Christian Anders zählt sicherlich in jeder Hinsicht zu Deutschlands peinlichsten Stars und sorgte bereits für etliche fragwürdige Schlagzeilen in der Boulevard-Presse. Das er sich Ende70er/Anfang 80er zweimal als Regisseur versuchte ist heute fast vergessen und das nicht ohne Grund: „Die Brut des Bösen“ und „Die Todesgöttin des Liebescamps“ gehören ganz sicher zum Bodensatz des Exploitation-Kinos und srühen geradezu vor erbärmlicher Lächerlichkeit.
In Klamotten wie “Hilfe, ich liebe Zwillinge“ (mit Roy Black und Uschi Glas) oder „Wenn die Tollen Tanten kommen“ (mit Rudi Carrell) sammelte er als Nebendarsteller erste Erfahrungen im Filmgeschäft und hoffte knapp zehn Jahre später auf den Erfolg eigener Projekte. Seine beiden Regie-Arbeiten sind Trash pur und von geradezu unglaublicher Naivität. Bei „Love Camp“ schrieb Anders das Drehbuch, produzierte, führte Regie und übernahm zu allem Überfluss auch noch eine der Hauptrollen.
Mit Laura Gemser hat man einen echten Kult-Star am Start und dementsprechend viel Präsenz hat die gute Frau dann auch: Gut drei Viertel der Zeit ist sie im Bild, erfreulicherweise fast immer nackt und in guter körperlicher Form. Mit Gabriele Tinti ist ein weiteres bekanntes Gesicht des Exploitation-Films dabei, doch am besten ist ganz klar Sascha Borysenko, ein aufgeplusteter Muskelprotz völlig ohne Mimik. Wie er den strunzdummen aber bärenstarken Tanga verkörpert ist eine wahre Pracht und kann einem die eine oder andere Lachträne entlocken.
Nudity wird ganz groß geschrieben in „Love Camp“, die Anzahl der Erotik-Szenen ist enorm hoch. Diese sind sogar ganz nett und ansprechend gefilmt, wirken jedoch aufgrund der peinlichen Musikunterlegung meist lächerlich. Insgesamt gibt es aber viele nette Frauen zu sehen, alle meist nackt und zeittypisch natürlich noch stark behaart.
Die kitschige Love-Story könnte gar nicht triefend-klischeehafter sein, die unschuldige Liebe zwischen Dorian (Anders) und Patricia (Simone Brahmann) verstößt gegen die strengen Regeln der Sex-Sekte um „Die Göttliche“ (Gemser). Es kommt zu einer dramatischen Wendung. Mit welcher Ernsthaftigkeit das Ganze präsentiert wird ist geradezu unbeschreiblich und der unfreiwillige Humor ist köstlich.
Die bescheuerten Close-Ups, die bunten Kostüme und Kulissen, die unbedarften Schauspieler und die grauenhafte Story: Eigentlich kann man kein gutes Haar an dem Film lassen und trotzdem (oder gerade deswegen) ist der Unterhaltungswert enorm hoch. Obwohl nicht ein beabsichtigter Witz vorkommt hat man stets was zu lachen, ein Brüller folgt dem nächsten. Besonders die Musical-artigen Szenen mit Christian Anders sind umwerfend, genauso wie seine Kampfeinlagen gegen Ende.
Das Titellied verdient auch eine seperate Erwähnung, denn es passt einfach perfekt in das katastrophale Gesamtbild: Mit schmalzigem Text und ekligem Gesang säuselt sich Anders durch den Film, während haufenweise halbnackter Irre um ihn herum tanzen oder er einfach verliebt seiner Patricia in die Augen sieht. Einfach unvergesslich: Die Musik, die Charaktere, einfach der gesamte Film. Da auf Zypern gedreht wurde hat man eine schöne exotische Landschaftskulisse, die mit völlig unpassenden karibischen Accessoires unterstützt werden soll.
Genau wie Anders’ Karriere als Schlager-Star sank auch der Stern des erotischen Sexploitation-Trashkinos immer mehr und so kann man sagen das „Love Camp“ schlichtweg knapp zehn Jahre zu spät kam um beim Publikum Anklang zu finden. Der Gore- und Splatterfilm herrschte nun und drängte in den 80ern gemeinsam mit der Pornoindustrie den erotischen Exploitationfilm komplett ins Abseits. So ist es kein Wunder das die zweite Regiearbeit auch die letzte blieb und ähnlich wie das Erstlingswerk gnadenlos floppte.
„Love Camp“ ist einfach zu harmlos und bietet bis auf einige billige Kampfeinlagen oder einer Auspeitschung nur wenig derbes für den Sexploitation-Fan. Am härtesten ist eine rituelle Entjungferung geraten, die durch den Hünen Tanga durchgeführt wird, jungfräuliches Blut inklusive…
Fazit: Für Trash-Fans ein Fest der Absurditäten und Unglaublichkeiten. Man muss einfach mit eigenen Augen gesehen haben was Christian Anders anrichten kann wenn man ihn nur lässt…
Eine Bewertung fällt schwer, eigentlich könnte man nur 01/10 oder 10/10 geben. Ein Anders-Film bekommt von mir grundsätzlich nicht die Höchstnote, so vergebe ich die verdiente Tiefstwertung:
01 / 10