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Mit „Rosewood Burning“ hat Regisseur John Singleton ein kraftvolles Rassendrama geschaffen, aber leider auch ein recht langatmiges.
1923 in den USA: Rosewood ist eine kleine Stadt, in der bis auf den weißen Ladenbesitzer John Wright (Jon Voight) und seine Familie nur Schwarze leben. In den Nachbarstädten dagegen dominieren die Weißen und sehen sich zudem auch um einiges höher an als die Schwarzen, aber sie lassen diese weitestgehend in Ruhe. „Rosewood Burning“ zeichnet ein realistisches Bild des schlummernden Rassenhasses, der Amerika lange Zeit nach der offiziellen Befreiung der Schwarzen immer noch auszeichnete.
Als man erfährt, dass ein schwarzer Häftling entflohen ist, durchsucht Sheriff Walker (Michael Rooker) die Gegend, warnt die Weißen aber von Lynchjustiz abzusehen. Gleichzeitig reitet der geheimnisvolle Mr. Mann (Ving Rhames) in Rosewood ein, kann aber beweisen, dass er nicht der gesuchte Häftling ist. Da sein Pferd neue Hufeisen braucht, kehrt ein bei Sylvester Carrier (Don Cheadle) und dessen Familie ein und überlegt sogar in Rosewood Land zu kaufen. „Rosewood Burning“ stellt seine Figuren sehr ausgiebig vor – leider etwas zu langgedehnt, aber dies ist das große Problem des Films.

Doch dann wird eine weiße Frau im Nachbardorf von ihrem Liebhaber (Robert Patrick) verprügelt – was sie ihrem Mann nicht zu sagen traut. So erfindet sie die Lüge ein unbekannter Schwarzer habe sie verprügelt, was die Gemüter erhitzt. Bald kommt es zu Übergriffen von Seiten der Weißen auf die Schwarzen...
„Rosewood Burning“ präsentiert sich als lehrreiches Stück über menschliche Verbohrtheit und zeigt die Ereignisse, die beklemmenderweise auf einer wahren Begebenheit beruhen, in einer fatalistischen Abwärtsspirale, die nicht unrealistisch ist. Sehr nachvollziehbar erklärt der Film wie der unterschwellige Rassenhass zu Gewalt und Grausamkeit führt, bei der die Schwarzen wie auch die Rechtschaffenden unter den Weißen machtlos dastehen. Deshalb ist der Film auch kein Streifen für zwischendurch und zeigt Gewalt immer ziemlich dramatisch; nur gegen Ende gibt es ein paar Actionmomente, die aber nicht allzu oberflächlich sind und den Realismus nicht zerstören.
Dabei sind auch die Figuren sehr gut gezeichnet und haben fast alle Licht- und Schattenseiten, auch wenn man die Akteure doch recht klar in eher gut und eher böse unterteilen kann. Doch die Charakterisierungen und die diversen Subplots (anbahnende Liebesbeziehung zwischen Mr. Mann und Scrappie, Wrights Affäre usw.) sind zu ausgewalzt und strecken den Film dabei arg in die Länge. So wird man zwischendurch immer wieder gelangweilt und man hätte den Film durchaus ein ganzes Stück kürzer fassen können.

Ansonsten ist der Plot recht glaubwürdig und halbwegs spannend, auch wenn die weitere Entwicklung der fatalen Ereignisse schnell abzusehen ist. Das Tempo der Geschichte ist eher gemächlich und steigert sich erst gegen Ende, was zum großen Teil an den oben erwähnten Längen, die den Film leider immer wieder durchziehen, liegt. In der Regie hat John Singleton einen guten Job gemacht und taucht den Film in angemessene und nett anzusehende Bilder.
Die Darsteller spielen allesamt ziemlich gut und man kann nicht nur viele bekannte Namen, sondern auch diverse Akteure, die man wahrscheinlich nur vom Gesicht her kennt, unter den Schauspielern erkennen. Trotz des realistischen Grundtons kann Ving Rhames seine Coolness aber nicht ganz ablegen, was aber nur in ganz geringem Grade unpassend wirkt.

So ist „Rosewood Burning“ ein realistisches und nachvollziehbares Rassendrama, das leider wegen diverser, sehr auffälliger Längen nur eine Wertung von 6,5 meinerseits einsackt.

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