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Bereits der doch sehr moderne Sprachstil und die oberflächlichen Dialoge lassen schon von Anfang an nichts wirklich gutes für die inhaltliche Umsetzung des klassischen Stoffs hoffen. Und tatsächlich: Kevin Reynolds Regiearbeit entpuppt sich alsbald als aalglatte Mainstream-Produktion, in der sich ein Klischee an das andere reiht. Von Poesie keine Spur, dafür eine geleckte Optik und Phrasen, die ebenso gut (wenn nicht besser) in einer Tennie-Soap untergebracht wären. Dass der Film trotz durchgestylter Bilder, rührseligem Pathos und einer Besetzung aus überwiegend idealisiert dargestellten Schönlingen (oder aber pseudo-coolen Bösewichten) relativ schmerzfrei anzuschauen ist, muss ergo etwas mit unzerstörbaren Inhalten zu tun haben, die selbst Berge von Kitsch nicht zudecken können.

Ob durch Swinburne oder Tennyson, Sir Walter Scott oder Thomas Malory - nur um einige wenige Namen zu nennen - in unzähligen Versionen hat die tragische Legende ihren literarischen Niederschlag erfahren und selbst in Reynolds Film ist noch ein gewisser Rückstoß der emotionalen Wucht von Tristan und Isoldes unglücklichem Schicksal zu verspüren. Leider überzeugt weder das Ensemble, noch die Darbietung als solche über die Dauer von zwei Stunden.

Zum einen, weil die Inszenierung sich ganz klar den Gewohnheiten eines Mainstream-Publikums unterordnet, zum anderen, weil zumindest die beiden jungen Hauptdarsteller mit dem Anspruch und dem Potential der Vorlage überfordert sind. Dies kommt dann besonders schmerzhaft in den Interviews im making of noch einmal zum Ausdruck, in denen Sophia Myles und James Franco nicht verbergen können, wie wenig sie doch über ihre Rollen und die Vorlage zu sagen haben.

Liebe, Treue, Loyalität, Verrat - eigentlich sind es doch recht gewöhnliche Sujets, aus denen die Legende gestrickt ist. In Reynolds Bearbeitung dagegen erfährt das Legendäre eine Rückverwandlung in das Gewöhnliche: sagenhaft sind hier nur die Klischees.

Als historischer Abenteuerfilm ist "Tristan & Isolde" durchaus ganz passabel. Wenn es mit Schwert, Axt und Bogen zur Sache geht ist das alles andere als innovativ oder wegweisend, handwerklich aber grundsätzlich in Ordnung. Handlungsverlauf und Dramaturgie sind leider mitnichten originell. Zwischendurch entstehen daher auch immer wieder Längen, die man umso besser erträgt, je mehr man sich für kitschig-sentimentales Geschmachte erwärmen kann.

"Tears, Idle Tears" ist der Titel eines wirklich bewegenden, romantischen Gedichts von Tennyson. "Tears, Idle, Tears" ist aber auch der Titel eines fiktiven, pseudo-romantischen Romans in William Dean Howells Klassiker "The Rise of Silas Lapham" und wird dort - als sentimentaler Schund entlarvt - spöttisch umgetauft in "Slop, Silly Slop". Als Untertitel zu Kevin Reynolds "Tristan & Isolde" würde dieser Zusatz passen, wie die Faust aufs Auge...

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