Review

[Vorsicht! Massivste Spoilerwarnung!]


„And to think... I hesitated.“ [„Und zu denken... das ich zögerte.“]

Nach dem Überraschungserfolg von „Hellraiser“ (1987) erschien mit „Hellbound: Hellraiser II“ bereits im Folgejahr die Fortsetzung, für die weitgehend dieselben Macher des Originalfilms verantwortlich zeichneten. Clive Barker übernahm zwar nicht mehr persönlich die Regie, schrieb aber die Story zum Film, die sich als... man kann sagen, unausgereift und wirr, absolut abgefahren und himmelschreiend haarsträubend beschreiben lässt. Halsbrecherisch überschlagen sich die Ereignisse besonders in der zweiten Hälfte regelrecht, sodass mit fortschreitender Spieldauer immer unklarer wird, welche Motive die Charaktere verfolgen und welche Konklusion die Handlung herauszuarbeiten versucht. Dies soll zumindest den Versuch einer Analyse der verworrenen Handlung darstellen, denn fairerweise lässt sich immerhin ansatzweise erkennen, dass hier mit mehr Budget eine wesentlich stimmigere Geschichte hätte erzählt werden können. Vorweg kann man sagen: Hat man den ersten Teil nicht gesehen, ist „Hellbound“ noch weitaus weniger nachvollziehbar, obwohl „Hellbound“ sich immerhin bemüht, die zahlreichen Ereignisse aus seinem Vorgänger aufzuarbeiten.

Von vorne: Nachdem es Kirsty gelungen war, die Cenobiten zurück in die Hölle zu befördern und anschließend mit ihrem Freund Steve zu flüchten, findet sie sich in einem psychiatrischen Krankenhaus wieder. Gleich hier ist rätselhaft, unter welchen genauen Umständen sie dorthin gelangt ist. Ein Kriminalpolizist erklärt ihr, dass Steve völlig in Ordnung sei und entlassen wurde, der daraufhin auch nicht mehr in der Handlung auftaucht. Kirsty schildert der Polizei ihre Sicht der Ereignisse in Franks Haus und – was hier auffällt – spricht sie hier wörtlich von den „Cenobiten“. Woher zur HÖLLE kennt Kirsty diesen Begriff? Die Cenobiten haben sich ihr – wir erinnern uns – als „Forschungsreisende in die weiten Regionen der menschlichen Erfahrungen“ vorgestellt, von „Cenobiten“ war keine Rede. Bei der polizeilichen Untersuchung von Franks Haus werden Julias arme ausgesaugte Sexopfer aufgefunden, die man herausragend widerwärtig und madenzerfressen inszeniert hat. Und man möchte gleich das erste Lob aussprechen: Was die Ekel- und Spezialeffekte angeht, ist „Hellbound“ mal wieder ein absolutes Fest für die Augen. In der blutigen Matratze, auf der Julia starb, verstecken sich nach wie vor deren Überreste...

Dr. Channard, der behandelnde Arzt des Krankenhauses, glaubt Kirsty ihre wilden Erzählungen über Dämonen und ein Tor zur Hölle, da er zufälligerweise nebenbei mit der Erforschung dieser Dimension beschäftigt ist... Zufall oder Nutzen für die Story, dass Kirsty ausgerechnet bei diesem Arzt gelandet ist? Man soll es als Publikum eben so abkaufen. Neben Kirsty ist eine weitere sonderbare Patientin im Krankenhaus: die zwar nicht stumme, aber meist schweigende Tiffany, die beim Lösen von Puzzlespielen den Spaß ihres Lebens und scheinbar keinen anderen Lebensinhalt hat. Kirsty erhält eine schaurige Botschaft an der Wand, die tatsächlich sehr gut inszeniert und authentisch scary rüberkommt: I AM IN HELL HELP ME. Kirsty glaubt an einen Hilferuf ihres Vaters Larry, auf dessen Suche sie sich begeben will... An der Stelle scheint es nicht plausibel, dass Kirsty an Larrys Verbleib in der Hölle glaubt, da der doch völlig unschuldig blieb und absolut herkömmlich von Frank getötet wurde... Schiebe man es auf ihren allgemeinen Geisteszustand.

