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"16 Uhr 50 ab Paddington" bildet den Auftakt zur vierteiligen Serie über die Hobbydetektivin Miss Marple. Als Vorlage diente die Novelle von Agatha Christie. Für ein Screenplay mussten ettliche Veränderungen vorgenommen werden, mit denen Christie nicht immer einverstanden war. Auch die Wahl von Margaret Rutherford wollte die Autorin zuerst nicht hinnehmen. Doch Rutherford war genau die richtige Wahl, ihr Ehemann Stringer Davis erhielt auch eine Rolle als tollpatschiger Mr. Stringer.

Während einer Zugfahrt beobachtet Miss Jane Marple (Margaret Rutherford) im vorbeifahrenden Zug einen Mord. Eine Frau wird erwürgt, doch die Polizei findet keinerlei Spuren und somit ist der Fall abgeschlossen. Aber nicht für Miss Marple, denn sie beginnt mit ihrem Freund Mr. Jim Springer (Stringer Davis) zu ermitteln. Die Spur führt zum Anwesen der Familie Ackenthorpe. Miss Marple schleicht sich dort als Wirtschafterin ein, um weiter ermitteln zu können. Doch verdächtig ist so gut wie Jeder. Vom unsympatischen Gärtner Hillman (Michael Golden) bis hin zur gesamten Verwandtschaft. Es geht nämlich um ein Erbe.

Allein schon wegen der schrulligen Margaret Rutherford gewinnt man die vier Krimikomödien lieb. Trotzt ihrer 69 Jahre, schien sie auch im realen Leben noch richtig fit zu sein. Sie verkörpert die Hobbydetektivin der es an Enthusiasmus und Phantasie nicht mangelt mit absoluter Hingabe, man könnte sogar sagen sie lebt diese Rolle. Zur Seite steht ihr Ehemann Stringer Davis, der ihren Freund und Handlanger Jim Stringer mimt. Er ist leider nicht sehr helle, erledigt aber einen großen Teil der Ermittlungsarbeit und ist immer da, wenn man ihn braucht. In allen vier Teilen ist er präsent, genauso wie Charles Tingwell als Inspector Craddock. Michael Golden darf in die Rolle als grimmiger Hillmann schlüpfen. Sehr bekannt in England ist Thory Walters, der als bettlägriger Albert Ackenthorpe immer etwas zu meckern hat.

Als Regisseur wählte man Charles Pollock, der im Genre Komödie schon Erfahrungen hatte. "16 Uhr 50 ab Paddington" ist seine vierte Regiearbeit. Er machte seinen Job so gut, dass er alle vier Teile in Szene setzen durfte. Die funktionieren alle nach dem gleichen Schema. Ein paar Minuten nach Titelmelodie, übrigens auch immer die Selbe, geschieht ein Mord. Hier glaubt die Polizei Miss Marple hätte sich das nur eingebildet, auch weil sie gerade einen Krimiroman las. Aber dank ihrer Beharrlichkeit stößt Miss Marple bald auf die ersten Spuren, die auf das große Anwesen der Ackenthorpes führt. Wie ich nun auch weiss, gab es damals schon Vermittlungsagenturen, so gelangt Miss Marple als Wirtschafterin auf das Anwesen.

Dort wird sie mit einem großen Verdächtigenkreis konfrontiert. Wirklich Jeder könnte der Täter sein. So muss Miss Marple erst ein wenig Ermittlungsarbeit leisten. Dabei schleicht sie durch Haus und Scheune, belauscht Gespräche, stellt geschickte Fragen und hat wirklich bald die Leiche der jungen Frau gefunden. Es macht einfach Spass ihr bei der Arbeit zuzusehen. Oft wird sie beim Herumschnüffeln auch ertappt und muss sich irgendeine Ausrede aus den Finger saugen. Aber sie kommt dem Täter auf die Spur, doch umgekehrt genauso und es wird nicht bei der einen Leiche bleiben.

So wird fast die gesamte Familie mit Arsen vergiftet und die ehemalige Haushälterin findet bald die Leiche eines weiteren Erben. "16 Uhr 50 ab Paddington" hat durchaus einige spannende Szenen in Petto. Das große Anwesen der Ackenthorpes bietet dafür die passende Kulisse. Viele Szenen spielen noch bei Nacht, es folgen Gewitter und Regen und daraus resultierende Stromausfälle. Schließlich lässt sich Miss Marple final eine Falle für den Mörder einfallen, natürlich wartet der Inspector in der Nähe, um den Mörder nach seinem umfassenden Geständnis, welches ihm Miss Marple noch entlockt, festzunehmen.

Ein kniffliger Fall, ein ordentlicher Schuss Humor und fertig ist der Auftakt zu einer der besten Krimireihen aller Zeiten. Auch dank Margarete Rutherford funktioniert dieses Schema so gut. Ein toller Spass, dem ich jeglichen Hercule Poirot Fall vorziehe.

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