Review

Ein satirisches Musical als Remake eines billigen Propaganda-Machwerks zu drehen, das erfordert Mut. Regisseur Andy Fickman ist dieses Wagnis eingegangen- und das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen!

Mitte der 30er Jahre in den USA- ein mysteriöser Wissenschaftler (schön "over the top": Alan Cumming) kommt in eine Kleinstadt, um die Bürger über den "neuen Staatsfeind Nr. 1" aufzuklären: Marihuana! Einer sehr gefährlichen Droge, die schon bald ihre eigenen Kinder verderben könnte. Ein besonders aussagekräftiger Film soll den Eltern dabei vermitteln, wie schlimm die Dinge wirklich stehen: Es ist noch gar nicht lange her, dass die durch und durch reinen, unschuldigen Teenager Jimmy Harper (Christian Campbell) und Mary Lane (Kristen Bell), zwischen denen sich gerade eine zarte Liebe entwickelte, Opfer der heimtückischen "Droge" wurden. Schockiert müssen die Eltern mitansehen, zu welchen Dingen brave Amerikaner, die sich unter dem Einfluss von Marihuana befinden, fähig sein können...

Einfach herrlich, dieser Film. Im Gegensatz zum Original wird hier nämlich über die volle Distanz das Zwerchfell gekitzelt- und nebenbei auch oftmals noch eine flotte Sohle aufs Parkett gelegt, wie z.B. in der Dinerszene, in der "Scream"- Star Neve Campbell in einer kleinen Rolle ihr tänzerisches Talent unter Beweis stellen kann. Ihr Bruder hat da schon etwas mehr zu tun, wobei es Christian Campbell ("Trick- Eine heiße Nacht") hervorragend gelingt, Jimmys Naivität auf den Höhepunkt zu treiben, ohne den Bogen zu überspannen. Ähnliches lässt sich auch von Kristen Bell sagen, die geradezu hinreißend gegen ihr "Veronica Mars"- Image anspielt und dabei so süß ist, dass Diabetiker den Film wohl lieber meiden sollten.

Überhaupt ist hier alles grandios überzogen, kitschig und absurd, dabei aber zu jedem Zeitpunkt in sich stimmig. Schön auch, dass die Charaktere nicht vollends zu Karikaturen verkommen. Im Gegensatz zum Original, wo einem die ganze Bande schon nach wenigen Minuten herzlich egal war. Hier gibt es stattdessen jede Menge Emotionen, die, wie es sich für ein Musical gehört, über Songs transportiert werden. Und damit das ganze nicht nervt, wurde gehörig an den Texten und der Situationskomik gefeilt, was dazu führt, dass man aus dem Lachen kaum noch heraus kommt. Dabei findet sich so mancher Ohrwurm, sei es der Titelsong, Jesus als Entertainer (muss man gesehen haben), die Ode auf Mary Lane (mit klasse Gastauftritten von überfahrenen Rentnern oder dem singenden Essen des Helden!) oder eine Hymne auf die beliebten Brownies (mit einer großartigen Zeichentricksequenz übrigens). Zum Ende hin werden dann auch noch die Gorehounds zufriedengestellt, denn getreu jeder moralinsauren Geschichte, gibt es für die Bösen eine saftige Strafe, was man in diesem Fall durchaus wörtlich nehmen kann (und die hier zulande vergebene FSK 12 auf recht wackeligen Beinen stehen lässt). Bevor dann das große Finale eingeläutet wird, bei dem die schöne "amerikanische Ordnung" wiederhergestellt wird. Was bedeutet, dass alles und jedem der Kampf angesagt wird, der nicht in das Bild des tugendhaften, heterosexuellen und natürlich mit einer weißen Hautfarbe "gesegneten" Staatsbürgers passt. Feuer frei, Satire marsch!

Freilich ist hier auch nicht alles Gold was glänzt. Gerade die Musicalnummern sind schon fast in zu großer Anhäufung vertreten und der Schluss ist zwar schön ätzend ausgefallen, schwächelt aber ausgerechnet bei der finalen Einlage im Gefängnis. Davon einmal abgesehen, ist der Fun-Faktor jedoch immens hoch. Zumal man oft nicht weiss, ob man gerade lachen oder sich von den Songs mitreißen lassen soll.

Fazit: Ein wunderbar böses Musical, das den schnarchigen Vorgänger meilenweit hinter sich lässt und sich nicht scheut, auch mal deftiger zuzulangen. Da für Auge und Ohr einiges geboten wird und der Inhalt dem in nichts nachsteht, lässt sich hier eine klare Empfehlung aussprechen. Keine Frage, "Kifferwahn" ist auf dem besten Wege zum Kultfilm!
8/10 Punkten

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