Es gibt Sachen auf die könnte man ohne Probleme Wetten abschliessen. Auf den zweiten Teil von "Wet Dreams" hätte man problemlos wetten können und nach drei Jahren war es dann auch soweit. Mit einem für einen solchen Film beachtlichen Aufgebot an Schauspielern hat Regisseur Jung Cho-sin das Sequel ebenfalls erfolgreich abgedreht. Knapp über 1Mio. Zuschauer lockte die Teenysexkomödie nach "American Pie"-Vorbild in die südkoreanischen Kinos. Fokussierte der erste Teil sich noch auf die pupertären Probleme der Jungen, so werden jetzt im zweiten Teil die typischen Mädchenprobleme näher beleuchtet.
Es geht um "Prince Charming" und um die erste Verliebtheit, um die erste Regel und um den Gebrauch von Kondomen, um viel Anatomie und um Erektionsstörungen der besonderen Art. Alles deutlich harmloser und weniger deftig dargeboten wie noch beim Vorgänger ; die Mädchen scheinen allerdings auch sexuell weniger bewandert und deutlich schamvoller als die Jungen im ersten Teil.
Wir starten an einer Mädchen-High-School und lernen die drei Freundinnen Oh Sung-eun ( gespielt von Kang Eun-bi ), Bang Soo-yeon ( gespielt von Sängerin "Bin" alias Jeon Hye-bin ) und Kim Mi-sook ( gespielt von Park Seul-gi ) kennen. Die drei sind im Bezug Jungen noch vollkommen unerfahren und träumen den typischen Mädchentraum. Als Sung-eun´s ältere Schwester heiratet stellen sie sich vor, wie ihr "Prince Charming" aussehen könnte.
Der hat für Sung-eun allerdings auch recht schnell seinen Auftritt. Der neue Junglehrer Kang Bong-gu ( gespielt von Lee Ji-hun ) ist der Auserwählte und muss sich, obwohl bei jeder Erektion unkontrollierbar furzend, nun den frühreifen Angriffen seiner Schülerinnen erwehren. Neben Oh Sung-eun hat nämlich auch die Schulschönheit Baek Se-mi ( gespielt von Shin Joo-ah ) ein Auge auf den holden Jüngling geworfen und die hat deutlich bessere Argumente. Neben der figurlich körperlichen Überlegenheit, bringt sie anscheinend auch eine gehörige Portion Sexappeal und Erfahrung mit. Doch Sung-eun kämpft mit Hilfe ihrer Freundinnen verbissen um die Beute und die beiden Mädchen versuchen, jeweils schneller als die Widersacherin mit dem Lehrer im Bett zu landen.
Alles bleibt beim Alten ; platte Scherze wie der furzende Lehrer und die gackernden Mädchen wechseln sich ab mit cool gemeinten Sprüchen wie "wenn er für Se-mi furzt, wird er für mich scheissen". Weniger deftig aber ebenso hohl in der ersten Hälfte, spult der Film sein Programm ab ; süsse Teenykörper in Schuluniformen mit Röckchen, die im Verlaufe des Films immer höher rutschen. Richtig gelungene Szenen hat der Film leider nur wenige und wenn dann gehören sie ganz klar der süssen Kang Eun-bi. Sie kaut halt eben durchaus belustigend auf einem Kondom herum und ihr Minenspiel brachte mich nicht nur einmal zum mitfühlenden Schmunzeln. Damit blieb sie allerdings allein, denn weder Park Seul-gi als hässliches Entlein, noch Sängerin "Bin" als cooler und ruhiger Pol der Truppe können wirklich überzeugen. Bei "Bin" wäre wohl deutlich mehr Tiefgang möglich gewesen, doch ein im zweiten Teil angedeutetes lesbisches Outing bleibt ohne weitere Bedeutung für den Film.
Die Männer des Films geraten leider zum Ärgernis ; sowohl den schlaffen Lehrer Lee Ji-hun als auch den widerum auftauchenden Jeon Jae-hyeong empfand ich als sehr blass und dazu noch unglaubwürdig. Ein Lehrer der seine Schülerin küsst bzw. bei sich übernachten lässt, kann ich mir nunmal nicht vorstellen und nach "Lovely Rivals" finden sich solche Absurditäten hier schon wieder.
Bei den Eltern von Sung-eun greift man allerdings auf richtige Profis im südkoreanischen Kino zurück. Sowohl die Mutter ( gespielt von Kim Hae-suk ) als auch ihr Vater ( gespielt von Jeong Dong-hwan ) sind beide serienerprobt ( ich schreib blos "Autumn in my Heart" & "Winter Sonata" & "Summer Scent" & "Spring Waltz" ) und bieten eine solide und routinierte Performance.
Leider erreicht "Wet Dreams2" in der zweiten Hälfte nicht den Tiefgang und die Glaubwürdigkeit des ersten Teils und versinkt daher in der Bedeutungslosigkeit des Durchschnitts. Bei dem Potential an erfahrenen Jungschauspielern gepaart mit den beiden erfahrenen Elternmimen hätte ich durchaus mehr erwartet. Am Ende bleiben es, dank einer zu selten wirklich rührenden Hauptdarstellerin Kang Eun-bi, dennoch ganz knappe 5 Punkte.