Review

Quatsch mit Meertang


Ein wenig Katastrophenfilm a la „Poseidon Inferno“, ein wenig Bolognese-„Mad Max“ und Endzeit-Miami, ein wenig abgespacetes Kuddelmuddel, ein paar hübsche Babes, dudelnde Synthies auf Repeat, inszeniert von keinem Geringeren als Ruggero „Cannibal Holocaust“ Deodato, ein messergeiles Poster. Das liest sich auf dem Papier alles andere als mies. Der geneigte Bahnhofskinobuddy erwartet da von „Atlantis Inferno“ vielleicht keinen Klassiker, aber mindestens ballernd-bierselige Unterhaltung. Bekommen habe ich aber nichtmal eine abgespeckte Version dieser feuchtfröhlichen Jungenfantasie…

„I Predatori Di Atlantide“ ist leider keine Sternstunde der italienische Sandkasten-, Dschungel- und Hinterhofschlachten. Ganz im Gegenteil. Deodato hin oder her, Kultfilm da oder hier. Spielt kaum eine Rolle. Das Ding mieft wie ein alter Fisch in der prallen Sonne. Obendrauf habe ich leider noch die leicht geschnittene und englisch synchronisierte Fassung gesehen, jedoch alles Versäumte mittlerweile nachgeholt. Richtig blutig wird’s eh nie. Die deutsche Asi-Synchro kann etwas mehr als die der Amis. Aber am Kern der Sache ändert das kaum etwas. Positiv kann ich nur die immerhin wunderhübsche Giola Scola nennen. Den Miami Vice-artigen Score vielleicht noch (in billig und redundant). Den ein oder anderen launigen Spruch („Who is Ursula?“). Der Rest stinkt weiterhin und vom Kopf abwärts. Gegen Vorbilder wie „Escape From New York“ oder „The Road Warrior“. Gegen andere Italo-Bahnhofskino-Endzeitler a la „The Riffs“. Gegen alle Erwartungen die man haben kann. Vertane Liebesmühe und Lebenszeit. Die Stunts und Shootouts und Belagerungen und Action allgemein wiederholt sich ätzend und lame. Das Finale ist lächerlich, eher eine Frechheit. Sinn macht das alles freilich null, was aber eh nur Beisalat ist. Der Look bietet nahezu nix für's Auge. Es wird Stock Footage aus Miami und Umland im Dutzend herangekarrt. Es ist ein Staubsaugercocktail der Reste, der Unlust und der ungenießbarsten Sorte. Nicht total übel aufstoßend oder verblendet in seiner Art oder Aussage (die es nicht gibt). Daher nicht noch schlechter bewertet. Aber es wäre unendlich viel mehr drin gewesen… 

Fazit: das so ziemliche Gegenteil von all dem, was er sich als Vorbild nimmt. „Atlantis Inferno“ ist nicht 10% so cool wie sein Poster oder Stoff von Carpenter oder Miller - und ziemlicher Italomurks. Die wahllosen Grundideen klingen positiv bescheuert zusammengewürfelt. Die Umsetzung samt Funfaktor jedoch grottig. Da war Deodato nur drei Jahre später schon richtig weit weg von seinem Zenit entfernt!  

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