Review

Ein unheimlich aussehender Mann (Antoine Saint-John) trägt eine tote Frau zu einem roten VW-Käfer, öffnet die Tür und setzt sie vorsichtig auf den Beifahrersitz. Er steigt ein, sieht seine stumme Begleiterin an, berührt sie zärtlich, streichelt sie, betastet durch die Kleidung ihre Brüste. Dann fährt er weg und der Vorspann beginnt. Ein rotes Spinnennetz vor tiefschwarzem Hintergrund erscheint, unterlegt mit einem ominösen, beunruhigenden (Piano-)Score, während uns die Mitwirkenden vor und hinter der Kamera präsentiert werden. Szenenwechsel. Norma Mainardi (Tere Velázquez) dreht ihrem windigen Playboy von Gatten Giorgio (George Hilton) den Geldhahn zu, was zu einem heftigen, nächtlichen Streit führt. Giorgio rauscht angepißt ab, begibt sich zu einer Telefonzelle und beobachtet zufällig, wie der mysteriöse Mann vom Beginn den Kugelporsche samt Leiche im Fluß versenkt.

Spätestens jetzt ist klar, daß wir hier einen abgrundtief bösen, vor nichts zurückschreckenden Menschen vor uns haben, denn nur abgrundtief böse, vor nichts zurückschreckende Menschen sind dazu imstande, einen unschuldigen VW-Käfer zu versenken. Giorgio zögert nicht lange und schlägt dem Unheimlichen einen Deal vor. Wenn er seine reiche Frau umlegt und verschwinden läßt, behält Giorgio nicht nur dessen nächtliche Aktivitäten für sich, sondern legt als Zuckerl noch zwanzigtausend Dollar obendrauf. Der Killer sagt zu, stranguliert die verängstigte Norma nach einem kurzen Katz-und-Maus-Spiel in ihrem eigenen Haus und verstaut die Leiche im Kofferraum seines Mercedes. Während er ins Haus zurückgeht, um seine Spuren zu verwischen, packt das junge Pärchen Luca (Alessio Orano) und Laura (Cristina Galbó) die Gelegenheit (= unversperrtes Auto mit steckendem Zündschlüssel) beim Schopf und "borgt" sich den Mercedes für eine kleine Spritztour zum Strand. Der Killer reagiert sofort, klaut seinerseits einen geparkten Wagen und nimmt die Verfolgung auf. Ziel der diebischen Teenager ist der idyllische Küstenort Seagull Rock, wo ein riesiges, altes, malerisches Haus nur auf ihre Ankunft zu warten scheint. Und an diesem abgelegenen Ort will Luca endlich auch bei Laura zum Zug kommen und sie von ihrem lästigen Anhängsel namens Unschuld befreien...

Es ist ausgesprochen schwierig, über diesen Film zu schreiben, da man rasch Gefahr läuft, zuviel von der Handlung preiszugeben. Ich denke, das oben Geschriebene ist vertretbar. Mehr wäre fahrlässig und gemein denjenigen gegenüber, die The Killer Must Kill Again noch nicht gesehen haben (und falls dem so ist, sollte man diesen Umstand schnellstmöglich korrigieren). Luigi Cozzi kennt man hierzulande am ehesten als Regisseur von spaßigen Science-Fiction-Abenteuern wie Starcrash (Star Crash - Sterne im Duell) oder gorigem Schlock wie Contamination (Astaron - Brut des Schreckens). Umso erfreuter war ich, als sich sein Frühwerk als richtig gut herausstellte. Richtig gut ist auch die Besetzung des Streifens. Antoine Saint-John ist bedrohlich als der kaltblütige, namenlose Killer, wobei sein bloßer Anblick (das schmale, eingefallene Gesicht, die kalten, dunklen, sezierenden Augen, der hagere Körper, die kurzen Haare) schon für Unbehagen sorgt. Saint-John hinterläßt hier noch mehr Eindruck, als er es als gelynchter Hexer Schweick in Lucio Fulcis L'aldilà (Die Geisterstadt der Zombies) schon tat. George Hilton (Tutti i colori del buio) ist angenehm schmierig als geldgieriger, betrügerischer Ehemann, und die reizende Cristina Galbó - unvergessen in Narciso Ibáñez Serradors meisterlichen La Residencia (Das Versteck) und Jorge Graus großartigen Non si deve profanare il sonno dei morti (Das Leichenhaus der lebenden Toten) - überzeugt als unsicheres, jungfräuliches Mädchen, das sich alsbald in einer äußerst unangenehmen Lage wiederfindet. In Nebenrollen sind neben der hübschen Tere Velázquez noch Eduardo Fajardo (Incubo sulla città contaminata) als das Spiel schnell durchschauender Polizist sowie Femi Benussi (Nude per l'assassino) als blonder Bimbo zu sehen.

Cozzi beweist ein erstaunliches Gespür für Suspense, dehnt gewisse Szenen genüßlich in die Länge, um den Zuschauer wie einen Fisch an der Angel zappeln zu lassen. Außerdem beeindruckt er mit ein, zwei geschickt geschnittenen Parallelmontagen, welche den jeweiligen Sequenzen eine intensive, verstörende Wucht verleihen. Die zahlreichen Close-Up-Einstellungen von böse guckenden bzw. angstverzerrten Gesichtern kommen ebenfalls sehr gut. Auch wenn wenig Blut vergossen wird (es gibt im Grunde nur eine Splatterszene; die ist dann jedoch extrem effektiv geraten)... der ursprünglich Il Ragno (= Die Spinne) betitelte Thriller strahlt eine ungemütliche Atmosphäre aus, die ob ihrer kalten Grausamkeit frösteln läßt. Toll auch, daß Cozzi bzw. seine Co-Drehbuchautoren Daniele Del Giudice und Adriano Bolzoni die Geschichte dann auch noch zu einem befriedigenden Abschluß führen.

Mit The Killer Must Kill Again ist Luigi Cozzi ein unter die Haut gehender Thriller gelungen, der trotz der bisweilen arg konstruierten Story und ein klein wenig Leerlauf packend und spannend unterhält, ohne auch nur ansatzweise in trashige Untiefen abzugleiten. Starcrash- und Contamination-kundige dürfen sich hier auf eine ganz dicke, positive Überraschung gefaßt machen.

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