Review

Es gibt nur wenige Fortsetzungen, die sich den Namen auch verdienen, aber eine wahre unter diesen ist sicherlich Tony Randels "Hellbound - Hellraiser 2", der das Unmögliche schafft, Bizarrheit, Abstrusität, Brutalität und Ekel aus dem ersten Teil noch zu toppen und das mit Hilfe einer kongenial weiterentwickelten Geschichte.

Der zweite Teil setzt wenige Stunden nach dem ersten ein und die gute Kirsty hat noch den entsprechenden Hau weg, während ihr Freund sich aus der Handlung verabschiedet hat. Vorsichtshalber sitzt sie in dem Sanatorium von Dr.Channard ein, der schon Übles ahnen läßt, als er über die Erforschung der Mysterien des Geistes salbadert, während er am offenen Gehirn operiert. Tatsächlich ist er der Puzzlebox und dem Geheimnis der Cenobiten auf der Spur und schafft es alsbald, die fiese Julia aus dem Höllenreich hervorzuholen. Doch seine eigene Abreise mittels der scheinbar autistischen Tiffany, einem Puzzlegenie, nimmt einen etwas ungewohnten Verlauf.

Hier ist es weniger der Einbruch des höllischen Bösen in eine scheinbar gesunde Realität - hier bricht die Hölle sofort und auf der Stelle los und wenn der Film etwas schafft, dann den Eindruck zu vermitteln, daß kein Ort sicher und natürlich ist. Kirsty sitzt mal wieder mitten im Mahlstrom, in dem Irrglauben, ihren Vater aus der Hölle befreien zu müssen. Das pure Böse springt einen praktisch in jeder Szene an und die Produktion samt Skript geht voll ins Eingemachte.
Allein Julias Rückkehr bedingt einen gesunden Magen, wenn Channard einen von auf ihm fressenden Maden phantasierenden und delirierenden Patienten der Irrenanstalt mit Rasiermesser ausstattet und der sich in ewig langen Einstellungen nach und nach den Brustkorb zerschneidet, bis genug Blut geflossen ist, um Julia zurückzubringen. Auch diverse Morde an Blutopfern und die damit verbundenen, herumhängenden, verwesenden Leichen, sind extrem lecker.

Aber zur Halbzeit kippt der Film völlig, indem er in die Höllenwelt der Cenobiten wechselt, wo Channard seine Bestimmung findet und Tiffany mit Kirsty das größte Puzzlespiel überhaupt lösen muß, was über die Existenz dieser Dimension entscheidet. Mit gar nicht mal so aufwendigen Kulissen wird hier ein endloses Tunnellabyrinth kreiiert, daß durch Mattezeichnungen noch ergänzt wird. Die Licht- und Hintergrundtricks sind immer noch nicht auf demselben Level wie etwa die blutigen Masken und Ganzkörperanzüge, aber die schiere Wucht dieser bizarren Filmphantasie wischt das beiseite.

Interessanterweise werden die Cenobiten auch hier wieder sehr knapp gehalten, Pinhead selbst taucht nur selten auf, wohingegen sich der Plot auf den Channardcenobiten konzentriert, der zur mörderischen und sprücheklopfenden Bedrohung mutiert. Freddy Kruegers Sprüche sind nichts gegen die finsteren Andeutungen dieses Monstrums und die Körperflüssigkeiten fließen wieder reichlich und zerschnitten wird alles, was auch nur halbwegs organisch ist.

Einen gesunden Magen sollte man schon mitbringen und nicht auf allzuviel erzählerische Finesse bauen, denn wer nicht seine Phantasie anstrengt, wird mit Fug und Recht fragen, was zur Hölle hier eigentlich vorgeht, denn Erklärungen gibt es nicht, schon gar nicht zu Funktionen und Abläufen. Es ist ein bizarrer Trip mit wenigen Dialogen und noch mehr Härte als im ersten Teil, ein Panoptikum des Grauens, wie es schon lange nicht mehr zu sehen war. Daß die Abläufe dafür etwas wirr geraten, kann jedoch zu Irritationen führen, denn es gab durchaus Probleme mit dem Drehbuch.

Am Ende scheint es für die Überlebenden endlich mal ein Happy End zu geben, natürlich darf die Schlußpointe nicht fehlen, aber scheinbar sind Pinhead, Chatterer und Konsorten tot (man erfährt sogar etwas über Pinheads Vergangenheit und sieht, wie er zum Cenobiten wurde) und es wäre Platz für eine neue Ebene des Grauens.
Leider wurde daraus jedoch ein recht konventioneller Film, den der sonst recht kompetente Anthony Hickox leider mit weitestgehend überraschungsfrei zusammenstrickte, wieder mit Pinhead in der zentralen Rolle, aber nicht mehr mit der grenzenlosen, abgrundtiefen Finsternis des Schmerzes, die hier stets propagiert wird.

Ob "Hellbound" der beste Hellraiserfilm ist, ist sicherlich streitbar, mag er auch nicht so geschlossen und unerbittlich sein wie Barkers Debut, ist er doch der tiefgreifenste und fabulierfreudigste Film der bisher sechs Teile, der in Dimensionen vordringt, wo noch nie ein Mensch gewesen ist (und nicht in Stücke gerissen wurde). (8/10)

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