Alle Abarten unserer kranken Welt werden uns hier auch semiwissenschaftliche und äußerst unterhaltsame Weise geschildert. Ein junger Reporter, der aussieht wie ein typischer 70er Jahre Pornostar, eine flotte Wissenschaftlerin, die aussieht wie die Hauptdarstellerin aus einem 70er Jahre Sexploiter und ein sleaziger Sexualpsychologe sind die Cryptkeepers durch die Welt der Paraphilie, der Abartigkeit und der Wollust. Wir lernen auf unserer Reise durchs Schlüpfrige einige illustre Gesellen mit wirklich seltsamen Neigungen kennen, zum Beispiel einen Fußfetischist, diverse Natursekt- und Kaviargourmets (der japanische Pornofilm lässt grüßen), Nekrophile und andere liebenswürdige Fetischisten.
Oh Mann. Libido Mania ist ein mehr oder weniger komplett gestellter Mondo vom italienischen Schundgott Bruno Mattei (Womens Camp 119, Großangriff der Zombies uvm), der sich wirklich für nichts zu schade ist, und in Freudschen gefilden wandeln möchte, und dabei jedoch irgendwo zwischen Erwin C. Dietrich Produktionen und späteren Mondo Cane Teilen anzusiedeln ist.
Die sprunghaften Episoden, welche allesamt angenehm kurz, spritzig und wahrlich unterhaltsam daherkommen. Angenehm fällt hierbei die Tatsache auf, dass die Episoden allesamt wirklich gut produziert sind, und trotz ihrem schmuddeligen Charme handwerklich eigentlich einwandfrei sind. Natürlich haben wir es hier mit einem waschechten sleazigen Exploiter zu tun, den man auf keinen Fall ernst nehmen sollte, doch als Trashgurke oder Totalausfall kann man Libido Mania wirklich keinesfalls bezeichnen!
Diese Perle aus den späten 70ern besticht, wie schon erwähnt, durch seine kurzweiligen Episoden, welche größtenteils so wahnwitzig sind, dass man als eingefleischter Sexploitation Freund aus dem Staunen eigentlich nicht mehr heraus kommt. Als Highlights gelten für mich zum Beispiel die Darstellungen der Koprophilen, die den Stuhlgang junger Frauen aus öffentlichen Toiletten kratzen, die Szene mit dem Kerl, der sich als Pfarrer verkleidet, und vor einer Prostituierten, die in einem Sarg die Tote spielt masturbiert, und der Narziss, der sein eigenes Spiegelbild küsst. Die Dialoge sind mehr als episch. Beispiel: "Wenn ich eine Frau beim vorbeigehen an den Brüsten anfasse, muss ich sofort masturbieren", oder "Während ich daran rieche [dem Stuhlgang] stelle ich mir die schönsten Frauen der Welt vor". They don't make movies like this anymore.
Die einzelnen Episoden rangieren irgendwo zwischen belustigend, peinlich und makaber, schaffen jedoch immer den Spagat zwischen Unterhaltung und Information, und passen alle sehr gut ins Grundkonzept dieses seltsamen Filmes.
Wissenschaftlichen Wert haben die Episoden nicht. Obwohl man sich sichtlich bemüht hat, irgendwelche mehr oder weniger seriöse Quellen als Grundstein zu verwenden, vermittelt der Film durch seine Athmo eher Bahnhofskino Athmosphäre, als eine wissenschaftliche Aura. Inwiefern dies beabsichtigt war, ist fraglich, aber es handelt sich halt nach wie vor um Exploitation. Wenn man sich ernsthaft mit Sexualität auseinandersetzen möchte, ist man mit einem Buch halt besser bedient. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass irgendjemand auch nur im Traum daran denken könnte, dass man es hier mit einem ernstzunehmenden Beitrag zum Thema Sexualpsychologie zu tun hat. Aber heutzutage verwundert mich eigentlich garnichts mehr.
Fassen wir also zusammen: Unterhaltung - Check; Sleazefaktor - 100%; sporatische Goreszenen - vorhanden; Absurditätsfaktor - 10/10; Ära - unverwechselbar 70er; Grundton - ranzig; Anspruch - nope. Ein wahrlich obskures Werk, für das wohl heute die wenigsten Verständnis haben dürften. Einen Vorwurf kann man der modernen Zielgruppe (?) wohl nicht machen, denn solche Filme gab es selbst zu ihrer Blütezeit nur eine Handvoll, und mir ist kein Film bekannt, der eine solch charmante Dreistigkeit besessen hat, wie Libido Mania es tut. Wer auf Obskures steht, insgeheim immernoch einer Zeit nachtrauert, in der großbusige SS Mädels und langsame Zombies mit Spaghetti im Gesicht über die Bahnhofskinovorführungen flimmerten, und auch einmal über ernste Themen, wie Sexualpraktiken anderer Länder und sexuelle Abartigkeiten lachen kann, der sollte sich selbst einen gefallen tun, und diesen obskuren Streifzug durch die Welt der Fetische (am besten mit einigen gleichgesinnten Freunden) so schnell wie möglich heraus aus dem wunderschönen Schuber und hinein in seinen DVD - Player befördern! Man bekommt wunderschönen alten Trash mit einigen Kunstfehlern, Ecken und Kanten und einer unklaren Ausgangsposition geboten, der wohl sehr stark polarisieren dürfte, aber hey, das zeichnet den besonderen Film doch allgemein aus, oder?
Wegen einiger kleiner Macken bekommt Libido Mania von mir
9/10
Punkte, und das Prädikat NICHT wertvoll, aber auf seine Art total geil gemacht.