Dr. Channard ist krankhaft besessen davon, die Rätsel um den menschlichen Geist zu entwirren. Zu diesem Zweck nimmt er „Operationen“ (gewaltsame Eingriffe) an den Gehirnen seiner Patienten vor, die währenddessen halbwegs bei Bewusstsein sind. Zu Hause hat er eine beachtliche Sammlung der magischen Würfel und sogar Archivmaterial mit Hintergrundinformationen über die frühere Identität des Lead Cenobites „Pinhead“, der hier nun auch offiziell im Abspann so genannt wird. Es ist absolut unerklärlich, wie diese Hintergründe dokumentiert werden konnten: Wir erfahren, dass Pinhead einst ein Mensch gewesen ist, der seinerseits selbst den Würfel öffnete und sodann in einen Cenobiten verwandelt wurde. Somit kann im Grunde kein Mensch über dessen Schicksal im Bilde sein, und dennoch liegen Zeichnungen von Pinhead und sogar eine alte Fotografie seiner menschlichen Gestalt in Channards Büro. Außerdem lernen wir, dass es mehr als nur einen Würfel gibt, denn Franks Exemplar wurde durch den „Obdachlosen“ („Derelict“) im ersten Teil gesichert und fortgeschafft; hier entführt und benutzt Channard nun Tiffany, den sie als Versuchskaninchen einen seiner Würfel öffnen lässt. Auch lässt der Doktor die Matratze, auf der Julia verstorben ist, von scheinbar sehr käuflichen Polizeibeamten zu sich nach Hause liefern. Aus seiner Irrenanstalt sucht er sich ein besonderes Exemplar von Patient heraus, den er als Begrüßungshappen für Julia opfert, die durch die blutige Stärkung in der Lage ist, aus der muffigen Matratze herauszuplatzen. Wie auch Frank kann sich Julia mittels eines kräftigen Griffs in den Nacken seines Opfers an dessen Blut laben und zu neuen Kräften kommen. Die sehr explizite Darstellung dieser ganzen Szenerie ist schon halbwegs extrem und einfach nur fantastisch umgesetzt. Wie sich die blutverschmierten, feucht-gänzenden Körper über den Fußboden robben, kann man schon als Kunst bezeichnen, in die jede Menge Arbeit und Mühe flossen. Die Macher haben es verstanden, die hautlose Julia realistischst aussehen zu lassen.

Auch Channard hat scheinbar eine Schwäche für hautlose, blutverschmierte Knochengerippe, denn ist er ganz entzückt von der neu auferstandenen Julia und besorgt ihr noch weitere Opfer, damit die ihre Haut wiederbekommt. Kyle, ein anderer Arzt des Krankenhauses, weiß von Channards Machenschaften, verbündet sich mit Kirsty und zusammen treffen die beiden im Haus des Doktors ein, wo Kyle allerdings Julia zum Opfer fällt. Kirsty wird von Julia mit einer ziemlich mächtigen Ohrfeige K.O. geschlagen (!). Dr. Channard scheint ein einmalig logistisches Talent dafür zu haben, unbemerkt haufenweise Patienten aus dem Krankenhaus zu sich nach Hause zu entführen, denn in der Folge sehen wir in dessen Haus einen Raum voller Leichen, die Julia aussaugen durfte. Die bezeichnet sich jetzt als die „Queen of Hell“ und scheint von ihrem Dasein als „Hellraiser“ durchaus angetan zu sein, denn anstatt ihre neu gewonnene Freiheit zu genießen, wohnt sie lieber dem weiteren Treiben Dr. Channards bei, der Tiffany die Cenobiten herbeirufen lässt; allerdings treten die mit einer Neubesetzung auf: Female Cenobite hat sich äußerlich verändert, da die Schauspielerin aus „Hellraiser“ nicht mehr zur Verfügung stand. Pinhead durchschaut, dass Tiffany nur als Spielball benutzt wurde, lässt gleichgültig aber zu, dass diese durch die dunklen Gänge der Höllendimension irrt, die sich nun aufgetan haben. Warum sie das tut, bleibt vorerst unklar.

