Achtung: Teilweise Spoiler!
Der erste "Hellraiser" gehört für mich ganz klar zu den 5 besten Horrorfilmen aller Zeiten und die ofdb-Bewertungen zum zweiten Teil waren teilweise noch höher. Zwar lässt die Tatsache, dass Clive Barker schon keine Regie führen wollte, ein schlechtes Gefühl aufkommen, aber ich wollte einem Regiesseur, den ich bisher nicht kannte, unvoreingenommen sein. So bin ich also mit hohen Erwartungen an "Hellbound" gegangen, den ich mir als absolut ungeschnittene DVD von Anchor Bay besorgt hatte. Ich wurde mehr als enttäuscht....
Erst das Positive: Es gibt mehr Gore! Blut gibt es reichlich und die Ekel-Effekte sind auch meist sehr gut ausgearbeitet. Jedoch wirken viele blutige Szenen, als ob sie zum reinen Selbstzweck gedreht wurden, um den Film noch ein wenig heftiger wirken zu lassen.
Die CGI-Effekte (ich weiß, der Film ist schon etwas älter, aber trotzdem) extrem albern aussehen. Man denke nur an den großen Leviathan (und vorallem die seltsamen Schatten um ihn herum) oder die Schlussszene mit den Polizisten. 1988 hat man das schon sehr viel besser gekonnt.
Naja, aber das kann man ja noch verschmerzen, wenn wenigstens die tolle Atmosphäre des ersten Films hier genauso herrscht... aber leider Fehlanzeige. Die Cenobites tauchen nur sehr selten auf und auch im Lybyrinth kann Regiessseur Randel keine Atmosphäre aufbauen. Es wird zwar versucht mit bizarren Bilden und Gestalten eine surreale Stimmung zu erzeugen, allerdings wirken diese allesamt deplaziert und sind reiner Selbstzweck.
Auch die Sets Sets, die fast alle, bis auf den Dachboden von Dr. Channard wo die Leichen hängen, extrem billig wirken, vermitteln einem das Gefühl einen lieblos hingerotzes Sequel zu sehen. Vorallem das Krankenhaus und viele Teile des Labyrinths sind misslungen.
Das größte Manko bei "Hellbound" allerdings ist das schlechte Drehbuch. Am Anfang versucht man die Geschichte des ersten Teils zu kopieren (Julia aus der Matraze) und später im Labyrinth blickt man gar nicht mehr durch und nichts scheint einen Sinn zu machen. Die Sprüche des mutierten Dr. Channard nerven total nach einer Zeit und das Labyrinth scheint am Anfang irgendwie unendlich und höllenähnlich zu sein, jedoch spazieren Kirsty und Tiffany am Ende ganz gemütlich zurück ins Krankhaus und wissen anscheind genau den Weg.
Das geht dem Film auch ab: Ein sinnvoller Zusammenhang der Szenen. Es gibt viele Szenen, die einfach unnötig für den Film sind und bei denen man merkt, dass sie entweder gedreht wurden, um den Film länger zu machen, oder um den Zuschauer zu schocken.
Zu all den negativen Punkte kommen noch die Schauspieler, die mich bis auf Julia und vielleicht noch Kirsty absolut nicht überzeugen konnten. Vorallem die Dialoge in den ersten Szenen im Krankenhaus mit Dr. Channard, Kyle und Kirsty sind schlecht gespielt und wirken unglaubhaft.
Den allergrößten Fehler macht der Film jedoch am Ende: Die Cenobites werden entmystifiziert. Es wird erklärt, dass sie früher auch einmal Menschen waren und sie werden sogar allesanmt getötet und ihres früheres menschliches Aussehen gezeigt. Als dann der menschliche Pinhead Kirsty noch so süß anlächelt war bei mir der Ofen aus. So verlieren die Figuren ihre ganze Macht und man hat keine Angst mehr vor ihnen. Präsentierte Barker die Cenobites im ersten Teil noch als sehr rätselhafte, unmenschliche Wesen aus der Hölle, die keine Gnade oder sonstige menschliche Schwächen kennen, macht Randel aus ihnen nun die armen Opfer und versaut einem fast noch den Spass am ersten Hellraiser. So habe ich mich einfach geweigert, die Story des 2. Films als "wahr" innnerhalb der Hellraiser-Saga hinzunehmen.
Fazit: Unterdurchschnittliches Sequel zu einem Horrorklassiker, das alleine durch seine Blueffekte punkten kann. Der Rest des Film grenzt an eine Katastrophe. 4/10