„Mörder ahoi!“, der vierte und letzte der Miss-Marple-Filme mit Margaret Rutherford, basiert nun auch nominell überhaupt nicht mehr auf einem Roman von Agatha Christie (obwohl schon die Beiträge zwei und drei in Wirklichkeit Hercule-Poirot-Romane waren, die man in der Filmversion nicht wiedererkannte), sondern ist eine Gemeinschaftsarbeit zweier Autoren, die sich den vertrauten Elementen der Serie angenommen haben, um sie in ungewöhnlicher Umgebung neu anzuordnen.
Ort der Handlung ist diesmal ein Schulschiff, auf dem so manch sinistrer Vorgang aufzudecken ist. Tatsächlich gibt es auch zwei zu vertuschende Verbrechen, die erst einmal voneinander getrennt sein wollen. Da ja Miss Marple wie üblich die Angewohnheit hat, sich in eine nicht unbedingt vertraute Umgebung für Ermittlungen hineinzudrängen, passt sie hier auf einem nach den Gesetzen der britischen Marine geführten „männlichen“ Schiff natürlich wie die Faust aufs Auge. Der übliche „very britische“ Widerpart ist diesmal Lionel Jeffries, der ein wenig zögernd und tollpatschig rüberkommt, was seine Ablehnung von Frauen an Bord aber mindert.
Ausgehend von einem Mord via Schnupftabak nimmt der Plot dann seinen Lauf und setzt ganz auf die seemännische Umgebung (in einer Bucht stets Landnähe haltend), die zwischen Verführung Minderjähriger zu Verbrechen und Unterschlagung noch für einige Leichen sorgt.
Was schwächer ausfällt, ist allerdings die Konstruktion der Aufklärungsarbeit, die mittels Kenntnis eines Kriminalromans, den sowohl Marple als auch der Täter gelesen hat, geführt wird.
Dafür erhält Stringer Davis in diesem Film erfreulicherweise verstärkt Gelegenheit, sich in Einzel- und Doppelszenen zu profilieren, was dem großen Schmunzeln gut tut.
Trotz mancher dramaturgischer Unebenheit, ist die Umsetzung der Heldin in ein Nicht-Christie-Umfeld trotzdem gelungen, allerdings fokussiert der Film noch mehr auf seine ältliche Heldin, die jedoch als Höhepunkt beim Showdown ein wahrlich ansehnliches Fechtduell mit dem Mörder austragen darf.
„Mörder ahoi“ hat weniger Mystery als die übrigen Fälle, bleibt aber ein handfester Krimi mit genügend Humor, um ihn immer wieder gern zu sehen. (8/10)