"Le professionel" hat mit einem Zwiespalt zu kämpfen, den er bis zum Ende nicht zu bewältigen vermag: Er will auf der einen Seite eine ernste, tragische Handlung um den Verrat des Geheimdienstes an einem seiner besten Leute präsentieren, auf der anderen Seite muss er als Vehikel für Jean-Paul Belmondo fungieren, ihn Sprüche klopfen, Frauen anbaggern und links und rechts Faustschläge verteilen lassen.
So kommt es denn, dass der Agent Joss Beaumont in einem Straflager zwei Jahre leidet, nachdem er unter Drogen gesetzt und durch eine lange Gerichtsverhandlung geschickt wurde, und dann auf einmal in Paris auftaucht und da den gutgelaunten Witzbold gibt. Nun soll man ihm einerseits abnehmen, dass er wirklich ganz böse und ungerecht behandelt wurde und daher eine Motivation zu den sinnlosen Gewaltexzessen hat, die er teilweise verübt - aber dann macht er dazu immer noch einen flotten Spruch und entlarvt damit den ganzen ernsthaften Handlungsaufbau als reine Hilfskonstruktion, um ihn in die Situation zu bringen, aus der heraus er sein Macho- und Draufgängertum am besten entfalten kann. Er muss auf niemanden Rücksicht nehmen, braucht sich von niemandem die Schau stehlen zu lassen.
Von daher ist es nicht begründbar, diesen Film als Kritik an einem ungerechten System namens Geheimdienst zu sehen - alles dient nur dazu, Belmondo ins rechte Licht zu setzen. Die potentielle innere Teilnahme des Zuschauers an Beaumonts Schicksal verfliegt, wenn er sich ständig dem Geheimdienst scheinbar selbst ausliefert, um ihm dann doch wieder eine lange Nase zu machen. Keine Spur von der Verbitterung, ohne die sich Beaumonts Handeln doch nicht erklären lässt, ist in Belmondos Schauspiel und in den kasperhaften Prügelszenen zu finden, die als Markenzeichen "Bébels" natürlich nicht fehlen durften. Schade nur, dass sie den Film für Nicht-Anhänger des plattnasigen Franzosen mit dem öligen Teint ziemlich unsehbar machen.
Neben dem Widerspruch zwischen Ernst und Belmondo handelt sich der Film ein weiteres Manko ein, indem er allzu unechte Figuren und Situationen konstruiert, um Beaumont eine Lizenz für die Gewalt zu liefern, die Anhängergemeinde von einer Belmondo-Figur erwartet. Man lässt eine lesbische (na klar...), sadistische Polizistin Beaumonts Frau foltern, klar, dass es dem bösen Weibsstück an den Kragen geht. Auch Beaumonts Intimfeind Rosen ist ein kalter Hund und sadistischer Geständniserpresser. Anscheinend macht ihn das zu dem "hervorragenden Bullen", als der er die ganze Zeit bezeichnet wird, es bringt aber auch den Zuschauer dazu, dass man ihn möglichst schnell von Beaumont erledigt sehen will. Man sieht, alles wird ebenso billig zubereitet, wie es serviert wird.
Dass Beaumont fast während der ganzen Dauer des Films mehr oder weniger unbesiegbar scheint und die meisten seiner Feinde als blass-impotente Schemen lediglich irgendwie böse wirken, nimmt auf Dauer die Spannung aus der ganzen Chose. Erst am Schluss des Films, nachdem man als kritischerer Zuschauer schon ziemlich lange unter der penetrant Belmondo-zentrierten Darstellung gelitten hat, merkt man, dass Beaumont doch am Abgrund steht. Aber selbst da will der Film einem noch vermitteln, dass er es selbst so bestimmt hat und somit doch Sieger bleibt. Trotzdem ist es wie eine Erlösung, was am Ende passiert, ohne dass ich es hier verraten will.
Insgesamt ein flacher, auf niedere Instinkte des Zuschauers hin konstruierter Reißer. Lediglich die "Action" ist recht sehenswert, in erster Linie eine spektakuläre Verfolgungsjagd im Zentrum von Paris. Der Rest wird durch sinnentleerte Prügel-Ausfälle und alberne Sprüche zur Klamotte degradiert. "Belmondo so, wie man ihn kennt", "wie es die Fans erwarten", "wieder mal typisch" usw., so begründen viele Kritiken ihre guten Wertungen. In meinen Augen macht gerade das den Film eher schlecht als gut.