Review

Kifferwahn
oder
Jimmy der auszog um das Tanzen zu lernen


Eine friedliche Kleinstadt irgendwo in den USA der 30er Jahre. Alles scheint in bester Ordnung, doch die Regierung ist anderer Meinung. Eine neue Gefahr bedroht große Teile der amerikanischen Jugend. Es ist die hippe Mode-Droge Marihuana.

Jimmy Harper ist der Traum aller Schwiegermütter. Nett, charmant und zuvorkommend bildet er mit Mary Lane das perfekte Paar. Doch alles ändert sich als ein Tanzwettbewerb ansteht. Denn, Jimmy Harper kann nicht tanzen! Aber in der örtlichen Milchbar findet er Hilfe. Jack Stone ist nicht nur der lokale Drogenbaron sondern auch ein begnadeter Tänzer in Personalunion. Er will Jimmy helfen und lädt ihn zur ersten Tanzstunde in sein Haus ein.
Dort wohnt er zusammen mit seiner Frau, einem ehemaligen Studenten und einer jungen nymphomanischen Mutter. Schnell ist klar dass er Jimmy nicht das Tanzen beibringen wird. Nach nur einem Joint wird aus dem einst prächtigen Vorzeigejungen innerhalb von kurzer Zeit ein abhängiges Monster, das nicht einmal davor zurückschreckt die Kirche zu berauben. So beginnt der langsame und schmerzhafte Abstieg Jimmys, in die tiefen Höllen des Drogensumpfes.

1936 sah eine christliche Gemeinde ihre wichtigste Aufgabe darin, Eltern vor der Gefahr von Marihuana zu warnen. Mit viel Elan und völlig unbegabten Schauspielern machten sie einen Kurzfilm namens „Reefer Madness“ (engl. Kifferwahn) der sich seit den frühen 70er Jahren eines Kultstatuses in amerikanischen Universitäten erfreut. Ende der 90er Jahre wurde er dann Vorlage für ein Musical und schließlich auch für den Spielfilm „Kifferwahn“.
Insgesamt 16 Songs von schmissigem Jazz, „der Teufelsmusik!“, bis hin zu schmalzigen Liebesduetten a la „Grease“ erfreuen die Ohren der Zuschauer. Und ganz in der Tradition der legendären „Rocky Horror Picture Show“ wird so gut wie alles durch den Kakao gezogen. Amerikanisches Spießbürgertum, kommunistische Verschwörungen und Klischees über Drogen werden aneinandergereiht und wenn schließlich der chilligste Jesus seit „Dogma“ die Bühne betritt, bleibt kaum ein Auge trocken. Leider verliert sich der Film in zu viele Nebenhandlungen. Traumsequenzen wechseln in rascher Folge zu klassischen Musicaleinlagen und mutieren schließlich zu Gore-Szenen die manchen Romero-Fan das Wasser in die Augen treiben dürfte. Von Kritikern zwar hoch gefeiert, bleibt der normale Zuschauer jedoch zurück und fragt sich was das sollte. Für einen Trash-Film zu gut und für ein Blockbuster zu schlecht. Da nützt auch die ein oder andere gute Idee nicht viel. Von den Schauspielern kann eigentlich nur Alan Cumming („Spy Kids“), als zynischer Regierungsbeauftragter, überzeugen. Neve Campbell („Wild Things“), hat leider zu wenig Screentime um wirkliche Präsenz zu zeigen und bleibt damit weit hinter ihren früheren Leistungen zurück.
Insgesamt erfreut „Kifferwahn“ wohl eher ein extrem kleines Nischenpublikum, namentlich den Kiffer-Zombie-Musical-Fan. Wer sich allerdings schon immer eine Verschmelzung von „Pleasantville“, „Halfbacked“, „Dawn of the Dead“ und „Grease“ gewünscht, dem sei dieser Film ans Herz gelegt.

Übrigens: Der original „Reefer Madness“ ist public domain und kann unter anderem bei wikipedia.de runterladen werden. 4/10

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