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Jeder kennt sie, fast jeder liebt sie: die berühmte vierteilige Miss-Marple-Reihe mit Margaret Rutherford. Entstanden in den Jahren 1961-1964 fanden sie zwar nicht gerade die Zustimmung der Autorin der Originalromane Agatha Christie, die ihre eigenen Stories doch sehr frei bearbeitet und verwässert wiederfand und sich mit der resoluten und rüstigen Heldin nun gar nicht anfreunden konnte, doch schlußendlich wurden sogar diese beiden eigenwilligen Damen Freunde.

Kennzeichen der Reihe ist die stete Neugier der ältlichen Dame, an verschiedensten Todesfällen immer den dahinterstehenden Mord zu wittern, wobei sie die ermittelnde Polizei (wie immer in Gestalt von Inspektor Craddock) ebenso geringschätzt (aufgrund mangelnder Phantasie) wie umgekehrt.
Hartnäckig und undercover geht sie den Vorgängen auf die Spur, nicht zuletzt auch unter Einsatz ihres eigenen Lebens, unterstützt durch den ihr treu ergebenen und furchtsamen Mr.Stringer.

Die Filme sind meistens immer nach demselben Schema aufgebaut, präsentieren erst ein Verbrechen, in das Jane Marple stolpert, dann den Aufbruch in die unbekannte Umgebung, wo sie zwar stets für schrullig gehalten wird, aber immer Respekt gewinnt und letztendlich die Enttarnung des jeweiligen Killers, der zum Schluß meistens sie selbst im Visier hat.

Aber gerade die Anordnung altbekannter Elemente wirkt sich bei den Filmen positiv aus, die den Betrachter immer wieder schmunzeln läßt. Wer die vier Filme auch nicht so oft sieht, rätselt immer wieder über die Mörder, die meistens aus einem größeren Kreis von Verdächtigen auszuwählen sind.

„Murder, she said“ ist noch die treueste Adaption eines Christie-Romans, der in Wirklichkeit auch wirklich von Miss Marple handelt. Zufällig Zeugin eines Mordes in einem vorbeifahrenden Zug, macht sie sich auf die Suche nach der Leiche und läßt sich schließlich als Wirtschafterin auf dem Landsitz der Ackenthorpes anheuern, wo sie den verzwickten Fall angeht.
Dieser Fall ist noch am kompliziertesten von allen anderen (neben „Vier Frauen und ein Mord“) und kommt einem guten, alten britischen Krimi am nächsten. Der dunkle Park, das verwinkelte Haus, Stromausfälle, ein grimmiger Gärtner und jede Menge Leichen machen das Ratespiel recht schwer.

Wie in jedem Film wird ihr als Widerpart auch hier ein großer britischer Darsteller gegenüber gestellt, in diesem Fall der bärbeißige, jähzornige James Robertson Justice, der mit ihr die verbalen Klingen kreuzt. Doch auch sonst gibt einen großen Familienkreis aus möglichen Tätern und Opfern, aus dem man sich bedienen kann.

Hochatmosphärisch und dicht umgesetzt hat der Film einige knallige Szenen wie die Vergiftung der halben Familie oder das Auffinden des Mordopfers im nächtlichen Park und streut trotzdem immer wieder ironische Momente zwischen Marple und dem Inspektor oder anderen Anwesenden ein.
Die Auflösung wirkt hier zwar ein wenig dramaturgisch schwächlich, aber den Gesamteindruck kann das kaum noch schmälern. Ein echtes Liebhaberstück. (9/10)

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