Review

Jaques Deray ist mit „Der Außenseiter“ für einen der düstersten und kompromisslosesten Filme Belmondos zuständig. Belmondo ist der Cop Phillippe Jordan, der den Drogendealer Meccacci (Henry Silva) unerbittlich jagt und dem die Vorschriften wirklich egal sind. So weit, so unoriginell. Natürlich werden ihm dabei flapsige Sprüche in den Mund gelegt, doch seine Vorgehensweisen sind für einen Belmondofilm sehr radikal. Insofern ist „Der Außenseiter“ ein Produkt seiner Zeit und von amerikanischen Streifen wie „Dirty Harry“ gar nicht weit entfernt. Die düstere Atmosphäre und teils menschenverachtende Vorgehensweisen einen diese Filme. Dass „Der Außenseiter“ auch ein rechtes Menschenbild propagiert (alle Schwarzen im Film sind Verbrecher, die Homosexuellen im Film gleichen lächerlichen Leder-Abziehbildern) passt da ins Bild.

Diese Tendenzen sind überaus bedenklich und sollen an dieser Stelle durchaus auch kritisch hinterfragt werden, doch der Film macht durchaus Laune. Die Inszenierung ist sehr spannend und actionreich. Bis Belmondo seinen Erzfeind im Alleingang stellt, ist viel Polizeiarbeit nötig. Und es geht auch viel zu Bruch. Nach diesem Strickmuster gab es im deutschen Fernsehen zu dieser Zeit „Schimanski“-Krimis, doch keiner von ihnen konnte mit so viel direkter Radikalität und solch einem zynischen Ton überzeugen. Dies liegt neben der düsteren Story auch an den erstklassigen Darstellern. Belmondo ist Belmondo und zelebriert in diesem Film sein rauhbeiniges Image. Das Wort „Belmondo-Show“ macht in vielen meiner Reviews zu seinen Filmen die Runde, trifft aber auch immer zu. Insofern ist ihm diese Rolle auf den Leib geschrieben, vor allem da er auch in den Actionszenen sehr oft selbst seinen Mann gestanden hat. In „Der Außenseiter“ geht er sogar noch weiter, indem er die oben schon erwähnte unerbittliche Härte zelebriert: Der französische Actionstar kennt keine Skrupel, um sein Ziel zu erreichen. Die sogenannte „political correctness“, die in heutigen Filmen dieser Art immer die Oberhand behält, bleibt dabei Außen vor. *SPOILER ANFANG* Dazu paßt auch, dass Jordan den Drogenboß Meccacci tatsächlich hinrichtet. *SPOILER ENDE* Auch dieser wird von Henry Silva herrlich diabolisch gespielt. Seine Darstellung erinnert an die Großgangster, die in amerikanischen Produktionen wie „Dirty Harry“ von Belmondos US-Kollegen gejagt werden. Insofern ist seine Nemesis standesgemäß, vor allem da die Jagd nach ihm zu einer Art Manie von Komissar Jordan wird. Hervorzuheben ist zudem ein junger Tchéky Karyo, der einen kleinen Gauner spielt, der halb auf Jordans Seite steht. Es ist erstaunlich, wie wenig sich dieser markante Schauspieler im Verlaufe seiner Karriere verändert hat. Obwohl er so jung ist, kann er den Film durch seine kurze Nebenrolle adeln.

Alles in allem kann man „Der Außenseiter“ jedem Action- und Krimifan durchaus empfehlen. Dabei soll an dieser Stelle nochmals auf die oben erwähnten unerfreulichen rassistischen Tendenzen des Filmes hingewiesen werden. Abseits davon gelang dem Team Belmondo / Deray jedoch ein harter, zynischer und stimmungsvoller Reißer, der auf seine kompromisslose Art zu unterhalten weiss. Dabei erreicht nicht ganz die Güte von Belmondos Werken „Der Profi“ und „Angst über der Stadt“, ist aber gerade für Freunde dieser beiden Filme mehr als einen Blick wert.

Fazit:

8 / 10

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