Ich sag mal gleich, daß diese Punktewertung mit einer Spur Vorsicht genossen werden sollte.
Troma-Filme bedürfen generell einer anderen Form der Qualitätseinteilung (eine sechsdimensionale oder asoziale, je nach Geschmack) und das dürfte auch der Grund sein, warum ich getrost darauf verzichten kann, sie überhaupt zu sehen.
Schlechter Geschmack und Exzess sind die Hauptgründe für die Produktion dieser Partyfilme für ein spezielles Publikum und Alkohol (in rauhen Mengen) sollte gleich mitgeliefert werden, damit sich der "Spaß" bei der Sache überhaupt erschließt (oder eben gerade nicht erschließt, man kann sie auch nur so erfahren).
Das Problem ist, daß hier kein Tabu gebrochen wird, um irgendwelche Moralkrusten aufzubrechen, hier ist eine muntere Industrie am Werk, die aus jedem Produkt eine Party machen will, insofern kann man sich nur fragen: ist das individuell erträglich oder hatten die Betreffenden einen guten Tag.
"Toxic Avenger IV" ist so ein typischer Fanfilm, eine weitere langerwartete Fortsetzung, um einen mutierten Kulthelden aus dem Hause "Tasteless", der sich als "einzig wahre Fortsetzung zu zwei miesen Sequels" ausgibt, ohne Selbstironie arbeitet offenbar auch Lloyd Kaufman nicht.
Toxie ist also wieder mal zurück, der matschköpfige Putzmann räumt wieder in Tromaville auf und diesmal gibts das in einer Paralleldimension liegende Amortville mit einem bösen Toxie (aka Noxie), die die Rollen bzw. die Realitäten tauschen gleich noch oben drauf. Das genügt dann aber schon für eine schier unendliche Anzahl von Splat'n Gore, abstrus-abstoßenden Ideen, sinnloser Gewalt, Monstrositäten, Freakshowcharakteren, bizarren Ideen und jeder Menge Titten und Ärsche, die vorzugsweise noch ordentlich tätowiert, gepierct oder sonstwie grotesk gezeichnet sind. Es wird gevögelt, abgemurkst, gefurzt, bekotzt und mit roter Soße rumgesabbert, daß es eine wahre Freude ist und wenn man die schiere Menge an ekelerrenden Details als Qualitätsmerkmal anerkennt, geht hier ordentlich die Luzie ab.
Wenn ich Pluspunkte sammeln soll, so muß ich betonen, daß das Rumspielen mit einigen Klassikern der Filmgeschichte, wie der Plotstruktur von "The Wizard of Oz" und einer "Citizen Kane"-Montage in s/w, durchaus bisweilen seinen Reiz hat und tatsächlich so einige brauchbare Gags und schräge Situationen generiert und die Fülle von Ideen manchmal einfach bezaubernd ist: so viel abartigen Scheiß hat selten jemand angehäuft und dabei so viele partygeile Typen auf einmal versammelt, die sich vor laufender Kamera bewußt und gewollt zum Volldeppen machen.
Dazu ist dankbarerweise nichts heilig, kleine Seitenhiebe auf Politik und Religion hagelt es auch noch und ein paar Mädels sind tatsächlich interessant anzuschauen. Und Pornostar Ron Jeremy ist im Vergleich zum typischen Tromadarsteller geradezu oscarverdächtig in seinem Spiel (im Gegensatz zu dem sinnfrei ins Publikum gestellten Lemmy).
An Minuspunkten muß man wohl die Filmlänge ins Spiel bringen, denn gut 100 Minuten stellen sich als ziemlich lang heraus, wenn man ununterbrochen geschmacklos sein will, wenn Stripperinnen mit Monsterzähnen überfette Physiker befummeln, Toxie seine blinde Freundin vögelt, gute und böse Embryos im Mutterleib sich kloppen oder endlos irgendwelche Statisten zerrupft werden, ganz zu schweigen von den übertrieben dargestellten Behinderten, für die hier den ganzen Film gekämpft wird. Aber da eh nichts heilig ist, kann man auch nicht wirklich etwas kaputt machen - ein wenig schneller Vorlauf kann aber nicht schaden, daß man auch noch reichlich Spielanteile des Troma-Co-Helden Sergeant Kabukiman, NYPD, unterbringen wollte und mußte.
Mein persönlicher Favorit sind dann auch die drei Minuten, in denen Corey Feldman in einer Cameorolle eine Groucho-Marx-Imitation runterreißt.
Genossen werden sollte das wilde Treiben übrigens im Original, die deutsche Synchro ist zwar angepaßt aus der qualitativen Pornoschiene, das Original wirkt aber authentischer und flotter.
Wer's also überhaupt erträgt, der hat viel zu entdecken und die Logistik dieser ausgeflippt-bizarren Menschenmassen ist das Bemerkenswerteste neben den kruden Effekten, da hat Troma sichtlich die Partyhosen an. Insofern definitiv einer der gelungensten Filme der letzten Jahre, von Kaufman natürlich nur (zwinker!). (4/10)