It’s a Bittersweet Symphony, this Life...
Sun-woo ist Mitglied einer Yakuza-Gang. Er leitet ein nobles Restaurant und ist einer der zuverlässigsten Männer seines Bosses. Sun-woo ist ein ruhiger, verschlossener Typ, im Alleingang mit einem Rudel aufmüpfiger Gäste den Boden aufzuwischen, bereitet ihm allerdings keinerlei Schwierigkeiten.
Eines Tages wird Sun-woo vom Boss mit einem Spezialauftrag betraut: er soll die Lebensgefährtin seines Chefs beschatten, sie herum kutschieren und fein ausführen, um herauszufinden, ob die Holde einen Lover hat.
Die Holde hat einen Lover. Trotz seiner aufrechten Loyalität zu seinem Boss, behält er dieses pikante Geheimnis allerdings für sich. Der Grund: Die Freundin des Chefs ist ihm sympathisch.
Dass das bittere Herz seines Gefolgsmannes mit Liebe erfüllt ist, bleibt dem Boss aber nicht lange verborgen, weshalb er Sun-woo fast zu Tode foltern und ihn lebendig begraben lässt.
Doch Sun schafft es, dem Tod noch einmal von der Schippe zu springen und holt zum Vergeltung einfordernden Rundumschlag aus...
A BITTERSWEET LIFE beginnt als wahnsinnig edler, pikfeiner Gangsterstreifen. Viele auf Hochglanz polierte Oberflächen, viel feiner Zwirn, Sun-woo – ein aalglatter Kerl im Armani-Anzug... verflucht schick, ey! Da muss 'ne Oma ziemlich lang für stricken tun. Für das Budget, das hier verbraten wurde, hätt' man bestimmt zwei-drei Mal nett essen gehen können...
Sun-woo – der Gangster mit dem gefrorenen Herz und der aus Stein gemeißelten Visage, der zum vernichtenden Rachefeldzug ansetzt – lässt aber ferner nicht nur einmal meinen, das ihm der Name „Mr. Vengeance“ wie angegossen stehen würde.
Und in der Tat wirkt der sympathische Killer, dessen Rache so kompromisslos, rücksichtslos und selbstzerstörerisch wie noch nie ausfällt, je weiter der Film voranschreitet mehr und mehr wie ein zweiter „Oh Dae-Su“.
Mehr Parallelen zu Park Chan Wooks „altem Jungen“ sind inhaltlich zwar nicht zu verzeichnen, vom Big Budget-Stil, vom melancholischen Grundton und dem nachhaltigen Down-Feeling, das für geplagte Seelen Balsam sein dürfte, steht A BITTERSWEET LIFE dem malerischen Rache-Klassiker aber in keinster Weise nach.
A BITTERSWEET LIFE ist ein sehr sanfter Streifen, der seine Geschichte sich langsam entwickeln lässt, auf Details und Nebensächlichkeiten eingeht, Zeit zum Durchatmen gewährt und die innere Ruhe fördert, der aber immer wieder mit brachialen Gewaltexzessen den Frieden bricht und schließendlich zartbesaitete Gucker im eigenen Blut ersaufen lässt.
Kitano und Wong Kar-Wai lümmeln fett grinsend und mit erhobenem Daumen auf der Parkbank gegenüber und lassen sich vom Wind durch die Haare fahren und der Kim Ji-woon nickt ihnen beim Vorbeigehen ehrfürchtig zu und formt mit der rechten Hand das „Victory“-Zeichen.
So feinfühlig und wortkarg wie der "Freeman", so zackig den Schurken die Fresse polierend wie der "Transporter" und ein Finale das an Nihilismus und blinder Zerstörungswut fast "Scarface" alle Ehre macht.
Der Kim hat’s echt drauf, soviel ist klar...
„Ich möchte dir etwas sagen: *Peng!*“
Fazit:
Hammergeiler, endschilliger und sagenhaft cooler (oh Gott, wie alt bin ich noch mal?) Rachefeldzug, für den man zwar etwas Geduld und Köpfchen benötigt, dessen tiefsinniger, nachdenklicher, poetisch angehauchter Grundton aber einfach auf ganzer Linie bezaubert und dessen Coolness-Pegel Bettnässer wie Woo und Tarantino, die alte Schlampe, mit links in ihre Schranken verweist.
It’s a Bittersweet Symphony, this Life - ...mehr sog i ned.