Nach Jahren des Dienstes in dritter oder in zweiter Reihe und der schlagkräftigen Unterstützung der vermeintlichen Stars hat sich (der früh verstorbene) Steve James um 1990 herum endlich und gerechtfertigterweise auch in Hauptrollen bewährt und gemeistert; neben dem vorliegenden Riverbend, der trotz oder vielleicht auch wegen Kamerad Sam Firstenberg hinter der Kamera eine starke Blickrichtung gen 'Blaxploitation' aufweist, ist noch der Kopfgeldjäger Logan Blade aus dem Hause 21st Century Film Corporation und damit unter Aufsicht von Produzent und ebenso Kamerad Menahem Golan zu erwähnen. Der in den Maiwochen 1988 in Ellis County im Bundesstaat Texas gedrehte Riverbend ist dabei auch derjenige der Arbeiten, welcher am ehesten eine politische Dimension aufweist, und sich zusätzlich dazu in einer Reihe von lokal und teils auch zeitlich ähnlich angesiedelten Filmen wie Mississippi Burning, Tollwütig, Grüne Tomaten, Miss Daisy und ihr Chauffeur, Der lange Weg, Magnolien aus Stahl und von allem ein bisschen befindet, natürlich auf der Videotheken- und Actionschiene anreiht:
Riverbend, 1966. Im kleinen Städtchen wütet der alteingesessene Sheriff Jake [ Tony Frank ] samt seinem Deputy vor sich hin, wobei er es speziell auf die schwarze Bevölkerung abgesehen hat und dabei auch vor Mord, u.a. an dem Mann von Bell Coleman [ Margaret Avery ] und der Vergewaltigung von Pauline [ Vennessa Tate ] nicht zurückschreckt. Als die drei Militärflüchtlinge Maj. Samuel Quentin [ Steve James ], Sgt. Tony Marx [ Julius Tennon ] und Lt. Butch Turner [ Alex Morris ] bei ihr auftauchen und für den Moment Schutz suchen, bittet sie die Außenstehenden, aber im Kampf erfahrenen um Hilfe.
"Boy" und "Nigger" gleich in den ersten Minuten auf der Tonspur, dazu ein feiger Mord hinterhältig in den Rücken eines Unbewaffneten, der sich weder wehren wollte noch gar angegriffen, sondern einfach ein Gespräch mit dem Gesetz gesucht hat; vor aller Augen auch noch, wobei keiner der Anwesenden eingreifend und die Untat verhindernd oder sonst wie dagegen agiert. Ein Gesetz gibt es hier nicht, zumindest keines, was der Moral und dem Anstand gehorcht und auch keines, was irgendwo in der Verfassung und den Büchern festgeschrieben steht, vielmehr ein Recht von Macht und Gewohnheit, in der der weiße Mann sich über den Dingen stehend fühlt und den andersfarbigen als minderwertig sieht und drangsaliert. Firstenberg eröffnet visuell zwar wie ein Fernsehfilm, aber materiell stärker als üblich und mit den geeigneten empathischen Mitteln, das Unrecht ist von weitem schon kommend, ein erster Abschied ist hier tatsächlich und wirkt auch so wie ein letztes Lebewohl und das Mißverhältnis innerhalb der Gesellschaft hier setzt den emotionalen und dramaturgischen Haken hier so einfach wie konsequent. Schnell gibt es einen zweiten Toten, und einen Dritten, an gleicher Ort und Stelle, wird ein Haus unter Beschuss genommen und erneut ein Exempel der Diktatur im Kleinen hier statuiert; eine Übermacht der Gewalt und Ungerechtigkeit, die dann eine Antwort von außerhalb bekommt und von drei Experten auf dem Gebiet, die eben nicht hier hergehören und eine Ausbildung von 'Vater Staat' spendiert bekommen haben, die sie auf das Töten spezialisiert.
