Nach einer wahren Begebenheit: Susan Sarandon spielt die Ärztin Dr. Jerri Nielsen, die vor ihrem alltäglichen Leben flüchten will und deshalb eine Stelle auf einer Polarstation übernimmt. Mit den Forschern und Technikern freundet sie sich dort schnell an, erkrankt dann aber an Brustkrebs und muss sich selbst behandeln, da erst im Frühling ein Abtransport möglich ist.
Die Geschichte der Dr. Jerri Nielsen, die sich über Monate selbst behandelte und den Krebs tatsächlich besiegte, worüber sie später ein Buch schrieb, ist durchaus interessant und als Vorlage für einen Film geeignet. Wer würde sich dabei wohl besser für die Rolle der tapferen Ärztin, die ihr Schicksal ohne zu klagen hinnimmt und sich mit einem sehr beschränkten medizinischen Equipment selbst einer Chemotherapie unterzog, besser eignen als Susan Sarandon, die schon so oft als taffe und starke Power-Frau mit emotionalen Leistungen brillierte, wie beispielsweise in "Dead Man Walking" und "Thelma & Louise". Und auch diesmal gelingt ihr eine ergreifende Darstellung, mit der sie sowohl die Bewunderung, als auch das Mitleid des Zuschauers auf sich zieht. Damit zeigt sie einmal mehr, dass sie zu den besten Darstellerinnen gehört, die Hollywood momentan hat. Die restlichen Darsteller gehen bei Sarandons hoher Leinwandpräsenz eher unter, spielen aber durchaus gut. Besonders Aidan Devine kann sich hier als bester Freund der Ärztin weiterempfehlen und überzeugt mit einer sympathischen, ebenfalls sehr emotionalen Vorstellung.
Die Charakterkonstruktion ist ordentlich und teilweise vielschichtig, allerdings sind die einzelnen Charaktere dann doch zu stark idealisiert worden und werden zu sympathisch dargestellt. Die Faszination der Hauptfigur am Südpol und die Flucht aus ihrem alten Leben werden dabei besonders herausgehoben, allerdings ist sie in meinen Augen etwas zu taff und zeigt kaum menschlichte Schwächen. Die Nebenfiguren sind ebenfalls teilweise idealisiert, so wirkt das Drama aber sehr liebenswert und funktioniert als Feel-Good-Movie über weite Strecken. Die Handlung an sich ist interessant, da sie ja nach wahren Begebenheiten gestrickt ist, so ist es durchaus sehenswert, mit welchen Methoden man die Ärztin behandelt hat und mit welchen Manövern man sie von Amerika aus schließlich gerettet hat. Trotz einiger Idealisierungen ist die Story also gelungen.
Mit Roger Spottiswoode war ein ziemlich erfahrener und vielseitiger Regisseur am Werk, der zuvor unter Anderem "The 6th Day", "Scott und Huutsch", "Der Morgen stirbt nie" und "Air America" inszenierte und auch hier leistet er grundsolide Arbeit. Die weiten Eiswüsten des Südpols, die ewige Kälte, in der Nielsen schließlich ihre Freiheit findet, fängt Spottiswoode hervorragend ein und vermittelt damit durchaus eine gewisse Faszination am Südpol. Die Filmmusik ist meist getragen und melancholisch und so kreiert Spottiswoode eine emotionale Atmosphäre, mit der der Film über seine volle Laufzeit fesselt, verliert sich aber stellenweise in überproportionierten Gefühlen und Kitsch, wobei die starken Darsteller Schlimmeres verhindern können. Die vielschichtigen Ansätze, die der Film durchaus hat, die Freiheit, die Nielsen schließlich im ewigen Eis findet und der Zusammenhalt, der sich zwischen den Menschen, die Monate zusammen verbringen müssen, schließlich entwickelt, gehen in diesem Feel-Good-Movie dabei leider teilweise unter, da es sich doch eher um ein Unterhaltungs-Drama handelt. Dazu passt auch das schnelle Erzähltempo, das Spottiswoode hier vorlegt. Dennoch ist "Gefangen im ewigen Eis" ein rundum gelungener Film, den ich wärmstens weiterempfehlen kann.
Fazit:
Die Story nach wahrer Begebenheit ist durchaus interessant, die Inszenierung ist grundsolide und mit der überragenden, bewegenden Darstellung der perfekt besetzten Susan Sarandon ist "Gefangen im ewigen Eis" so ein gelungenes Drama, das stellenweise vielleicht etwas zu stark idealisiert wurde und sich zum Ende hin teilweise in Gefühlskitsch verliert.
71%