Von nun an wird der Film absolut surreal, bizarr und verliert sich ekstatisch in spektakulärem Albtraummaterial. Wir sehen mehr aus dem dunklen Tunnelgewölbelabyrinth, das Kirsry bereits im ersten Teil kurz betreten durfte. Hier verirrt sich Tiffany und findet sich irgendwann in einem Hafenkarnevalsjahrmarkt wieder, wo eine Reihe diverser Schrecken warten. Die Kulissen sehen hier teilweise derart künstlich aus, dass diese Einstellungen tatsächlich ihrer Bestimmung gerecht werden können: gruselig und unheimlich zu sein. Wir sehen beliebig eingebaute Bilder bunter Clowns, die mit Augäpfeln jonglieren, einen verstümmelten Säugling, der aber derart offensichtlich nur eine Puppe ist, dass es irgendwie creepy ist. Das wirkt ein bisschen so, als hätten die Macher im Meeting gefragt: „Leute, was machen wir? Lasst uns einfach alles einbauen, wovor kleine Mädchen Angst haben. So Sachen wie Puppen und Clowns!“ Und mir als Publikum mundet es! In schwammigen Rückblenden erfahren wir etwas über Tiffanys Backstory: Die wurde von ihrer Mutter zu Dr. Channard gebracht, um ihr helfen zu lassen, weil die „Puzzlespiele ihr Leben zerstören“... Man sieht Tiffany dann im Operationssaal, was man so deuten könnte, dass Channard eine Lobotomie an ihr vornahm. Auch wird angedeutet, dass Tiffanys Mutter getötet oder entführt wurde. Kirsty trifft abermals auf die Cenobiten, die nicht allzu nachtragend sind und diese nicht gleich aufspießen, sondern sie durch die Gänge des Labyrinths irren lassen, um ihren Vater zu suchen.

Derweil führt Julia ihren Freund Channard durch die Höhlen des Labyrinths und stellt ihm den dunklen Herrscher der Höllendimension vor, den sie anbeterisch „Leviathan“ nennt. Vergleichbar mit Sauron aus Mittelerde handelt es sich bei Leviathan nicht um einen Charakter oder einen Dämon mit einem Antlitz, sondern um eine wolkenkratzerhohe Säule, die schwarzen Rauch ausstößt. Hier wird uns also eröffnet, dass Pinhead nicht der Teufel und somit Herrscher der Unterwelt ist, sondern einfach nur ein Angestellter dieses großen Gebildes, in dessen Auftrag er und die anderen Cenobiten handeln. Das Labyrinth stellt sich als endlos riesiger Komplex aus Gängen, Treppen und Abgründen dar, dessen Darstellungen fantastisch unecht und faszinierend deprimierend aussehen. Channard ist ob des Anblicks des Leviathan desillusioniert und plötzlich gar nicht mehr erpicht darauf, noch mehr zu erfahren. Er wird von Julia betrogen und in eine Folterkammer getrieben, in welcher er von gierigen Tentakelmonstern penetriert und zur Fellatio gezwungen wird. Zusätzlich bekommt er noch eine Sonderbehandlung, bei der ihm durch mächtige fleischige Spritzen das Blut abgesaugt und ein blaues Zeug injiziert wird. Hier wird zumindest die weitere Motivation von Julia klar: Sie soll für den Leviathan neue Seelen heranschaffen.

Kirsty, nach wie vor im Besitz des Würfels, irrt immernoch durch die Gänge und findet sich von jetzt auf gleich in einem Wohnzimmer wieder, in der ein Bild ihrer leiblichen Mutter steht. Dieses zeigt dann aber plötzlich ihre Stiefmutter Julia und füllt sich voll Blut, ehe sie von Insekten fortgejagt wird. Daraufhin findet sie sich in Onkel Franks persönlicher Höllenkammer ein. Die ist eigentlich sogar ganz gemütlich; er hat sehr viele Kerzen aufgestellt und es gibt einen Schminktisch. Frank eröffnet Kirsty, dass der blutige Hilferuf im Krankenhaus von ihm ausging. Nach einem kurzen Gerangel mit Frank, der von seiner Nichte Körperlichkeiten fordert, setzt diese den riesigen Raum mit nur einem einzigen Bettlaken in Flammen. Während Kirsty schlau genug ist, sich vom Feuer fernzuhalten, stellt Frank sich einfach genau rein und lässt sich die Haut abschmelzen, sodass wir nun wieder den hautlosen Frank aus dem ersten Teil sehen. Wie von Zauberhand verschwindet das Feuer wieder; dann trifft Julia ein, die indes Tiffany entführt hat. Frank tut so, als hätte er Julia niemals niedergestochen und ausgesaugt und verlangt bedingungslose Liebe von ihr. Die rächt sich aber, indem sie ihm mit der bloßen Hand das Herz herausreißt. Es stellt sich die Frage: Stirbt er dann jetzt in der Hölle? Und was genau passiert dann mit ihm? Das wird aber nicht beantwortet und alle verlassen den Schauplatz. Es geht genauso absurd weiter: Wieder in den endlosen Labyrinthen angekommen, kommt es zu einem Handgemenge zwischen Kirsty/Tiffany und der neuen Höllenfürstin Julia, die in einen sehr zugigen Tunnel geraten ist und Gefahr läuft, irgendwohin abgesaugt zu werden. Warum zur HÖLLE auch immer, möchte Tiffany Julia plötzlich helfen und streckt die Hand nach ihr aus. Julias nagelneue Haut reißt aber auf, sodass ihr Körper im Sog verschwindet. Hier sieht man die echte Julia zum letzten Mal, sodass ihr weiteres Schicksal unklar bleibt.

