Review

Orange tut's auch


Luigi Cozzi - ein Mann fürs Grobzeug, für Sternentrash und Alienkopien. Aber halt! Dieses Frühwerk beweist, was er eigentlich drauf hatte, wenn er denn will, kann und darf. Denn „The Killer Must Kill Again“ aka „The Dark Is Death's Friend“ aka „Il Ragno/Die Spinne“ ist ein famoser... ja, was denn nun? Am ehesten noch hitchcockian Thriller mit Anleihen an Kurosawas „High and Low“, denn ganz als Giallo würde ich ihn kaum bezeichnen, egal wie gelb die Wände, der Style und das 70s-Dekor hier teilweise erscheinen... Erzählt wird von einem Playboy und Schlawiner, der nach dem Streit mit seiner Frau zufälligerweise einen Killer beim Entsorgen einer Leiche beobachtet - und diesem dann dreist und unüberlegt (?) den erpresserischen Auftrag gibt, seine Gattin als Nächstes zu beseitigen. Doch da fangen die Probleme für alle Beteiligten (und einige zufällig in das Netz laufende „Opfer“) gerade erst an...

Egal wie lang, vielseitig und umständlich der Titel sein mag, die Story ist ungewöhnlich straight und simpel, verläuft geradeaus und ohne echte Verwirrspiele - nur eben mit einer Menge Spannung und Überraschungen. Keine Fragezeichen, wer der Killer ist, sondern eher wütende Fragezeichen über dessen Kopf, auf Grund von ein paar unglücklichen Umständen und zufälligen Schicksalsschlägen. Apropos: zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort zu sein und/oder die falsche Entscheidung zu treffen, ist ein ganz großes Thema bei diesem mörderischen Wettlauf gen Schicksal, Verderben, Pech, Tod. Antoine Saint-John ist eine echte Erscheinung und ein famoser Killer, creepy, faszinierend, determiniert. Zudem ist der Stil durchgehend exzellent, der eingehende Score von Nando de Luca ebenso und die Inszenierung, der Spannungsverlauf, die interessanten Schwebezustände sind weit über dem Niveau, das man von Cozzi erwarten könnte. Das kann ich schon nicht mehr überraschen nennen, das ist definitiv schon mehr! Schade, dass der Mann da scheinbar nie mehr ganz anschließen konnte. 

Fazit: Cozzis feinste Stunde und einer der besten, verkapptesten, unterschätztesten Pseudo-Giallos seiner Zeit. Voller Stil, Spannung, Schönheit, Serpentinen. Eine Wohltat für Seele und Puls jedes Italo-Film-Fans! 

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