gerade eine tolle Erscheinung, um so überzeugend anzukommen, aber das hält den rollenden Film nicht auf. Besondere Erwähnung findet auch noch Eric Roberts als besonders widerlicher Macho-Gangster, der auf dominanten Sex steht. Er chargiert zwar leicht, aber ist damit sehr einprägsam.
Die Schwarze Serie ist denn im Plot auch allgegenwärtig, wobei Regisseur Phil Joanou keine Szene der 124 Minuten verschwendet, um die Falle, in die Gere geht, in allen Details auszustatten, von der Tatwaffe bis zum Motiv. Daß den Zuschauer während des Mordprozesses (und vielleicht auch vorher) die ganze Zeit das Gefühl beschleicht, daß hier etwas ganz entschieden falsch läuft, ist dabei wohl beabsichtigt.
Allerdings nimmt die Story gerade an der Stelle die Wendung ins leicht Unlogische, als Gere erfährt, daß er gelinkt worden ist. Sein Rückschlag ist dramaturgisch schwach begründet (Uma Thurman läßt sich einfach so überzeugen, ihm zu helfen). Dafür präsentiert der Film danach als Showdown reichlich Tempo und ebensoviel Spannung, ehe er in einem an Hitchcocks "Vertigo" (und "Saboteur") angelehnten Showdown in einem baufälligen Leuchtturm im Sturm. Diese Szenen sind zwar nicht gerade geschickt aneinandergebastelt (Studioaufnahmen mischen sich mit echten Außentotalen), aber höchst atmosphärisch.
Wer also auf gepflegte Thrillerspannung, mit einem Schuß Erotik und Hitchcock steht, kann es mit "Final Analysis" gerne mal probieren. (7/10)