Ein weiterer Serienkiller schreitet zur Tat und wird einfallsreicherweise Mr. Hell genannt, weil sich das aus seinem ebenso einfallsreichen bürgerlichen Namen Harry Eugene Loveless ergibt. Weniger ansprechend ist, wie der Killer eine Gruppe von Terroristen und Sicherheitsleuten durch eine verlassene Chemiefabrik treibt. Ach, was heißt treibt, die nehmen sich ja alle Zeit der Welt, ist halt ein eher besinnlicher Slasher.
Den Einstieg muss man aber noch nicht vorspulen, denn da kommt es nach einem Einstiegsmord in der Kanalisation zu einer Schilderung von vor 14 Jahren, als die damals zehnjährige Tyler beim Spielen in der Fabrik von Mr. Hell durch die Schächte gehetzt wird und anschließend, wohl mit einen hochgradig wirksamen Bio-Kampfstoff, den Killer damit übergießt, der daraufhin schmilzt und in den Boden sickert.
In der Jetztzeit ist Tyler Sicherheitsbeamtin im selben Gebäude, das mittlerweile fast vollständig geräumt wurde. Doch Terroristen haben es auf eine versteckte Geheimwaffe abgesehen und ahnen noch nicht, dass Mr. Hell durch einen Unfall wieder von den Toten auferstanden ist, um sein mörderisches Werk zu vollenden.
Leider konnte man sich bei der Umsetzung der käsigen Story nicht auf die Humorschiene begeben, sonst hätte daraus gewiss ein Pendant zu „Jack Frost“ werden können.
Dieser Killer, der wie ein Dorf-Hulk im dauerhaft alkoholisierten Zustand durch die kargen Gänge grölt, verbreitet zumindest keinen Schrecken. Zum Schmunzeln lädt er aber auch nicht ein.
Was ihn lediglich ausmacht, ist das Sammeln der Augäpfel seiner Opfer, von wegen Seelen sammeln, aber, Mund wieder schließen, liebe Gorefreunde, es gibt lediglich Opfer mit schwarzen Augenhöhlen zu erspähen, nichts Außergewöhnliches.
Die Figuren sind einem unterdes völlig egal, Heldin Tyler faselt zwar ständig von ihrem toten Vater, dem letzten Opfer von Mr. Hell vorm ersten Abgang, doch eine Persönlichkeit stellt die genauso wenig dar, wie die anderen Abziehbilder.
Auf Seiten der Security gibt es noch einen schikanierenden Dicken und einen Lulli, der seine Kopfhörer nicht abnehmen will, bei den Gangstern die selbstsichere Anführerin und die üblich bunte Ethno-Mischung, die ihrer Chefin praktisch die Stiefel sauber lüllert.
Die ersten Opfer finden sich auf dem Außengelände, folglich die, welche noch weniger Einführung erfuhren, als die im Gebäude.
So ist der Pinkler wieder einer der ersten, die es ereilt, zwei finden während der Außenüberwachung tatsächlich Zeit zum Wutscheln, kurz darauf wird ihr körperlicher Einsatz im Kampf gegen Mr. Hell gefordert, einer wird ein wenig gefoltert, weil man die geheime Sektion nicht kennt und bei alledem wird die Truppe erwartungsgemäß reihum dezimiert, was kaum spektakuläre Mordpraktiken aufzeigt. Meistens landet nur irgendwo ein Messer, man sieht zwar die Leichen, aber beispielsweise nicht, wie der Stab durch den Mund gebohrt wurde. Sogar eine Kettensäge kommt zum Einsatz (und schnibbelt im Off), wobei man sich da allerdings fragen muss, was die in einem Chemielabor zu suchen hat.
Mal abgesehen von weiteren Logiklücken, kann das Geschehen nur leidlich unterhalten.
Das Pacing ist teilweise miserabel und lässt viele Hänger entstehen, Atmosphäre will bei den eindimensional ausgestatteten Sets einfach nicht aufkommen und direkte Konfrontationen sind absolute Mangelware, selbst beim Showdown, der einen minimalen Plot Twist mit sich bringt.
Die Darsteller agieren durch die Bank stocksteif, die Dialoge klingen oft unterirdisch und der völlig unterentwickelte Score klingt phasenweise gar disharmonisch.
„Mr. Hell“ kann seinem Titel also gewiss keine Ehre machen, vor allem nicht mit einem Typen, der teilweise minutenlang von der Bildfläche verschwindet, damit die übrigen Survivor in aller Ruhe zum Geheimraum vordringen können. Und wenn er dann wieder auftaucht, lediglich ein Fuddel-Messer auspackt und doofe Grimassen schneidet.
Zumindest geht der Bodycount in Ordnung und zwei Schmelzeffekte sind auch okay, den Rest verbuchen wir jedoch unter „Einfallsloser Slasher, dem in sämtlichen Belangen der Drive fehlt“.
3,5 von 10