Entlassen aus seiner Folterkammer kommt Channard dann mit sehr knalligen Hautfarben wieder heraus - und wurde in einen Cenobiten verwandelt! Frisch im Club aufgenommen, ist ihm in der Umkleidekabine sogar eine schwarze Lederkluft angepasst worden. Der kann sein vorheriges Zögern nicht mehr nachvollziehen und hat mit seiner neuen Existenz den Spaß seines Lebens. Als nächstes bohrt sich ein gigantischer, schlauchiger Phallus in seinen Schädel, der Channard von jetzt an durch die Gegend trägt. Channard als Cenobit ist absoluter Kult. Der kann sich Tentakel wachsen lassen, die mit allen möglichen nützlichen Dingen wie Fingern, Blumen, messerscharfen Klingen und Operationsbesteck ausgestattet sein können. Euphorisch lässt er einen hirnkranken Oneliner nach dem anderen vom Stapel und ist einfach nur auf maximale Vernichtung seiner Opfer aus – besonders auf seine Patientin Tiffany hat er es abgesehen...

Kirsty und Tiffany fliehen aus dem Labyrinth zurück ins Krankenhaus, doch dort hat Channard sich inzwischen eingefunden und ein blutiges Schlachtfest angerichtet. Es kommt bald zu einem erneuten Aufeinandertreffen von Kirsty und den Cenobiten. Warum auch immer sehen wir hier den „Chattering Cenobite“ plötzlich in einer anderen Erscheinung. Sein Aussehen hat sich im Vergleich zu seinem früheren Auftritt im Film deutlich verändert. Natürlich will die Ledergang Kirsty wieder unglaubliches Leid antun, doch die zückt die Fotografie von Pinheads früherem Ich aus Channards Büro und erinnert die Cenobiten daran, dass diese einmal Menschen gewesen sind. Völlig ergriffen von dieser welterleuchtenden Erkenntnis rücken die Cenobiten vollständig von ihrem unheiligen, ewigen und unverrückbaren Dasein als sadistische Dämonen ab, werden altersmilde und verlieren ihr Interesse daran, Kirsty in Stücke zu zerteilen. Jetzt kommt Channard wieder dazu: Der will Kirsty und Tiffany sehr wohl einer Operation unterziehen, doch die Cenobiten versuchen, ihre neu gewonnene Freundin zu schützen. Die stehen aber fast nur dumm rum, haben letztlich keinen Stich gegen Channards Superpower und werden von dem ziemlich zackig dahingerafft. Die Cenobiten verwandeln sich nach ihrem Tod zurück in ihre menschliche Gestalt. Pinhead verwandelt sich – warum auch immer – bereits vorher in sein menschliches Ich zurück, wird dann in seiner menschlichen Gestalt aber ebenso von Channard getötet. Pinhead ist an diesem Punkt Geschichte.

