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Wie bei den meisten erfolgreichen Horrorfilmen war wohl auch bei dem krassen Splatter-Schocker "Hellraiser" eine schnell folgende Fortsetzung unvermeidlich. Und wie bei den meisten fällt diese auch hier deutlich schwächer aus als das Original.

Als kleiner Pluspunkt kann dabei immerhin gelten, dass "Hellbound", so der Titel dieses zweiten Films über die dämonischen Zenobiten und ihre Philosophie des Schmerzes, direkt an das Ende des ersten Teils anknüpft: Nach den schrecklichen Ereignissen in ihrem Elternhaus wird Kirsty in eine psychiatrische Klinik geliefert, wo sie von einem mehr als zwielichtigen Arzt behandelt wird. Schnell stellt sich heraus, dass dieser finstere Pläne verfolgt: Er holt Kirstys mörderische Stiefmutter Julia zurück aus dem Reich der Toten, damit sie ihm die Geheimnisse der Zenobiten offenbart. Damit stößt er natürlich das Tor zur Hölle auf - ein Albtraum aus Gewalt und monströsen Kreaturen beginnt von neuem, den nur Kirsty beenden kann.

Splatter-Fans können aufatmen: In Sachen extremer Gewaltdarstellung kann "Hellbound" problemlos mit seinem Vorgänger mithalten. Die deftigen handgemachten Ekeleffekte sorgen für eine ganze Reihe verstörender Szenen - hier wird gehäutet, zerfetzt und durchbohrt, was das Zeug hält. Durch die krassen Effekte und eine düstere Farb- und Lichtdramaturgie, bei der die Farben Rot und Schwarz dominieren, entsteht so eine bedrückende Atmosphäre allgegenwärtigen Grauens. Insbesondere die Sequenz, in der Julia durch ein grausiges Menschenopfer zurückkehrt, ist von geradezu unerträglicher Grausamkeit.

Wo "Hellbound" also in Sachen Gewalteffekte und surreal-düstere Atmosphäre durchaus die Qualitäten des Originals erreicht, bleibt er in anderer Hinsicht aber deutlich hinter diesem zurück. Es ist klar zu spüren, dass das Drehbuch neue, eigenständige Wege gehen musste - und dass das dem neuen Drehbuchautor nur bedingt gelingt. Gut, die schwach ausgeprägten Charaktere, miesen Dialoge und bestenfalls mittelmäßigen Darstellerleistungen waren auch ein Manko von "Hellraiser". Hier aber kommt eine allzu zerfahrene Handlung hinzu: Zentrale Wendungen kommen arg plötzlich und unvorbereitet, und manch eine, wie etwa die Verwandlung des verrückten Arztes in ein besonders abscheuliches Monster, sorgt zwar für visuelle Höhepunkte, wirkt aber reichlich unmotiviert. Überhaupt gibt es einige beliebige Details und allerhand Klischees - das traumatisierte Mädchen mit besonderen Gaben - die dann meistens auch ohne große Zusammenhänge in den Raum gestellt werden.

Zwar werden Fans dafür durch ausführlichere Auftritte der Zenobiten unter Leitung ihres Anführers Pinhead (Doug Bradley) ebenso entschädigt wie durch einige faszinierende Details (etwa die menschliche Herkunft Pinheads). Dennoch bleibt "Hellbound" inhaltlich weit hinter dem ersten Teil zurück. Scheint es anfangs noch, als konzentriere sich der zweite Teil im Gegensatz zum mystischen Original eher auf eine Verbindung von dunkler Psychologie mit den Schmerz- und Gewaltfantasien der Dämonen, verläuft diese Symbolik spätestens nach der Hälfte des Films im Sande.

Was bleibt, ist ein atmosphärisch dichter, bildgewaltiger Hardcore-Schocker mit ultraheftigen Splatter- und Ekeleffekten, der inhaltlich dünn aufgestellt, aber für echte Genre-Fans unbedingt einen Blick wert ist.

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