Review

„Eine Nacht bei McCool’s“ ist ein Fall von: Rabenschwarz und urkomisch gedacht, eher fade gemacht.
Jewel (Liv Tyler) ist Meisterin der Verführerin und spannt Männer für ihre Ziele ein. Ihre drei letzten Opfer suchen alle Rat: Randy (Matt Dillon) bei dem Bingo spielenden Mr. Burmeister (Michael Douglas). Er erzählt, wie Jewel in sein Leben trat, als er Barkeeper bei McCool’s war und nach und nach Begann sein Häuschen zu übernehmen. Das geht wie es sich für eine schwarze Komödie gehört natürlich alles nach normalen Schemata ab, sondern dabei muss Jewels früherer Freund ermordet werden usw. Doch der Beginn hat durchaus Esprit, den man möchte erfahren, wie aus dem Energiegeladenen Randy ein Jammerlappen wurde.
Randys Cousin Carl (Paul Reiser), ein erfolgreicher Anwalt, sucht derweil Rat bei einer Therapeutin und erzählt, wie er Jewel über Randy kennen lernte und er immer besessener von der verführerischen Schönheit wurde. Dabei widersprechen Randys Darstellungen Burmeister gegenüber den Geschichten, die Carl seiner Therapeutin auftischt. Doch Carl ist so schmierig angelegt und seine Darstellungen so überzogen, dass man merkt, dass er die Geschehnisse zu seinen Gunsten auslegt.

Opfer Nr. 3 ist der Cop Dehling (John Goodman), der Jewel kennen lernte, als er sie und Randy bezüglich des Mordes an ihrem Freund befragte, und nun einem Priester von der Sache erzählt. Jewel erinnert ihn an seine verstorbene Frau und Randy hält er für einen Wüstling, weshalb er die in seinen Augen reine Jewel vor dem vermeintlichen Strolch schützen will. Doch in Wahrheit manipulierte dieser im Hintergrund…
An sich beginnt „Eine Nacht bei McCool’s“ gar nicht mal so schlecht: Die Erzählstruktur sorgt für Erheiterung, vor allem wenn man Carls verdrehte Erzählung mit Randys realistischen Darstellungen vergleicht. Zudem kommentiert Burmeister das Geschehen immer schnoddrig, was für den einen oder anderen Lacher sorgt. Leider offenbart sich schnell die erste Schwäche des Films: Jewels Motivation. Sie schwankt immer zwischen Naivität und Berechnung und man weiß nie, ob sie wirklich so eiskalt plant oder einfach nur einen gewaltigen Schlag an der Waffel hat. Dies ändert sich bis zum Ende des Films auch nicht, weshalb es schwer fällt Jewels Fixierung auf das perfekte Eigenheim wirklich zu verstehen.
So hat der Film im sehr langen Mittelteil auch diverse Durchhänger, da hier kaum etwas geschieht. Jewel spielt jedem männlichen Wesen das vor, was er in ihr sehen will, doch faderweise ist das Spiel mit den Reizen an sich immer das Gleiche und die Rollenunterschiede gering, was dann doch bald etwas anödet. Randy als treu-doofer Freund, der immer wieder in die haarigsten Situationen kommt, hat hier wenigstens noch das interessanteste Schicksal, während man Carl und Dehling auf ihre Klischees reduziert und beide im Mittelteil fast andauernd auf dieselbe Weise rumschmachten dürfen, ohne dass das Ganze sonderlich komisch wäre.

Doch bevor man den Film dann komplett abschreiben kann, kommt dann das Finale und das zeigt, was man hätte machen können: Alle Charaktere kommen in einer absurden Situation zusammen, es wird blutig zu YMCA geballert und Andrew Dice Clay absolviert einen urkomischen Gastauftritt („Falling Down“ Parodie inklusive), der witziger ist als der Rest des Films zusammen. Das Ende vom Lied ist dann mäßig originell und irgendwie hat jeder schon geahnt, wer nach den Genregesetzen der schwarzen Komödie als Gewinner nach Hause geht und wer als Verlierer das Feld verlässt.
Matt Dillon als Dumpfbacke ist recht witzig, zumal er sein Schönlingsimage auf die Schippe nimmt. Paul Reiser als absolut unoriginelle Verkörperung des verheirateten Vorstädters, der insgeheim spitz wie Nachbars Lumpi und leicht pervers veranlagt ist, hat man schon in zigtausend anderen Filmen gesehen und John Goodman als verweichlichter Bulle ist mäßig überzeugend. Liv Tyler ist OK, auch wenn sie mit ihrer ziemlich klischeehaften Luderrolle zu kämpfen hat. Da entschädigen die guten Nebendarsteller nur teilweise, auch wenn Andrew Dice Clay köstlich rüberkommt und Michael Douglas sichtlichen Spaß mit der Prollo-Matte auf dem Kopf und der passenden Attitüde dazu hat.

Der Anfang ist nett, der Showdown herrlich absurd, der Rest des Films hingegen relativ langweilig und gleichförmig. Eine weitere recht schwache Komödie unter vielen.

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