Nachdem ich den Mann jahrzehntelang ignoriert und dafür mehr als eine Ohrfeige wegen schwerer Banauserei verdient habe machte ich mich im letzten Jahr auf den Weg, Jean Paul Belmondos Filmographie zu erkunden. Neben dem herrlich bescheuerten "Ein irrer Typ" und dem schmierigen Copagandastreifen "Der Außenseiter" war es vor allem der geniale Agententhriller "Der Profi", der mich schockverliebt in den Mann und seine Schauspielkunst zurückließ und dafür sorgte, dass ich es trotz meiner Unsportlichkeit schaffte, mir vor Wut in den Arsch zu beißen. Für Belmondo selbst macht das keinen Unterschied: der Mann war lange vor mir großartig und wird es auch lange nach mir sein. Und dennoch: Hätt' ich "Der Profi" nur früher gesehen.
Gewarnt sei vor Filmgenuss die Sichtung des deutschen Trailers: die zusammengechnittenen Szenen im Zusammenhang mit der fröhlichen Melodie im Hintergrund (die NICHT Morricones berühmtes "Chi Mai" ist!) erweckt den Eindruck einer schwarzen LKomödie, die dieser Film trotz des geliebten brandschen Flapses nicht ist: "Les Professionell" ist ein knallharter Spannungsfilm zum Mitzittern und Nägelkauen vor dem heimischen Fernseher! Die Geschichte von Belmondos Agenten Joss Beaumont ist mitnichten vollkommen nüchtern, aber von Tragik getränkt. Im Auftrag der französischen Regierung sollte der einst einen afrikanischen Diktator mit starken Idi Amin - Vibes umbringen und dessen geknechtetes Volk im Interesse des Landes damit befreien. Ein politischer Kurswechsel führt jedoch zum spontanen Abbruch der Mission, Beaumonts Flucht endet im Knast und die Regierung mitsamt seiner alten Mitstreiter leugnet jegliche Beziehung zu ihrem gedungenen Mörder.
Jahre später ist Beaumont des Wartens auf seine Hinrichtung müde und strebt nach Gerechtigkeit: nach einer brutalen Flucht, bei der seine Peiniger einen unfeinen Tod erleiden kehrt Beaumont zur Freude seiner Frau und seiner Geliebten zurück nach Frankreich, wo er mit seinen alten Kollegen und Vorgesetzten abrechnen will. Neben dem Kassensturz mit seiner früheren Abteilung will der Agent seine Knastzeit unter Diktator N'Jaala ebenfalls gerächt und den Herrscher unter der Erde wissen, zum einen der Gerechtigkeit gegenüber dessen geknechteten Untertanen, zum anderen, um den Geheimdienst Frankreichs bloßzustellen. Unter der Führung der beiden sadistischen Ferge und Rosen, letzterer Anführer der verhassten "wilden Brigade" versuchen diese, Beaumont aus der Reserve zu locken, der seinen Gegnern aber bis zuletzt überlegen bleibt.
George Lautners Verfilmung eines Romanes eines gewissen Patrick Alexander ist eine einzige Schachpartie, bei der Belmondo seine Gegner an der Nase herumführt und bei jeder Gelegenheit in den Rücken fällt, wobei die Mittel der psychologischen Kriegsführung höchst ungewöhnlich wie effektiv sind. Nach dem rohen Einstieg mit einem gefolterten und im Angesicht des Todes agierenden Belmondo nimmt der Film einiges an Tempo raus, zieht im selben Atemzug aber die Daumenschrauben wesentlich enger, oftmals, um in einer unerträglich intensiven Pointe zu münden: der Mord an der feindlichen Agentin, die sich an der Misshandlung seiner Frau beteiligt ist eines der derbsten Beispiele. In anderen Szenen wiederrum agiert Beaumont vollkommen unvorhergesehen und bedient sich einer absurden Kreatitivtät, um seinen neuen Feinden zu entfliehen oder sie auf falsche Fährten zu führen.
Die finale Begegnung mit N'Jaala ist neben einer weiteren Schlüsselszene eines der Paradebeispiele für den Einfallsreichtum der Figur, die Belmondo gottverdammt überzeugend mit Leben füllt. Selbiges gilt im Übrigen auch für Robert Hossein, der hier Rosen mimt und den Darsteller von Farges, Bernard - Pierre Donnadieu. Letzterer macht keinen hehl daraus, dass er trotz ideologischer Differenzen Respekt vor seinem ebenbürtigen Gegner Beaumont hat, was ein netter Kontrast zu der Feindschaft mit Rosen ist, für den der Ex - Spion im Wesentlichen nur eine Jagdtrophäe ist, deren Abschuss er sich sichern will.
Neben der Handlung und Morricones wie üblich grandiosem Soundtrack sind mir aber auch Kamera und Schnitt positiv im Gedächtnis geblieben, die mit interessanten Ideen und Perspektiven aufwarten. Meine Lieblingsszene in technischer Hinsicht dürfte die Konfrontation zwischen Beaumont und Rosen sein, wo Western - und Spionagekino gewaltsam aufeinander treffen.
Auf der OFDB sollte denke ich keine Notwendigkeit bestehen, den Film zum Pflichtprogramm zu erklären, dennoch mache ich dies mit Nachdruck. "Der Profi" ist ein großartiges Agentendrama mit einem Hauch Patriotismuskritik und einer starken Handlung, getragen von gr0ßartigen Akteuren und in jeder Hinsicht überragend eingefangen. Und immer noch tut mir der Arsch weh von dem Biss, den ich mir selbst verabreicht habe.