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Lediglich ein gutes Jahr musste die Horrorfan – Gemeinde nach dem originellen „Hellraiser“ warten bis eine Fortsetzung in die Kinos kam. Den genauen Betrachter hat dies vielleicht verwundert, schließlich weist „Hellraiser“ eine in sich durchaus geschlossene Handlung auf, deren Schlussszene zwar Spielraum für eine fortsetzende Erzählung lies aber trotzdem einen logischen Schlusspunkt bildete. Doch nach dem Erfolg musste nach der Produzenten – Logik eine Fortsetzung her und natürlich hatte Clive Barker längst nicht mehr die volle Kontrolle über das Projekt. Er schrieb aber immerhin die Story des zweiten Teils und trug sicher maßgeblich dazu bei, dass daraus eine der gelungensten moderneren Horror – Sequels wurde.

In der ersten Hälfte gebiert sich der Film wie eine modifizierte Wiederholung des Originals. Julia (das Biest aus Teil 1) wird wiederbelebt und dürstet nach Blut was ein ihr höriger Mann in Massen beschafft (auch wenn denn hier nicht ganz so hörig ist wie Julia noch im ersten Teil und auch eigene Ziele verfolgt). Dies ist hier auch die wichtigste Neuerung, die Einführung des Mad Scientist, Dr. Channard der auch die Kirsty aus Teil 1 in seinem Sanatorium beherbergt, da die Gute von allen anderen für verrückt gehalten wird. Doch hier tauchen auch zwei weitere neue Personen auf von denen eine ausschlaggebend für die zweite Hälfte ist. Gemeint ist Tiffanny eine Autistin, die permanent Puzzles spielt und zur Öffnung der Hölle missbraucht wird. Die andere Person, der Pfleger ---, scheint zunächst der Love Interest und Freund von Kirsty zu werden, verschwindet dann aber doch recht schnell von der Bildfläche.

Somit werden etwa in der Mitte des Films erneut und ganz bewusst die Tore der Hölle geöffnet und die Cenobiten herbeigerufen, die einen sehr pompös gestalteten Erstauftritt erhalten, indem Christopher Youngs Score voll zur Geltung kommt.
Diese zweite Hälfte, die sich größtenteils in der Hölle abspielt gerät zum visuellen Overkill. Die Umgebung wurde mit enormen optischem Einfallsreichtum gestaltet und da Schmerz das Leitmotiv der Cenobiten ist scheint das Blut an jeder Ecke nur so zu fließen.

Die Zahl der blutigen Gewaltdarstellungen hat sich gegenüber dem ersten Teil durchaus erhöht (zumindest in der Unrated – Version). In der ersten Hälfte ist insb. der sich mit dem Rasiermesser munter die Haut zerschneidende Irre einer der härtesten Momente der Horror – Filmgeschichte. In der zweiten Hälfte werden die Gore – Einlagen durch das erhöhte Fantasy – Feeling etwas in ihrer Wirkung gedämpft.

Ein Problem für manch einen Zuschauer mag sein, dass die hier (in der zweiten Hälfte) kein wirklicher linearer Handlungsverlauf mehr zu erkennen ist sondern das Ganze mehr wie ein Episodengeflecht aussieht. Nur das Bemühen der beiden Mädchen Kirsty und Tiffanny die Hölle wieder zu verlassen bringt das ganze irgendwie weiter.

Doch eigentlich stört das nicht weiter ob der vielen Einfälle die uns hier präsentiert werden. Die Mutation Channards zum Cenobiten ist hierbei sicher das Erwähnenswerteste und seine bitterbösen Kommentare sind das Tüpfelchen auf dem i, von seiner Auseinandersetzung mit den anderen Cenobiten mal ganz zu schweigen.

Das Ende scheint zunächst tatsächlich auf ein Happy End mit geschlossenem Charakter hinzuarbeiten, doch letztlich erwartet den Zuschauer auch hier eine böse Pointe.

Das deutlich sichtbare Manko der Produktion ist, dass das Budget für die aufwendige visuelle Gestaltung offensichtlich zu niedrig war. Während die Maskenbildner stets auf hohem Niveau gearbeitet haben sind die visuellen Effekte selbst für das Entstehungsjahr 1988 primitiv und auch die Höllen – Kulissen wackeln hier und da. Und der Raum in dem sich die Cenobiten vorzugsweise aufhalten scheint völlig notdürftig zusammengebastelt zu sein. Doch sieht man darüber alles in allem gerne hinweg.

Obwohl „Hellraiser II“ insgesamt eine weit weniger schlüssige Handlung als Teil 1 aufweist, muss man ihm doch zugestehen dass er vom Stil her (nicht zuletzt in visueller Hinsicht) durchaus ein Novum darstellt. Dass er dabei auch noch eine ganz ansehnliche Palette an blutigen Effekten aufweist ist für die einen natürlich einer der Gründe, warum dieser Hellraiser – Film ihr Liebling aus der Reihe ist, während andere ihn deshalb (und wegen des etwas konfusen Handlungsverlaufs in der zweiten Hälfte) eher ablehnen.

8 / 10

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