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Nach seinem Sensationserfolg „Pusher“ aus dem Jahre 1996 ließ sich Regisseur Nicolas Winding Refn überraschend viel Zeit, bis er mit einer Fortsetzung seines Films über die Kopenhagener Drogenszene begann. 2004 – ganze acht Jahre später also – kam nun schließlich mit „Pusher II: Respect“ ein würdiger Nachfolger in die dänischen Kinos.

Tonny (Mads Mikkelsen) ist gerade aus dem Gefängnis entlassen worden und versucht nun, wieder in Kopenhagen Fuß zu fassen. Was wäre da angebrachter, als bei seinem Vater um einen Job zu betteln? Widerwillig stimmt dieser schließlich zu. Doch die Vergangenheit holt ihn allzu schnell ein. So erfährt er, dass er Vater eines kleinen Jungen ist, seine Mutter ist zwischenzeitlich verstorben und zu allem Überfluss läuft der erste Deal, den er nach seiner Haftstrafe eingeht, völlig schief…

Im zweiten Teil seiner „Pusher“-Trilogie verzichtet Jung-Regisseur Nicolas Winding Refn auf die Hauptperson des ersten Teils. Frank (Kim Bodnia) ist mittlerweile aus Kopenhagen abgehauen und schon lange nicht mehr gesehen worden. Damit muss also ein neuer Hauptdarsteller her. Nahe liegend, dass man sich eine Person aussucht, auf der im ersten Teil noch nicht so sehr das Augenmerk lag. Mit der Wahl, den Fokus auf die Geschichte Tonnys zu legen, ist ein Glücksgriff gelungen; denn schließlich weiß Mads Mikkelsen in seiner Rolle als um Respekt heischender Kleinkrimineller von der ersten Minute an zu überzeugen. Die Grundstory ist zwar wieder einmal nach Schema 08/15 gestrickt (ein Drogendeal läuft schief, anschließend muss irgendwie Geld beschafft werden), aber auch im Fall von „Pusher II“ fühlt sich das Publikum sofort im dargestellten Szenario wohl, ja weiß sich jederzeit bestens unterhalten. Die Referenzen auf Quentin Tarantinos Filme, die den ersten Teil noch wie ein roter Faden durchzogen, sind auf ein Minimalmaß reduziert worden, sodass nur gelegentliche Parallelen entdeckt werden können (und die auch nur dann, wenn man ganz genau hinsieht). Das ist zwar irgendwie schade, denn schließlich hat der Wiedererkennungswert bei „Pusher“ einen gewissen Charme ausgemacht, aber es ist auch erfreulich zu sehen, dass Nicolas Winding Refn bei „Pusher II“ seinen eigenen Stil gefunden und weiterentwickelt hat. Das macht Lust auf mehr!

Neben der Gangster-Story wurde diesmal noch viel stärker auf die Charakterentwicklung des Hauptprotagonisten geachtet. So ist mit Tonnys persönlicher Nebenhandlung, die mit der Botschaft seiner Vaterschaft eingeführt wird, dafür gesorgt, dass sämtliche Figuren permanent in Bewegung bleiben und damit keine (bzw. nur wenige) Längen im Handlungsverlauf entstehen. Eine weitere dramatische Komponente bezieht der Film daraus, dass Tonny nach seiner Haftentlassung bedingungslos um den Respekt seiner Mitmenschen, in erster Linie seines Vaters, kämpft.

Zu meinem Bedauern wurde der im ersten Teil noch so wundervoll agierende Zlatko Buric (als Jugo-Mafia-Boss Milo) nur mit einem Kurzauftritt eingeführt. Von ihm hätte ich gerne noch mehr gesehen… Aber persönliche Präferenzen sollte man ja doch hinten anstellen, denn betrachtet man die Story von „Pusher II: Respect“ im Gesamten, muss man einfach anerkennen: Für eine weitere Präsenz von Milo war in diesem Film kein Platz, denn schließlich spielt auch die gesamte Jugoslawen-Mafia nur eine geringe Rolle für den Plot.

Das Fehlen dieser Figur tut dem Vergnügen, das „Pusher II“ bereitet, keinen Abbruch. So muss ich erfreut feststellen, dass die Vermutung, die ich lange mit mir herumgeschleppt habe („Ein dänischer Film ohne Kim Bodnia kann kein guter Film sein“), nicht bestätigt wurde. Kim Bodnia fehlt hier ganz und gar nicht, denn Mads Mikkelsen überzeugt in seiner Hauptrolle als Tonny von Anfang bis Ende. Nicolas Winding Refn hat hier einen würdigen Nachfolger des hervorragenden „Pusher“ erschaffen, der dem ersten Teil in nichts nachsteht, ja zeitweise sogar aufgrund seiner auf den Nebenschauplätzen entwickelten Dramaturgie spannender erscheint. Man darf auf Teil 3 gespannt sein (und darauf hoffen, dass dieser das Niveau der ersten beiden Teile hält)… 8,5 von 10 Punkten

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