Während Hur Jin-ho mit seinem aktuellen Werk „April Snow“ drauf und dran ist, sich überall in Asien auf die vordersten Plätze der diesjährigen Kino-Charts zu katapultieren, hinterlassen zwei aktuelle Videoauswertungen koreanischer Romantikschinken eine doch eher ganz schlimme Ahnung, dass sich das Genre von vormaligen Höhepunkten wie „The Classic“, „Christmas in August“ oder „Il Mare“ nun immer rapider in Richtung Komplettärgernis entwickelt: Es ist sujetbedingt nicht unangebracht DADDY LONG LEGS und A MOMENT TO REMEMBER in einem Aufguss abzuhandeln, zudem sind beide hochglänzende Major-Produktion mit Staraufgebot, vor allem aber: beide sind so grottenschlecht, dass es einfach kaum gerechtfertigt ist, über sie gesondert viele Worte zu verlieren.
Auch an einem ihrer wesentlichsten Mängel tragen beide Filme gleichsam. Sie sind überfrachtet, mit zum Teil wirklich guten Ideen, die sich in einem verworrenen Inszenierstil jedoch verlieren, beziehungsweise sich nicht gegen die übermächtigen Schatten des unerträglichen Leidenspathos stemmen können, in dem die Regisseure Gong Jeong-shik und John H. Lee ihre Werke schließlich ersäufen – weil die Taschentuch-Industrie in Ländern, in denen man seine Nase nicht in Papier nicht schnäuzt, vermeintlich nur so überleben kann. Tränen. Tränen. Tränen. Die Berechnung, mit der beinahe jeder romantische Stoff aus Korea in solch molle Schlussakkorde getrieben wird, kotzt mich, ehrlich gesagt, nur noch an. Längst geht es hier nicht mehr um fühlbare Tragik, sondern tränenrührenden Effekt. Wie auch in dem ähnlich unbefriedigenden „Windstruck“ scheint es einfach nicht angehen zu können, dass die Protagonisten – über alle möglichen Hindernisse und Umwege – schließlich zusammenfinden, nein, es muss stets mit ganz viel Leid enden, ausgewalzt und gekrönt durch die finale Erkenntnis, dass es irgendeine Ebene in Herz und Gedanken gibt, wo alles, was verloren war, für immer weiterlebt. Unvergessen. Selbst wenn die Todesursache Alzheimer ist – eine Geißel auch für junge Protagonisten, zumindest in diesen beiden, verdammt ähnlich schließenden Fällen, gerade unglaublich en vogue. Aber es ist mitnichten nur das Finale, über das man wirklich fast vermuten möchte, dass es Lee bei Gong oder Gong bei Lee abgekuckt hat, das einem ihre Filme vergellen kann. Gong Jeong-Shik konstruiert seine Mähr, DADDY LONG LEGS, um einen geheimnisvollen Sponsor, der die von Ha Ji-won gemimte Protagonisten durchs College und an die heißesten Jobs bringt, so verteufelt clever und elaboriert, dass er wahrscheinlich der einzige ist, der sich die Auflösung abkauft. Immerhin baut er seine wirre Geschichte auf erinnernswert skurrile, wenn auch tendenziell nervende Charaktere. In John H. Lees A MOMENT TO REMEMBER sind diese Hauptrollen nur erschreckend dumme Klischees, die von ihren Darstellern auch noch mit einer unerträglichen Überzeugung, völlig ironiefrei, verkörpert werden. Jung Woo-sung, der in „Musa“ stumm und in „Mutt Boy“ debil durchaus überzeugen konnte, gibt nun einen superschleimigen Bauarbeiter, der lieber studiert hätte und Architekt wäre. Ach, herrje! – das kaputte Elternhaus ist Schuld an der verpassten Chance. Der Typ ist einfach unerträglich, und das macht es unverzeihlich, dass Son Ye-Jin (ein Mädel, dem ich nach „The Classic“ zu Füßen gelegen hatte, äh, hätte) den Part übernehmen muss, der schnell ganz hin und weg von diesem prolligen Getue ist. Es folgen viele Posterposen, ein wenig Romeo und Julia, dezente Kritik am konfuzianischen Statusdenken, ein kurzer Moment Glück und dann schlägt Alzheimer zu, unerbittlich. Meine Freundin hätte mich fast geprügelt, als ich widerwillig eine Träne kullern ließ. Ich kann doch nichts dafür, hab ich mich verteidigt, die machen das extra so – doch auch mit verschwommenen Blicken wird dieser Film nicht besser. *