Anders als Logan Blade, der eher als teils absurder Actionkrimi im Billogewand und als Konfrontation zwischen dem ebenso mystisch überhöhten James auf der Seite des Guten gegen den in der Kriegstheorie belesenen und mit Größenwahn umnebelten Reb Brown in den Nebenstraßen New Yorks funktionierte (oder auch nicht), wird hier auf direktere Weise die Aussagen gesucht und eingangs gefunden, ist teils das Schauspiel auch besser, wenn man von der Knallcharge von Sheriff einmal absieht, der ziemlich überzogen wird. Die schwüle, gleichzeitig staubig und feuchte wirkende Atmosphäre und das vorherrschende Grün sowohl im Wald, im Dickicht, in den Uniformen und die wenige sonstige Farbgebung oder anderweitig bildsprachliche Mätzchen und die Zeitlosigkeit des Geschehens – gerade auch und immer wieder aktuell – trotz der konkreten Zuordnung in die Mitte der Sechziger macht das durchaus bekannte Schema eingangs zumindest energischer und involvierender.
Der Film hat dabei zwei Anklagen vorzubringen, einmal den grassierenden Rassismus, verbunden mit Diskriminierung und Polizeigewalt, zum anderen das Verbrechen des Krieges, hier mit einer verbal kund getanen Anekdote, die an das Massaker von Mỹ Lai erinnert; eine Art 'Grauzone' wird bei den drei geflohenen Soldaten auch durch eben die Flucht, das erste Eindringen in das Haus der Witwe deutlich gegen ihren Willen und auch deutlich mit Angst verbunden und dort auch die Abnahme ihres Gewehres erreicht, wobei spätere Szenen teils zu einfach gehalten oder insgesamt unmotiviert erscheinen (das Heranschmeißen von James an die frische Witwe z.b.). Dass das Trio grundsätzlich unterschiedlich ist, dem Einen ist die Hautfarbe gänzlich egal und er folgt auch nicht blindlings einem 'Bruder' und er braucht auch keinen "Civil Right Bullshit" – eingangs zumindest, später ist er der Erste, der blutdürstig wird und über die Stränge schlägt –, während der Andere fast wie ein Schäfchen seinem Schäfer folgt und keine eigene Meinung hat, macht diese Schwächen wieder wett, während das Trainings- und Ferienlager in den Büschen dann eher albern gehalten und mit viel Dauerlauf und dem Hampelmann zur körperlichen Ertüchtigung, dem guten alten Tritt in die Klöten für den Nahkampf und dem Chow als Stärkung zur Mittagspause gehalten ist; James bekommt beim selbst gekochten Labsch & Babsch natürlich zwei Kellen und damit doppelte Portion, damit er extra groß und stark wird und weil er der neue Mann an der Seite seiner Mamsel ist.
So ab der Hälfte des Filmes wird dann Ernst mit der Geschichte, bzw. wird ab da zu den Waffen gegriffen und die Stadt eingenommen und zur Festung inkl. der Geiselnahme aller 'Bleichgesichter' erklärt; ungefähr ab dem Zeitpunkt funktioniert der Film auch anders, nicht mehr wirklich als Drama, und auch nicht mehr so richtig. Blockaden werden errichtet und versucht zu überwinden, hinzu kommt eine Art Guerillakampf mit Spähtaktik und dem Entsenden von Vorhut und Kundschaftern, die die Lage peilen sollen und auf ebensolche Horchposten treffen. Es gibt ein Mano-a-Mano im Stadtpavillon, in dem James das erste Mal seine Kampffähigkeiten zeigen darf, das Ganze aber teils auch im Upspeed zu erfolgen scheint und wie rein für die Klientel integriert und inszeniert worden ist. Und dann muss auch noch der dicke, schwitzende Cholesterin-Sheriff kurz vorm Herzkasper in den Fight gegen den monumental durchtrainierten James; wahrscheinlich, damit man vor dem Finale noch eine zweite 'Actionszene' für die Meute da drauen unterbringt. So richtig rund ist das gesamte Prozedere auch sowieso nicht, heiligt der Zweck hier buchstäblich viele Mittel, irgendwann kommen Die knallharten Fünf in die Stadt gesprintet und der große Feuerreigen in der kleinen Kuhbläke beginnt.