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Wäre das Schicksal nicht wie üblich vollkommen ungerecht würde Belmondo heute seinen 92. Geburtstag feiern und uns alle mit seinem Charme und seinem Aussehen in Grund und Boden strahlen, junge wie alte Fans, Stars aller Generationen inklusive. Dass die Welt eine ungerechte ist ist keine Neuigkeit, viele von Bébels besten Filmen basieren auf Schandtaten und Schweineigeleien verschiedener Härtegrade. Einer der besten jener Schlechte Welt - Filme späterer Tage ist "Der Außenseiter": Belmondo ließ sich unter der Regie von Jaques Deray nach seinem vorherigem Agentenabenteuer "Der Profi" auf einen Posten als Großstadtbulle versetzen, statt edler Luxuswohnungen und - hotels im vergleichsweise keimfreien Paris gehts in ein Marseille, dass Kamera, Schnitt, Regie und Musik mit vereinten Kräften zu einem eiternder Pickel auf dem Gesicht der edlen Grand Nation zurechtschminken. Ohne je in Frankreich gewesen zu sein funktioniert der Trick für mich als Zuschauer sehr gut. So gut, dass es nicht nötig gewesen wäre, den Film mit einem leicht irreführenden Trailer zu bewerben, der wie beim Profi den Eindruck einer Copcomedy erweckt.

Der namensgebende Außenseiter ist der altgediente Komissar und Macho Phillipe Jordan, ein Typ, der selbst zum Pinkel von Eiswürfeln zu cool ist und auf Klo gleich hochzieht und gelangweilt ausspuckt. Der wird wegen seiner ewigen Alleingänge von Paris nach Marseille zwangsversetzt, wo er in einem heruntergekommenen Stadtrevier Strauchdiebe und Nutten abfertigen darf und - subordinant wie eh und je - in seinen wenigen freien Minuten seiner alten Nemesis, dem Drogenbaron Mecacci, im Nacken hängt.

Auf der Suche nach dem grandios von Herny Silva verkörpertem Ekel legt Belmondo moralische Flexibilität und die Arbeitswut eines Mannes an den Tag, der einen Tigerpanzer zum Rasenmähen benutzt und gibt dem begriff "Schneise der Gewalt" eine neue Bedeutung. Für die halbgaren Marseiller Kollegen zumindest: für den Zuschauer ist das gesunder Actionstandart. Besagte Schneise zieht ihren Weg dabei nicht gerade nur durch die feinsten Gegenden der Stadt, sondern wird durch die Eingangstüren illegler Bordelle und die Hinterzimmer versteckter Drogenküchen, gelegentlich auch durch Kneipen, Frittenbuden, Spielhallen und Gefängniszellen gezogen, immer mit einem flotten Spruch auf den Lippen und der Waffe in der Hand. Schlagkräftige Antworten auf dumme Einwände der Paragraphenficker vom Revier sind dabei im Preis mit inbegriffen.

Jaja, die Wahl der Drehorte und der Allianzen Jordans ist so eine Sache: der Mann ist stellenweise etwas opportunistisch, wenn er seinem schwulen Informanten Fred, dem Chemiker Honig ums ergraute Maul schmiert und dessen Lover in der selben Szene mackerhaft von der Seite anwichst. Zudem erschließt sich mir als Zuschauer die angebliche Zwielichtigkeit von Schwulenbars nicht wirklich und auch die Darstellung von MigrantInnen wahlweise als Dealer in Diplomatentarnung oder als Nutten ist nach heutigen Maßstäben eher irritierte Blicke wert.

Davon ab hat Herr Deray hier einen angemessen dreckigen Spielplatz aufgebaut, auf dem Belmondo sich nach Kräften austobt. Einige Figuren wie Jordans einziger verbündeter in den Marseiller Copreihen und sein Love interest, eine Prostituierte, erfüllen ihren Handlungszweck für meinen Geschmack etwas zu kurz, aber der Titel "Le Marginal" gibt halt keine tiefgehenden Beziehungen her, Buddymomente im Stile anderer Polizeifilme übrigens noch weniger. Und dennoch: "Der Außenseiter" rotierte mittlerweile sogar öfter in meinem heimischen Player als der noch um einige Nummern bessere Profi! Der Film guckt sich einfach locker flockig weg , nur statt man statt eines tiefgreifendes Geheimdienstdramas halt herrlich dreckige Copaganda bekommt: inhaltlich fragwürdig, aber trotzdem unterhaltsam.

Maurizio Merli wäre stolz auf Belmondo gewesen! Zum Glück hat sich letzterer nie allzu sehr mit seinen Hardlinercharakteren identifiziert und der braune Nachgeschmack von rechtem Ranz bleibt uns weitgehend erspart. Wo der römische Schutzpatron des Schnauzbartes im Wesentlichen als Gerechtigkeitsmaschine fungiert bleibt Belmondo dann doch zu sehr Mensch. Und wenn die eigene Amokfahrt im Namen der holden Justizia noch von Ennio Morricone vertont und von Rainer Brandt süffisant ins Deutsche übertragen wird verzeiht man Kollateralschäden doch gerne oder drückt zumindest ein halbes Auge zu. Im Idealfall das Linke.






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