Kirsty und Tiffany verschwinden erneut, da der Eingang zur Hölle ständig offen steht, sodass man jederzeit von dort abhauen kann, doch Puzzlemeisterin Tiffany will wieder zurück, denn die sieht ihre Bestimmung scheinbar darin, jedes Puzzle zu lösen und betrachtet den Leviathan ebenfalls als solches. Channard geistert noch immer hier rum und ist jetzt wieder hinter den beiden her, während er noch mal ein paar fulminante Sprüchefeuerwerke zündet! Schließlich gelingt es Tiffany, den Zauberwürfel - in Form des Leviathan - so zu verpuzzlen, dass der wieder einen Würfel ergibt. Der große, ach so unantastbare Gott Leviathan tut ihm dies nach, bis er... kaputt ist? Im Begriff ist, zu explodieren? Man weiß es nicht genau, aber seine Wirkung scheint nachzulassen, denn schon trennt sich der Riesenphallus von Channards Schädel, dem dadurch jetzt der Kopf abgerissen wird. Das schockt die ansonsten so hartgesottene Tiffany so sehr, dass sie fast in einen tiefen Abgrund stürzt, kann dann aber von Kirsty gerettet werden, die irgendwo noch Julias Haut besorgt hat, um vorher Channard zu täuschen. Die beiden flüchten dann vor dem Leviathan, der richtig sauer ist und in alle Richtungen Laserkugeln abfeuert. Sodann finden sie sich in der Realität wieder; das Tor zur Hölle und das Krankenhaus sind geschlossen. Kirstys Vater Larry bleibt unaufgefunden. Einen Cameo hält der Film ganz am Ende bereit: Wir sehen den Umzugshelfer aus Teil 1, der hier die Aufgabe hat, Channards Haus zu räumen. Der wird aber Opfer eines großen Marterpfahls, der aus Julias Matratze herauswächst. Und in dem ist - warum auch immer - nun Pinhead gefangen! Er ist also doch nicht tot, sondern fristet sein Dasein jetzt als weitere gepeinigte Seele in dieser Säule. Warum? Weil der Film es kann. Bislang sahen wir bei Hellraiser noch keine sich drehenden Holzpflöcke aus Matratzen herauswachsen, doch hier ereignet sich solches eben und legt damit den Grundstein für die Fortsetzung...

Ja, was soll man jetzt aus all dem machen? Ich vergebe enthusiastische 9/10 Punkte! Ich kann gar nicht sagen, ob mir persönlich Teil 1 oder Teil 2 besser gefällt, auch wenn Christopher Youngs Filmmusik hier nicht ganz so episch wirkt wie im Vorgänger. Natürlich tun sich hier 1.000 Logiklöcher auf und nüchtern betrachtet sollte die Geschichte glaubhafter sein, doch hat man sich einmal an diesem Film betrunken, wird das komplett egal! Wir sehen hier nicht weniger als ein schützenswertes Kunstwerk, das es zu erhalten gilt. Das liegt an den absolut irrwitzigen Einfällen, die hier eingebaut wurden. Mit „Hellbound“ erlebt man einen unvergleichbaren Trip, der einer bizarren Fahrt durch eine schrille Geisterbahn gleicht: Es macht keinen Sinn, unterhält aber ungemein und es gibt kaum eine Szene, die nicht irgendwie weird oder creepy ist. Würde man heutzutage so einen Film abdrehen, würde das einfach nur lächerlich wirken, aber allein das Alter des Films verleiht ihm diesen kultigen 80er Jahre-Mitternachts-Videokassetten-Charme, den man in der Ausprägung in keinem anderen Werk findet. Genau solche Filme hätten meine Großeltern als absoluten jugendgefährdenden Schund bezeichnet. Hier findet sich im Gegensatz zum ersten Film ein gewisser Anteil schriller Comedy, ist aber dennoch gruselig. Die Darstellung und bloße Existenz des „Leviathan“ ist unheimlich und hat etwas Ungreifbares. Julia gefällt mir in ihrer Rolle als Hauptantagonistin richtig gut und man durfte hoffen, dass sie im dritten Teil diabolischer als je zuvor zurückkehrt, was leider nie realisiert werden konnte. Das Mysterium um die Cenobiten wurde hier stark beleuchtet, wodurch diese am Ende ihre bedrohliche Wirkung einbüßen; dafür bekamen wir mit Channard Cenobite eine mindestens genauso unvergessliche Kultfigur, die hier absolut hyperaktiv, dement und bösartig auftritt. Extravagante Horrorkost.



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